30.09.2016, 18:33 Uhr

Kitzbühels Frauen müssen auf 11.061 Euro jährlich verzichten

"Der Gehaltsunterschied zwischen Männern und Frauen beträgt aufs Jahr gerechnet 11.061 €", so Anna Grafoner von den ÖGB-Frauen. (Foto: Grafoner)

93 Tage jährlich leisten Kitzbüheler ArbeitnehmerInnen unbezahlte Arbeit.

Der Equal Pay Day gibt jedes Jahr aufs Neue darüber Aufschluss, ab wann Frauen in Österreich und den Bundesländern quasi unbezahlte Arbeit leisten.
„Ab dem 30. September arbeiten Frauen in unserem Bezirk sozusagen ‚gratis‘, damit haben sie sich im Vergleich zum letzten Jahr um lediglich einen Tag verbessert. Der Gehaltsunterschied beträgt aufs Jahr gerechnet 11.061 € , das entspricht 25,4 Prozent“, informiert Unterlands Stv. ÖGB-Frauenvorsitzende Anna Grafoner.
Sie und ihr Team haben für Dienstag, den 4. Oktober, eine Podiumsdiskussion zum Thema organisiert. Expertinnen aus SPÖ, ÖGB und der Arbeitswelt werden ab 19.30 Uhr im Kultursaal der Salvena in Hopfgarten debattieren.

11.061 Euro jährlich weniger

93 Tage jährlich leisten Kitzbüheler ArbeitnehmerInnen unbezahlte Arbeit.
Lediglich die Einkommen der Reuttener Arbeitnehmerinnen sind noch niedriger. Tirol schneidet im Österreichvergleich schlecht ab und liegt an drittletzter Stelle. Dazu kommt, dass fast in keinem anderen Land der Einkommensunterscheid so groß ist wie in Österreich. Für Grafoner eine „echte Blamage“.

1.700 Euro Mindestlohn

Da sich die Einkommensschere nur äußerst langsam schließt, bleiben die ÖGB-Frauen bei ihrer zentralen Forderung von 1.700 Euro Mindestlohn in allen Kollektivverträgen. „Damit würde sich die Lohnsituation von Frauen bereits beim Berufseinstieg verbessern. Weiters bleiben verpflichtende Frauenförderung in großen Betrieben und verbindliche Quoten in Führungspositionen auf unserer Agenda“, informiert Margit Luxner, Stv. Regionalvorsitzende. Laut Tiroler Gleichstellungsbericht verdienen Frauen bei gleicher Arbeitszeit um 22 Prozent weniger als Männer, die Hälfte der erwerbstätigen Tirolerinnen verdient weniger als 1.000 Euro.

Arbeitszeit

Beinahe jede zweite Frau in Österreich arbeitet Teilzeit, das bedeutet weniger Gehalt und niedrige Pension. Für viele Frauen ist Teilzeit auch aufgrund fehlender Kinderbetreuung eine Notwendigkeit, um Beruf und Familie zu vereinbaren. Männer machen – oft unfreiwillig – Überstunden. Die wachsenden Unterschiede in der Arbeitszeit entsprechen nicht immer dem Wunsch der Beschäftigten. Vollzeitarbeitskräfte wollen oft kürzer arbeiten, Teilzeitarbeitskräfte wollen oft ihre Stunden aufstocken. 47,4 % der Frauen arbeiteten 2015 Teilzeit (2014: 46,9 %). Demgegenüber lag der Anteil der erwerbstätigen Männer, die eine Teilzeitbeschäftigung ausüben, bei nur 11,2 % (2014: 10,9 %). Absolut betrachtet arbeiteten auch 2015 wesentlich mehr Frauen in Teilzeit als Männer (926.500 Frauen und 245.400 Männer). (Quelle Statistik Austria)

Einkommensberichte als wirksames Instrument

„Derzeit werden Einkommensberichte zwar erstellt, landen dann aber oft in der Schublade. Dabei belegen zahlreiche Best-Practice-Beispiele, dass sie vor allem dann gute Wirkung zeigen, wenn sich Geschäftsführung und Betriebsrat gemeinsam damit auseinandersetzen“, so Tirols ÖGB-Frauenvorsitzende Ulrike Ernstbrunner. In vielen Branchen haben BetriebsrätInnen bereits für bessere Einstufung, für Karriereentwicklung in höhere Gehaltsgruppen oder einfach für Gehaltserhöhungen für Frauen verhandelt.
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