27.07.2016, 09:54 Uhr

Fast nur "weiche" Drogen im Bezirk

Fernöstliche Hanfstauden statt Zimmerlinde und Orchidee schmücken immer mehr Jugendzímmer und Wintergärten. (Foto: LPD NÖ)

Drogen sind nicht nur ein Problem der Städte. Die Konsumenten werden immer jünger. Eine Spurensuche.

BEZIRK KORNEUBURG. In St. Pölten flog in der Vorwoche ein Dealer auf, der 12-Jährige mit Drogen versorgt hatte. Längst haben Cannabiskraut, MDMA, Ecstasy und Co. auch die entlegensten Gebiete des Landes erreicht. Die Konsumenten sind teils Jugendliche.
Die Bezirksblätter haben bei Fahndern und Schuldirektoren nachgefragt, wie groß das Problem im Bezirk Korneuburg ist.
"Dass Drogen nicht nur in städtischen Bereichen Thema sind, ist nicht neu", erklärt ein Nie-derösterreichischer Drogenfahnder, "und auch im Bezirk Korneuburg wird fleißig gedealt, allerdings bei weitem nicht so aggressiv wie in Wien. Aber die Konsumenten, speziell von Cannabis beziehungsweise anderen Hanfprodukten, werden auch hier immer jünger."

Bezirksübergreifend

"Es keimt im Kleinen dahin – die schweren Fälle wandern in die Anonymität nach Wien ab", so Chefinspektor Leopold Heindl vom Bezirkspolizeikommando Tulln, der die aktive Kriminaldienstgruppe lobt, denn ihr ist wieder ein genialer Coup gelungen: "Die Tullner Kollegen sind auf einen Verdächtigen gestoßen, der mit Suchtmittel gehandelt hat", so Raimund Schwaigerlehner von der Landespolizeidirektion.
Die Wohnung eines 30-jährigen Stockerauers wurde durchsucht, Suchtmittelutensilien in größeren Mengen sowie sieben Cannabispflanzen wurden sichergestellt. Der Mann ist größtenteils geständig und hat die Suchtmittel an zumindest zehn Abnehmer verkauft, darunter befand sich auch eine geringe Menge an Kokain.

Lockerer Umgang mit Drogen

Helene Fuchs Moser, Direktorin der Politechnischen Schule, sieht eines der Grundprobleme in dem inzwischen auch in Korneuburg bemerkbaren lockeren Umgang mit den Drogen, speziell Marihuana oder volkstümlich auch Gras genannt.
"Bei den Jugendlichen beobachten wir seit einigen Jahren, dass das Konsumieren von Cannabis oder Marihunna fast schon verniedlicht wird und dem normalen Rauchen gleichgesetzt wird", erklärt sie. "Bei den Unterrichtsstunden Lebenshilfe müssen wir bei immer mehr Jugendlichen ein bedenkliches Ignorieren von eindeutigen Gesetzen feststellen."

Tatsächlich immer jünger

Dass die Konsumenten immer jünger werden, bestätigt auch Fuchs Moser. "Es wird auch ganz locker darüber gesprochen. Nichts da mit hinter vorgehaltener Hand oder so, illegale Drogen konsumieren ist inzwischen Gesprächsstoff, wie jeder andere. Gekauft wird Cannabis allerdings nach wie vor in erster Linie in Wien, da wird damit ja fast schon offen gehandelt, speziell an Schnellbahn- und U-Bahnstationen.

Kein wirkliches Problem

Bezirkspolizeikommandant Siegfried Krische erklärt, dass im Bezirk nicht wirklich von einem aktuellen Problem gesprochen werden kann. "Natürlich sind die drogenbezogenen Amtshandlungen seit einigen Jahren im steigen, das hängt aber auch mit vermehrten Schwerpunktkontrollen der Polizei und vor allem den vielen Meldungen der Bürger betreffend verdächtiger Aktivitäten zusammen," betont Krische. Und weist ausdrücklich darauf hin, dass die Polizei für jede Meldung dankbar ist und unverzüglich entsprechende Ermittlungen aufnimmt. "Sogenannte schwere Drogen, wie Heroin oder Ecstasy, sind bei uns sowieso noch die Ausnahme. Zumindest diesen Stand zu halten, ist der gesamten Dienststelle ein wichtiges Anliegen", beteuert der Bezirkspolizeikommandant.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.