29.06.2016, 20:23 Uhr

Projekt Hagertal ist nun fix

Schäden gab es beim vergangenen Hochwasser auch im Hagertal (Bild: Brücke wurde weggerissen).
Grundeigentümer haben sich für die Einleitung eines Agrarverfahrens ausgessprochen.

KÖSSEN (jom). Die Hochwasserschutzmaßnahmen in Kössen (Baulos III) sind nun drei Jahre nach dem 100-jährigen Hochwasser so gut wie fertig. Lediglich die Sicherung des Klärwerkes und einige kleine Adaptierungsarbeiten sind noch ausständig. Inzwischen wurde viel diskutiert und abgewogen, ob das Kössener Ortsgebiet wirklich hochwassersicher ist. Eine Bürgerinitiative wurde gegründet, die erstmals das Hagertal schon forderte, Sepp Hechenbichler brachte beim letzten Forum sogar einen Staudamm ins Spiel (BB berichteten ausführlich).

Retention

Nun ist es fix, im Hagertal ist die Schaffung von Retensionsräumen geplant, die im Hochwasserfall gezielt geflutet werden (sogenannte „optimierte Retensionsräume“) erklärt DI Anton Fuchs, technischer Leiter des Zusammenlegungsverfahrens vom Land Abt. Bodenordnung. Es wurden zwei Varianten untersucht, wobei die Großachengenossenschaft auf Empfehlung der Abteilung Wasserwirtschaft die Variante 2 „Rückhalteräume südliches Hagertal“ den Vorzug gegeben hat. Laut Studie erstreckt sich das Projektgebiet über 250 Hektar, 185 Grundeigentümer sind dabei betroffen.

Im Herbst 2016 wird das Sachgebiet Schutzwasserwirtschaft den Auftrag für die Planung des generellen Retentionsprojekts an ein Planungsbüro vergeben. Parallel zu dieser Planung werden die notwendigen Erhebungsarbeiten für das Zusammenlegungsverfahren (Bodenbewertung, Vermessung, Bestandserhebungen) durchgeführt. Diese „Beweissicherung“ bildet eine wesentliche Grundlage für Wiederherstellungsmaßnahmen nach allfälligen Flutungen.
Nach Fertigstellung des Detailprojekts kann dieses von der Großachengenossenschaft bei der Agrarbehörde zur Genehmigung (wasserrechtlich, naturschutzrechtlich, usw.) eingereicht werden.
Grundeigentümer, deren Grundstücke in optimierten Retentionsräumen liegen, werden für die Wertminderung der Grundstücke eine Entschädigung erhalten. Die Grundeigentümer müssen im Überflutungsfall schadlos gehalten werden. Die Höhe dieser Entschädigung kann derzeit noch nicht beziffert werden, sie wird erst nach Vorliegen des Detailprojekts im Zuge des Genehmigungsverfahrens detailliert geregelt, so Fuchs.

Zeitlich ungewiss

Eine zeitliche Prognose der Umsetzung des Retentionsprojekts ist derzeit nicht möglich, da dies auch von den finanziellen Möglichkeiten der Großachengenossenschaft abhängen wird. Die Erstellung des generellen Projekts wird jedoch voraussichtlich 1,5 Jahre dauern, darauf aufbauend ist dann noch ein Detailprojekt zu erstellen.
Die Kosten der Planung bzw. der Umsetzung können derzeit noch nicht beziffert werden, betont Fuchs.
Im März 2016 wurde von den Grundeigentümern der Zusammenlegungsausschuss mit dem Obmann Michael Brunschmid aus Kirchdorf gewählt, damit dieser die Interessen vertritt.
Im Mai 2016 wurden dann alle betroffenen Grundeigentümer (landwirtschaftliche und private) zu einer Grundlagenerhebung eingeladen und die spezifischen Besonderheiten eines jeden Grundstückes und die speziellen Anliegen der Grundeigentümer erfasst und dokumentiert. "Diese Erkenntnisse werden vom Ausschuss in der nächsten Sitzung besprochen und entsprechende Vorgaben für die Planung der Retentionsmaßnahmen verfasst (Fluchtmöglichkeit für Weidetiere bei einer Flutung, Sicherung von Brunnen...")", erklärt Brunschmid.

"Ich bin zuversichtlich, dass wir dieses Projekt in einem gemeinsamen Wirken der Zusammenlegungsgemeinschaft, der Agrarbehörde, des Wasserbaues
und der Großachengenossenschaft zum Schutz und Wohle der gefährdeten Personen und Objekte und in verträglicher Art und Weise für die zukünftig belasteten Grundstückseigentümer planen, durchführen und umsetzen können", so Brunschmid.
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