16.08.2016, 00:00 Uhr

Das Ende der Werft: Mit Baunummer "799" war Schluss

Das erste Hochseeschiff wurde 1960 in der Korneuburger Werft gebaut. (Foto: Museumsverein Korneuburg)

Die Geschichte der Werft – Teil 3: Von einem Besitzer zum nächsten bis zum bitteren Ende.

STADT KORNEUBURG. Nachdem die Korneuburger Werft 1955 von den Russen an Österreich zurückgegeben wurde, stand es wieder schlecht um die Auftragslage. Die Folge: Mitarbeiter wurden entlassen. Von 1.500 Arbeitern wurde zunächst 500 gekündigt, später wurde auf 750 reduziert. 1959 wurde die Werft aus der DDSG ausgelöst und als Aktiengesellschaft weitergeführt – die Werft wurde zum Staatsbetrieb.


Aufschwung

Ab 1958 zeigten die Russen, die sich nach der Übergabe zurückgezogen hatten, wieder Interesse und gaben das erste Flusskreuzfahrtschiff in Auftrag. Diese Schiffsart wurde so dann zum Hauptgeschäft und konnten das finanzielle Defizit ausgleichen. Einige der Flusskreuzfahrtschiffe sind auch heute noch in Verwendung.
Nach dem Bestrebungen des Staates, die beiden österreichischen Werften – Korneuburg und Linz – zu fusionieren, erfolgte 1974 die Angliederung an die VÖST – die ÖSWAG Holding entstand.


Schiffe für die ganze Welt

"Damals wurden etwa auch große Schwimmkräne mit einer Hubkraft von 350 Tonnen gebaut", erzählt Werft-Experte Otto Pacher vom Museumsverein Korneuburg. "Sie werden auch heute noch in Russland zur Schleusenreparatur verwendet.
Doch die Schiffe von Korneuburg schwammen nicht nur in Russland, sondern in der ganzen Welt: So wurden 1964 Eisenbahn-Fähranlagen für Griechenland und Ecuador gebaut, 1965 Fitschkutter für Nigeria und Schwimmkräne für den Irak.

Zusätzliche Einnahmen

Neben dem Schiffsbau, konzentrierte man sich in Korneuburg von 1955 bis 1974 auch auf den Stahl. So wurden etwa Seilbahnen, Ölbehälter und Eisenbahnwaggons gefertigt. Ab 1960 kam die Kunststoff-Nebenproduktion dazu. "Es wurden Weinfässer erzeugt und auch Segelboote gebaut", weiß Otto Pacher.

Der Anfang vom Ende

1990 hatte die Werft mit Auslastungsproblemen zu kämpfen. Der große Staatsbetrieb zeigte erste Auflösungserscheinungen. Und dabei wurde in Korneuburg höchste Qualität geliefert. "Vom Rumpf bis zur Polsterung der Sitze – alles wurde in Korneuburg erzeugt", erzählt Pacher.
Am 1. Jänner 1991 wurde die Werft an die Mericon Holding verkauft – die Werften Korneuburg und Linz wurden zu eigenständigen GmbHs. Nachdem noch zehn Holztransportschiffe gebaut werden konnten, brachen die Folgeaufträge weg.
"Korneuburg hat sich immer als Werftstadt identifiziert. Wir haben alles mit unseren Händen aufgebaut. Als sie dann verkauft wurde, war es für die Meisten ein großer Schock – als hätte man einfach so Volksvermögen verscherbelt", erinnert sich Pacher, der selbst vom Lehrling bis zum leitenden Angestellten der Werft ein Arbeitsleben lang treu war.


Ein letztes Aufbäumen

Der letzte Auftrag für die Korneuburger Werft kam vom Wiener Stadtschulrat. Mit der offiziellen Baunummer 799 war das "Schulschiff" der Schlusspunkt einer langen Tradition, einer langen Geschichte. Ende 1993 wurde die Korneuburger Werft geschlossen.


Verschmutzung als Chance

Die Maschinen wurden versteigert, das Gelände der Werft an die Bank Austria verkauft. Diese gründete eine Leasinggesellschaft, die eine stückchenweise Verwertung geplant hatte.
Dem kam jedoch eine massive Bodenverunreinigung durch Schwermetall und eine teilweise verpflichtende Sanierung der Verschmutzung in die Quere. Das war die Chance für die Stadt Korneuburg, die Teile der alten Werft zurückkaufen konnte. Rund 50 Prozent der einstigen Gesamtfläche der "Ur-Werft" gelangten so wieder für einen symbolischen Betrag ins Eigentum Korneuburgs.
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