14.03.2016, 20:18 Uhr

Weil .... Wir wissen es immer besser

Hallo, lieber Gott, bist Du ein Sadist?
Liebst Du es, Mensch und Tier zu quälen? Liebst Du es, deinen Kindern dabei zuzusehen, wie sie weinen, wie sie klagen vor Schmerz, Pein und Verzweiflung? Aber nein, wir sind selber schuld. Wir hatten ja die Wahl. Es wäre alles so schön gewesen, so idyllisch. Ein Paradies. Bis, tja bis ein ungehorsames, neugieriges Weibstück vom Apfel kostete. Der rote, glänzende Apfel war eine Versuchung, der sie nicht widerstehen konnte. Sie konnte nicht anders, als dem Ruf des Bösen zu folgen. Es wäre alles nicht passiert, und uns Menschen wäre so viel Schmerz und Kummer auf Erden erspart geblieben. Aber nein. Es kam ganz anders als geplant. Es war ihr Fehler, ganz allein. Und wir alle müssen nun mit den Konsequenzen dieser fatalen Entscheidung leben. Ich frage mich, warum wurde Eva als Spielball missbraucht. Der eine sagt dies, der andere sagt das. Das ist gut, das ist böse. Wenn du das machst, dann passiert Böses. Auf der anderen Seite die Verlockung, das Was-wäre-wenn. Die Neugier. Das Wissen wollen. Ja, sie hat Dir nicht geglaubt, lieber Gott. Du wusstest es besser. Denn Du hast sie erschaffen, aus der Rippe Adams. Echt schräg. Warst Du so verletzt in Deinem Stolz, dass Du uns nun alle büßen lässt? Bist Du wirklich so jähzornig, so rachsüchtig? Vielleicht hältst Du Dir wie ein kleines Mädchen die Hände vor Dein Gesicht, wenn „etwas“ passiert? Denkst Dir „selber schuld, hätte sie etwas gesagt“? Ich verstehe es einfach nicht. Ich muss es auch nicht. Vielleicht soll ich es ja gar nicht verstehen. Ich bin nur ein Mensch; eine Frau, neugierig, triebhaft und voller Sünde in ihrem Wesen. Jemand, an dem hartnäckig die Erbsünde klebt. Jemand, der nichts Besseres zu tun hat, als ein paar Gedanken auf Papier zu bringen. Ich möchte diese niemandem aufzwingen. Jeder so wie er kann oder mag oder nicht kann und nicht mag. Ich selbst mache mir Gedanken über laktosefreie Schokolade genauso wie über glutenfreies Brot. Ich überlege ständig, was ich besser machen könnte und was hätte schlechter laufen können. Ich denke darüber nach, wie viel Schreckliches der Mensch ertragen kann. Ertragen soll. Ertragen muss. Ich überlege mir, wie schwer meine Verzweiflung in jenem Moment sein muss, in dem ich anfange zu beten. In jenem Moment, in dem ich auf die Knie gehe und um Vergebung bitte, um Hilfe und Gnade. Und es gibt eine Sache, dessen ich mir in meinem Leben immer wieder aufs Neue bewusst werde. Eine Sache, die ich immer wieder schmerzlich von neuem lernen muss: Hilfe ist nicht umsonst. Anscheinend kommt auch hier wieder das Thema Schuld zum Tragen. Immer wieder: Schuld, Schuld, Schuld. Weitergegeben von Generation zu Generation. Fangen wir bei uns an, unseren Familien, Freunden, Kollegen. Hören wir zu, wenn der Sitznachbar im Zug telefoniert. Belauschen wir so einige Gespräche. Egal wo. Vor der Schule, wo Mütter auf ihre Kinder warten, vor der Kirche, wo neue Schuhe darauf warten, ausgeführt zu werden. Es ist immer jemand anderer schuld. Schuld. Schuld. Schuld. Weil selber wissen wir ja alles besser. Immer. Aber niemand will auf mich hören. Selbst schuld.
Eva, du böses Mädchen. Wie werden wir sie los? Nicht Eva, die Erbsünde. Durch Bestrafung? Züchtigung? Aufopferung? Sich als Opfer darstellen? Andere opfern? Selbstaufgabe? Blinden Gehorsam? Schuldzuweisungen? Funktioniert so die Welt? Will Gott das von uns? Wir sind die Schafe. Er der Hirte. Hallo? Määääähhhhh. Wer sind dann die Schäferhunde? Was, wenn ein Schäfchen aus der Reihe tanzt? Wehe, wehe, wenn ich Böses sehe.

Wer von uns kennt nicht dieses eine schwarze Schaf. Vielleicht sind Sie selbst eines? Dann willkommen im Club. Freue mich, Sie kennen zu lernen. Jetzt sind wir mindestens zwei.

So schwelge ich in meinen Gedanken. Wie sagte meine Mutter doch so trefflich: „Warum kannst du nicht normal sein? Benimm dich, ich schäme mich für dich.“
Will unser lieber Gott, dass wir unseren Eltern auf Gedeih und Verderb ausgeliefert sind? Ihren Launen und Gelüsten? Sind wir auch nur ein Klumpen Ton, der zuerst weich geschlagen wird, damit man dann zur Ver- und Bearbeitung schreiten kann? Ist es das? Müssen wir unseren Mund halten, uns ducken, Blut spucken? Kinder, die von Opfern zu Tätern werden? Heranwachsende Psychopathen? Ist es das, was wir wollen? Nur, weil scheinbar jemand Gefallen an Machtspielen gefunden hat, sein Ego damit pimpen muss? Nein, ich glaube nicht. Ich glaube nicht an Gott. Ich glaube weder an das Gute noch an das Böse. Es ist so, wie es ist. Nichts weiter. Es IST einfach. Es PASSIERT. Niemand lenkt uns, denkt für uns, außer wir wollen es. Außer wir lassen es zu. Lassen es zu, dass uns jemand weichklopft, dass wir fremde Gedanken für die unseren halten. Es ist nun mal der einfachere Weg, keine Frage. Und unser Hirn wählt nun mal nicht den steinigen, dornigen Weg des Denkens, der Selbstbestimmung. Kennen Sie das Sprichwort: „Dummheit und Stolz wächst auf einem Holz.“ Paul Heyse, ein deutscher Dichter, schrieb einst: Dummheit ist Gottesgabe. Na bumm, starker Tobak. Ich habe sein Werk nie gelesen, folglich kann ich hierzu nichts im Speziellen von mir geben. Aber allein diese Aussage gefällt mir. Ach Gott, wenn doch alles so einfach wäre. Dumm und glücklich fände ich sehr gut. Nicht wissen, warum man glücklich ist, man ist es einfach. Ich könnte mich an den warmen Sonnenstrahlen erfreuen, an dem Duft der prächtigsten Blumen. Einfach weil es so ist. Einfach darum. Weil es gut duftet, weil die Strahlen meine Haut kitzeln. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Einfach alles um mich sein lassen, mich um meinen Kram kümmern. Dieser wäre überschaubarer, je dümmer ich wäre. Aber nein, ich bin mit meinen Gedanken wieder ganz wo anders. Ich meine, Glück in allen Ehren, aber ich persönlich kenne niemanden, wirklich niemanden, der etwas auf dem Kasten hat und unbeschwert glücklich ist. Ich kenne keinen dummen Menschen, der jemals in seinem Leben nachzudenken brauchte. So richtig, richtig.

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Bild: https://pixabay.com/de/index-finger-hinweis-sie-ha...
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