27.07.2016, 19:00 Uhr

Pensionistenverband will mitreden

Von 140.531 Pensionsbeziehern in Kärnten sind 20.709 Ausgleichszulagenbezieher. Ihnen muss unter die Arme gegriffen werden, so der PVÖ (Foto: Pexels)

Im Rahmen eines Pressefrühstücks erörterte der Kärntner Pensionistenverband die dringlichen Probleme der älteren Generation. Der PVÖ fordert auch mehr Stimmrecht in den Gremien.

KÄRNTEN. Der Pensionistenverband (PVÖ) ist mit 42.000 Mitgliedern und 250 Ortsgruppen in Kärnten die größte Interessensvertretung der älteren Generation. Obwohl der PVÖ genau weiß, wo älteren Menschen der Schuh drückt, hat man in den Gremien oder bei politischen Themen nur beratende Funktion. "Wir fordern ein Stimmrecht", bringt es Landespräsident Karl Bodner auf den Punkt. "Sonst sind wir ein Tiger ohne Zähne."
Er könne sich durchaus vorstellen, bei der Landtagswahl 2018 die Forderung zu stellen, dass ein Vertreter des PVÖ im Landtag sitzt.

Wohnen nicht mehr leistbar

Denn die Situation für viele Kärntner Senioren ist dramatisch. Von 140.531 Pensionsbeziehern sind 20.709 Ausgleichszulagenbezieher. Eines der größten Probleme ist leistbares Wohnen. "Teilweise frisst das Wohnen mehr als 50 Prozent der Pension auf", so Landessekretär Arnold Marbek. Bodner konkretisiert die Forderungen des PVÖ: "Einen altersgerechten Wohnbau, eine Mietensenkung bei Genossenschafts- und Mietwohnungen sowie einen verstärkten Mietkostenzuschuss für Ausgleichsbezieher." Weiters wünsche man sich die Abschaffung der Baukostenzuschüsse und Grundkostenanteile für Pensionisten sowie eine gesetzliche Mietobergrenze.

"Ökostrom-Abgabe senken"

Ein großer Teil des Problems sind die Energie- und Betriebskosten, die - so Bodner - verringert werden müssen. "Die Ökostrom-Abgabe für private Haushalte ist der Preistreiber und muss unbedingt gesenkt werden. Seit 2009 ist sie von 34 auf 120 Euro gestiegen."
Was hinzukomme, sei ein mysteriöser "Österreich-Aufschlag": Das heißt, Nahrungsmittel kosten in Österreich um 20 Prozent mehr als im EU-Schnitt. Die hohe Marktkonzentration und illegale Preisabsprachen seien die Gründe. "Es muss höhere Strafen bei festgestellten Preisabsprachen geben, außerdem müssten Teile der Bußgeldzahlungen zum Ausbau des Konsumentenschutzes zweckgebunden werden", so Bodner. Dafür müsse die Bundeswettbewerbsbehörde personell aufgestockt werden.

Pflegende Angehörige unterstützen

Auch der Ausbau von betreubarem und vor allem betreutem Wohnen ist ein Anliegen des PVÖ. Demgegenüber steht die Entlastung und Unterstützung von pflegenden Angehörigen - etwa durch Rechtsanspruch auf Pflegekarenz und Pflegeteilzeit. Momentan viel diskutiert ist ja, dass pflegende Angehörige Urlaub nehmen müssen, wenn sie tageweise Vater oder Mutter pflegen und nicht im gemeinsamen Haushalt wohnen. Bodner: "Heute wohnen nur wenige Familien unter einem Dach. Wir fordern daher eine Gleichstellung."

Diskriminierung bei Versicherungen

Ein Dorn im Auge ist dem PVÖ auch Altersdiskriminierung, die immer wieder bei Versicherungsklauseln vorkommt. "Ebenso diskriminierend sind die Leistungsunterschiede der Kassen zwischen Berufstätigen und Pensionisten, etwa bei Zuzahlungen zu Hörgeräten."
Einsetzen wolle man sich weiters für die Abschaffung des "nicht mehr zeitgemäßen Pensionssicherungs-Beitrages" und des Vermögensregresses.

Großes Angebot

Der PVÖ schaffe in vielen Bereichen - besonders für finanziell belastete Mitglieder - Abhilfe - von kostenloser Beratung in Sozialfragen über ein günstiges Reiseangebot bis hin zu Bewegungsangeboten in der Gemeinschaft.
Bodner und sein PVÖ-Team wollen in Zukunft verstärkt auch die Jüngeren einbinden. "Schließlich stellen auch sie sich viele Fragen, etwa: Ist meine Pension später noch garantiert?", so Bodner.
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