18.04.2016, 08:43 Uhr

"Damals wusste ja keiner was"

Korneuburgs Finanzstadtrat Alfred Gehart schob kurz nach Tschernobyl Dienst in der NÖ Landeswarnzentrale.

30 Jahre nach Tschernobyl – wie Kernenergie NÖ betrifft

NIEDERÖSTERREICH / BEZIRK KORNEUBURG. Eine radioaktiv belastete Fläche 11-mal so groß wie Niederösterreich und 600.000 Menschen, die einer starken Strahlenbelastung ausgesetzt wurden. und noch immer leiden die Menschen unter den Nachwirkungen des Supergaus in Tschernobyl vom 26. April 1986.
Die Gefahr einer neuerlichen Katastrophe liegt unmittelbar vor der Haustüre, denn die Bezirkshauptstadt Korneuburg ist nur knapp 83 km Luftlinie vom nächsten Atomkraftwerk in Dukovany entfernt.
Wie der Reaktorunfall in Tschernobyl auch Niederösterreich verändert hat, davon kann Korneuburgs Finanzstadtrat Alfred Gehart erzählen. "Ab diesem Zeitpunkt wurde die Landeswarnzentrale 24 Stunden besetzt, ich selbst hab dort 1987 Dienst geschoben." Hat man früher ausschließlich Juristen für diesen Job eingesetzt, so ist die Landeswarnzentrale nun im Bereich der Feuerwehr angesiedelt. Und Gehart erinnert sich, dass der Dienst nicht immer leicht war: "Die natürliche Strahlung im Waldviertel war so groß, dass dauernd der Alarm los ging. Im Ernstfall hätten wir auch nicht wirklich etwas unternehmen können, außer das Handbuch durchgehen und Alarm schlagen."
Überhaupt habe man damals so gut wie nichts gewusst, erinnert sich Gehart: "Niemand hat mit so etwas umgehen können, niemand hat gewusst, welche Gefahr uns droht. Alles war ja eher auf kriegerische Auseinandersetzungen ausgerichtet und nicht auf einen Strahlenunfall." Zudem sei das volle Ausmaß gar nicht bekannt gewesen. "Man hat ja zum Zeitpunkt der Katastrophe nichts erfahren, also gab es auch keine Panik in der Bevölkerung. Dass man das Gemüse waschen soll und die Kinder nicht in der Sandkiste spielen sollen, das kam erst viel später."


Atomkraft der Nachbarn wird ausgebaut

"In der Slowakei sind drei neue Atommeiler geplant, Tschechiens neues Energiekonzept sieht einen Ausbau der Atomenergie von 33 auf 50 Prozent vor und Ungarn will zwei neue Kraftwerksblöcke bauen. Das ist nicht zu akzeptieren. Wir fordern die Schließung der Schrottreaktoren. Atomkraftwerke sind ökologisch und ökonomisch ein unkalkulierbares Risiko", stellt Umwelt-Landesrat Stephan Pernkopf fest.
Niederösterreich verfolgt einen ganz anderen Weg. Seit wenigen Monaten deckt man den Strombedarf zu 100 Prozent aus Erneuerbaren Energien.
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