14.04.2016, 15:49 Uhr

Gesetzliche Auflagen knebeln Behindertenvereine

Spenden, wie zuletzt vom Benefizfußball in Korneuburg, sind wichtig für das Überleben der Behindertenhilfe, weiß Direktor Johannes Hofer (4.v.li). (Foto: privat)

Wer Geld spenden und dies auch abschreiben will, muss ab 2017 seinen vollen Namen und sein Geburtsdatum angeben.

BEZIRK KORNEUBURG. Die Daten der Spender sind zudem dem Finanzamt zu melden. "Weil aber immer mehr Leute auch für kleine Beträge einen Zahlschein verwenden, bedeutet das Eingeben der Zahlscheine für uns wesentlich mehr Verwaltungsaufwand", erklärt Johannes Hofer, Geschäftsführer der Behindertenhilfe Bezirk Korneuburg. Außerdem befürchtet er, dass dadurch viele anonyme Spenden, vor allem auch kleinere Beträge, ausbleiben werden.

Spenden überlebensnotwendig

Im Verein der Behindertenhilfe gibt es derzeit 135 Anvertraute, davon leben 72 in Wohnhäusern, neuen in eigenen Wohnungen und 54 Personen bei ihren Eltern. Von den 87 Beschäftigten der Behindertenhilfe sind 69 in der Betreuung, die restlichen in Verwaltung, Großküche, Transport und Instandhaltung tätig. Den Großteil der Kosten für die Führung des Unternehmens übernimmt das Land NÖ, den Rest, jährlich zwischen 220.000 und 250.000 Euro, muss die Behindertenhilfe durch Spenden und verschiedene Aktivitäten selbst aufbringen.
Keine leichte Aufgabe für die Geschäftsführung, da durch Sparmaßnahmen des Landes im Dezember 2015 die Tagessätze für Betreuung nur um 1,2 Prozent erhöht wurden. "Das deckt maximal die Inflationsrate und berücksichtigt nicht, dass die Kollektivverträge um einiges mehr erhöht wurden", bedauert Hofer. Rückstellungen und Forderungen nach höherer Qualifizierung belasten den Verein als Dienstgeber zusätzlich.

Betreuungsplätze sind Mangelware

Ein großes Problem aller Behinderten-Organisationen ist jedoch die steigende Überalterung der Anvertrauten. "Familienmitglieder können die Betreuung oft nicht mehr alleine bewältigen, was den Bedarf an Betreuungsplätzen erhöht", erklärt Hofer. "Deshalb haben wir geplant, das Wohnungsangebot für Personen mit besonderen Bedürfnissen ebenfalls zu erhöhen." Dafür muss allerdings noch die offizielle Fertigstellung einer Bedarfserhebung, sie reicht bis ins Jahr 2025, abgewartet werden. Bekannt ist inzwischen, dass die rund 40 NÖ Hilfsorganisationen an die 600 neue Betreuungsplätze brauchen.

Quelle: NÖ Wirtschaftspressedienst
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