26.05.2016, 09:30 Uhr

"Jeder ist von Geburt an ein Egozentriker"

Die Scheu einen schon am Boden Liegenden zu treten hat in den letzten Jahren abgenommen

AVS-Psychologe Kurt Kurnig erklärt, warum die Gewaltbereitschaft in der Gesellschaft gestiegen ist.

KLAGENFURT (mv). Vor einer Woche sorgte eine brutale Schlägerei am Heuplatz für Aufsehen. Ein 29-Jähriger trat seinem bereits am Boden liegenden Widersacher derart brutal gegen den Kopf, dass dieser bewusstlos liegen blieb. Wenige Tage später musste die Cobra zu einem Beziehungsstreit ausrücken und am Freitag wurde das Fahrzeug eines 27-Jährigen von einem unbekannten Täter in Brand gesteckt. Die WOCHE sprach mit dem AVS-Psychologen Kurt Kurnig über die Ursachen der Gewalteskalationen.

WOCHE: Seit wann ist eine Eskalation bei den Gewalttaten zu beobachten?
Kurt Kurnig:
Die Quantität der Straftaten hat in den vergangenen fünfzehn Jahren nicht signifikant zugenommen. Jedoch ist zu beobachten, dass die Qualität gestiegen ist.

WOCHE: Worin liegt die Ursache der Verrohung?
Kurnig:
Es gibt zwei Ansatzweisen. Manche Experten vermuten dahinter die Gewaltdarstellungen in den Medien, andere sehen eine Ursache in der Vereinsamung der Gesellschaft. Ich bin der Meinung, dass der Medienkonsum nicht zu einer Verrohung der Gesellschaft führt. Für mich ist die Vereinsamung der Gesellschaft das wirkliche Problem.

WOCHE: Wie kann die Vereinsamung zu einer Steigerung der Gewaltbereitschaft führen?
Kurnig:
Von Geburt an ist jeder Mensch egozentrisch. Erst durch soziale Kontakte lernt er mit Konflikten umzugehen. Dieses Verhalten wird in der frühesten Kindheit im Familienverband erlernt. Wenn der Umgang mit Konflikten nicht erlernt wird, nimmt auch die Scheu vor Gewalt ab. Die Betroffenen wollen dann vernichten, das betrifft sowohl den psychischen als auch physischen Bereich. Ein Großteil des Verhaltens bleibt verborgen.

WOCHE: Gibt es eine Möglichkeit dieses Defizit zu therapieren?
Kurnig:
Wir haben sehr gute Erfahrungen mit den Gruppentherapien. Wichtig ist, das sich der Betroffene ein Defizit eingesteht.
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