12.10.2016, 07:00 Uhr

Geruchs-Problem in Reifnitzer Kita

In der Reifnitzer KITA riecht es bedenklich. Nun wird eine umweltmedizinische Bewertung durchgeführt, im Vorfeld ließ der Betreiber zwei Gutachten erstellen (Foto: KK)

Schadstoffmessungen in Kita Reifnitz: Erhöhte Werte machen umweltmedizinische Bewertung notwendig.

REIFNITZ (vp). Zwei Gutachten sorgen für Beunruhigung in der Gemeinde Maria Wörth. Diesen zufolge gibt es Überschreitungen der Vorsorgewerte bei unterschiedlichen Aldehyden in der Raumluft sowie bei der Raumluftkonzentration an Acetaldehyd in den Räumlichkeiten der Kindertagesstätte (Kita) Reifnitz (siehe unten). Der "Übeltäter" könnte der Linoleumboden sein, heißt es. Eines der Gutachten stammt von der Abteilung 8 des Landes und rät dazu, die Ergebnisse umweltmedizinisch bewerten zu lassen. Die Gutachten wurden vom Betreiber der Kita (Hokip Kindertagesstätten) in Auftrag gegeben.

Merkwürdiger Geruch

Zur Vorgeschichte: Die Kita wurde im vergangenen Jahr von der Gemeinde erbaut, seit Dezember 2015 fungiert Hokip als Betreiber. Schon zu Beginn war laut GF Michael Ertl ein eigenartiger Geruch bemerkbar. Auch weitere Mängel mussten beanstandet werden (z. B. für Kinder gefährliche Spitzen am Zaun).
Auf den Geruch angesprochen habe Bgm. Markus Perdacher (ÖVP), von Beruf Tischlermeister und selbst am Bau der KITA beteiligt, gesagt, dieser würde verdampfen. Als dies jedoch nach Wochen noch nicht der Fall war, fragte Ertl bei einer Bodenfirma nach. "Es hieß, es könnte noch zwei bis drei Monate dauern, doch auch danach war der Geruch nicht verschwunden."
Ertl verlangte von Perdacher eine Unbedenklichkeitsbescheinigung, die er jedoch nicht erhielt. "Als Betreiber bin ich dazu verpflichtet", so Ertl.

Keine Antwort

Weil er nicht mehr weiter wusste, wandte er sich an den Familienausschuss, an GV Birgit Zemasch (FPÖ). "Ich habe mir dann selbst vor Ort ein Bild gemacht. Nach 30 Minuten im Bewegungsraum musste ich diesen wegen starker Kopfschmerzen verlassen", so Zemasch. Sie informierte die Gemeinde und die zuständige Abteilung des Landes Anfang Juli über das Problem.
"Ich habe aber nie eine Antwort von Bürgermeister Perdacher erhalten, das Land verwies mich an den Bauträger - also die Gemeinde", so Zemasch.

Betreiber gekündigt

Also beschloss Ertl, die Messungen in Eigenregie durchführen zu lassen - mit bekanntem Ergebnis.
In der Zwischenzeit - Ende August - flatterte dem Betreiber die Kündigung mit Ende des Jahres ins Haus. Zemasch meint: "Ohne Angabe von gesetzlichen Gründen. Die Kündigung kann nicht rechtswirksam sein, es gibt nur einen Gemeindevorstands-Beschluss, der Betreiber darf nur mittels Gemeinderatsbeschluss gekündigt werden. Dieser wurde aber erst drei Wochen nach dem Kündigungsschreiben gefasst."

"Lediglich Geruchsbelästigung"

Für Bgm. Perdacher ist nun die umweltmedizinische Bewertung abzuwarten: "Ich habe die Gutachten eine Fachperson anschauen lassen. Dieser zufolge besteht keine Gesundheitsgefährdung, lediglich eine Geruchsbelästigung. Vor der umweltmedizinischen Bewertung können wir keine Maßnahmen setzen, auch der Betreiber hat noch keine gesetzt. Die Produktionsfirma des Bodens habe ich um eine Stellungnahme gebeten."
Er habe vorher nicht reagiert, da "mich Kinder, Eltern oder Personal der Kita nie darauf angesprochen haben". "Die Aussagen von Frau Zemasch als Opposition nehme ich nicht ernst."
Eine Unbedenklichkeitsbescheinigung für den Boden liege vor. "Der Betreiber hat mich schriftlich nie darum gebeten, ich kann mich aber auch täuschen." Müsste man den Boden auswechseln, würde das Kosten von rund 10.000 Euro verursachen, so Perdacher.
Zur Kündigung des Betreibers ohne Gemeinderatsbeschluss sagt er nur soviel: "Es gab Unstimmigkeiten mit der Gemeinde. Laut Anwalt reicht ein Vorstandsbeschluss."

Die Eltern sind jedenfalls besorgt und verlangen eine schnelle Lösung - einen Tausch des Bodens oder die Unterbringung des Kindes in einer anderen Hokip-Tagesstätte.
Für Zemasch steht nun fest: "Als Gemeindevorstand werde ich das Gesamtprojekt über den Kontrollausschuss prüfen lassen."

Aus den Gutachten:

Auszug Gutachten des Landes:
"In beiden untersuchten Räumen des Kindergartens wurde der in Österreich gültige Innenraumluftrichtwert für Formaldehyd unterschritten. Auffälligkeiten konnten hingegen bei den unterschiedlichen Aldehyden in der Raumluft festgestellt werden. Hier wurde sowohl im Vorraum, als auch im Aufenthaltsraum der Vorsorgewert (Richtwert 1) für die Summe an Aldehyden deutlich überschritten. Eine Überschreitung des Eingreifrichtwertes (Richtwert 2) konnte jedoch nicht festgestellt werden.
Gleiches gilt für die Raumluftkonzentration an Acetaldehyd. Auch hier wurde in beiden Räumen der Vorsorgewert überschritten, der Eingreifrichtwert hingegen nicht.
Bei Benzaldehyd wurde sowohl der Richtwert 1, als auch der Richtwert 2 deutlich unterschritten."

"Des Weiteren konnte eine deutliche Überschreitung der Geruchschwellenwerte für die Einzelsubstanzen Pentanal und Hexanal festgestellt werden. Je nach Literaturstelle wurden diese Geruchschwelenwerte im Vorraum um das ca. vier- bis 15-fache und im Aufenthaltsraum um das ca. drei- bis elffache überschritten. Diese Überschreitungen der Geruchschwellenwerte sind auch für die sensorischen Wahrnehmungen in den beiden Räumen verantwortlich, wobei als Hauptemissionsquelle dieser Aldehyde der im gesamten Kindergarten verlegte Linoleumboden anzusehen ist."

Auszug aus dem Gutachten einer privaten Analysefirma:
"Das Messergebnis ist als Hinweis darauf zu werten, dass möglicherweise der österreichische Innenraum-Richtwert von 0,06 mg/m3 als 24-Stunden-Mittelwert überschritten ist." (Formaldehyd-Untersuchung)
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