06.06.2016, 15:04 Uhr

Was macht Leben lebenswert?

Podiumsdiskussion mit Matthias Mayer, Franz-Joseph Huainigg, Isabella Scheiflinger und Johannes Staudacher

Worte, die unter die Haut gehen, und Geschichten, die das Wesentliche im Leben berühren: So haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer das Podiumsgespräch „Was macht Leben lebenswert?“ am 2. Juni im "Holiday Inn" in Villach erfahren. Den vier Gesprächspartnern und Moderator Gerald Heschl, Chefredakteur der Kärntner Kirchenzeitung, ist es gelungen, vom Start weg eine große Tiefe zu gewinnen: Nicht der Erfolg allein macht glücklich, nicht Äußeres, auch nicht Gesundheit, so wichtig sie scheinen mag.
„Die schlimmst Armut ist die Einsamkeit und das Gefühl, unbeachtet und unerwünscht zu sein“, zitierte Isabella Scheiflinger, Anwältin für Menschen mit Behinderung, gleich zu Beginn die selige Mutter Teresa, und verwies auch auf die Glücksforschung: Nicht die Gesundheit alleine ist wichtig, um glücklich zu sein wir alle – wir alle kennen Menschen, die gesund und wohlhabend, aber nicht glücklich sind –, Freundschaft, Beziehung und vieles mehr sind es, die im Gesamt die Lebensqualität ausmachen.

Sichtbar vor Augen führte dies ein Freude und Zufriedenheit ausstrahlender Nationalratsabgeordneter Franz-Joseph Huainigg, der offensichtlich trotz Lähmung und Beatmungsmaschine ein lebenswertes Leben führt. Er ermutigte, Grenzen anzunehmen, aber auch zu überwinden, und warnte vor allem davor, Lebensqualität von außen her zu beurteilen. Für einen „Gesunden“ könne es scheinen, als sei ein Leben mit gewissen Einschränkungen nicht lebenswert. Am Beispiel eines verunfallten und in der Folge querschnittsgelähmten Motorradfahrers zeigte es auf, wie sich der Wunsch nach einem raschen Tod in Lebenswillen wandeln kann. Selbstbestimmung, Würde, sinnvolle Aufgaben und die Möglichkeit, anderen Menschen Hilfe zu sein: Wenn das möglich ist oder ermöglicht wird, wird Leben trotz Beeinträchtigungen als lebenswert erfahren.
Olympiasieger Matthias Mayer schilderte seine Erfahrungen, wie positives Denken und mentale Stärke helfen – zusammen mit der Unterstützung durch Familie und Freunde –, Stürze und Rückschläge zu verarbeiten und gestärkt wieder an die Weltspitze zurückzukehren.
„Leben ist nicht das, was mit uns geschieht, sondern das, was wir daraus machen“, fasste Trauerseelsorger Johannes Staudacher zusammen. Dabei haben wir oft viel mehr Spielraum, als wir vermuten. Beim Begräbnis sagten viele, sie hätten alles mögliche getan, und dennoch sei der geliebte Mensch verstorben. Wie wertvoll ist es aber zu wissen, dass man doch noch etwas tun kann, und sei es nur, sich zu verabschieden, sei es nur, die Hand zu halten. „Selbst wenn ich nur noch das Grab zu pflegen kann, kann ich schon leben damit: Weil ich eine Grenze überschreite. Ich konnte den Tod nicht verhindern, aber ich kann dem Verstorbenen ein schönes Grab geben.“ Das Leben stehe immer in der Spannung zwischen Ohnmacht und etwas tun zu können. Miteinander Wege zu suchen scheine ihm hier der tragfähigste Weg.
Einig waren sich die Gesprächspartner, dass es der Glaube ist, der die größte Grenzüberschreitung ermöglicht: Auch der Tod verliert vor ihm an Bedrohlichkeit, und dem Leben gibt er neue Qualität. Was auch bemerkenswerte Wortmeldungen aus dem Publikum unterstrichen. Welchen Wunsch Sie äußern möchten, der ihnen am dringendsten unter den Nägeln brenne, lud Moderator Gerald Heschl zur Abschlussrunde ein: „Ich träume von einer Gesellschaft, die die Vielfalt als Chance erkennt und davon profitiert“, fasste Isabella Scheiflinger zusammen. „Die nicht zu viel Angst hat vor dem, das weh tut, weil das Leben eben auch weh tut, bei allem Glück, das es auch geben kann“, ergänzte Johannes Staudacher, und Matthias Mayer und Franz-Joseph Huainigg äußerten den Traum, in einer solchen Gesellschaft auch dabei sein zu dürfen.


Herzlichen Dank dem Holiday Inn für die zuvorkommende Unterstützung, die die barrierefreie Durchführung der Veranstaltung ermöglicht hat!



Eine gemeinsame Veranstaltung der "Seelsorge für Menschen mit Behinderung" mit dem Dekanat Villach, der Diözesansportgemeinschaft, dem Katholischen Akademikerverband, dem Katholischem Bildungswerk, dem Katholischen Familienwerk, der Katholischen Frauenbewegung, der Kirchenzeitung "Sonntag" und der Zeitschrift "Schatten & Licht".


Text: Georg Haab
Foto: Phan Kessnich
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