30.04.2016, 11:46 Uhr

Wer will schon eine beleidigte Leber?

OÄ Dr. Mathilde Kutilek
Krems an der Donau: Donau-Universität Krems |

Sie wird oft mit erhöhtem Alkoholgenuss Verbindung gebracht. Tatsächlich ist unsere Leber für viele Krankheiten anfällig, die nicht ausschließlich mit einem Zuviel an Alkohol zu tun haben. So ganz nebenbei werkelt sie in unserem Körper in Sachen Entgiftung und Verdauung wie eine kleine Fabrik. OÄ Dr. Mathilde Kutilek bot bei ihrem Mini Med-Vortrag ‚Die Leber - ein Tausendsassa unter den Organen‘ einen interessanten Überblick.

Die Leber übernimmt als Entgiftungszentrale und größtes Verdauungsorgan eine lebenswichtige Aufgabe: Aufnahme und Verwertung von Nahrungsbestandteilen. Sie filtert und scheidet Alkohol und Medikamente aus, speichert Blut und Eisen, entgiftet von Schadstoffen und baut Proteine, Kohlehydrate, Vitamine und Hormone auf. Nebenbei ist sie als ‚Körperpolizei‘ im Einsatz, um Viren, Bakterien und Tumorzellen zu eliminieren.

Beim Bluttest weisen Laborwerte wie AP, gGT, GOT, GPT und Bilirubin darauf hin, wie es um unsere Leber steht - vor allem Vergiftungen, Infektionen, Stoffwechsel-, Speicher, Autoimmun- und angeborene Erkrankungen können ihr das Leben schwer machen. Die Folge: Unterschiedliche Hepatitis-Formen, sprich Leberentzündung.
Tatsächlich steht bei der Ursachenforschung Alkohol ganz vorne, gefolgt von Fettleberhepatitis und Hepatitis C. Bei Alkohol beträgt die Toleranzgrenze 0,5 l Bier oder 0,25 l Wein täglich an maximal fünf Tagen pro Woche. Die Formel 'wenig aber das nicht oft' ist in einer Genussregion wenig tröstlich, auch wenn die alles entscheidende Promillehöhe von mehreren Faktoren (Körpergewicht, Magenfüllung, Geschlecht u.v.a.) abhängig ist.
Einen Spiegel hält uns die Fettleber als ‚Erkrankung des 21. Jahrhunderts’ vor allem in puncto Ernährungsgewohnheiten vor - Bauchumfang (Adipositas), erhöhte Blutfettwerte, Diabetes - die üblichen Verdächtigen sind auch hier am Werk. Ebenso wie deren größte Feinde, die es zu aktivieren gilt: gesunde Kost, Gewichtsreduktion (oft genügen schon 10%), Ausdauertraining, chirurgische Magenverkleinerung.

Komplizierter gestaltet sich die Sache beim Hepatitis C Virus, mit dem ca. 3% der Weltbevölkerung, also 170 Mio. Menschen, infiziert sind. Alarmierend: jährlich werden es 3-4 Mio. mehr. Während in Europa die Erkrankung 'nur' um 10% wächst, sind es z.B. in Ägypten 80%. Aufenthalte in Risikoländern, Drogenkonsum, Bluttransfusionen, Geschlechtsverkehr lauten die Ursachen. Wenig tröstlich: bei 39% der Betroffenen ist der Infektionsgrund unbekannt. Injektionsnadeln scheinen das bevorzugte Übertragungswerkzeug zu sein, speziell in Gesundheitseinrichtungen beschäftigtes medizinisches Personal ist überdurchschnittlich oft betroffen. Auch Friseurbesuche, Mani- und Pediküre , Ohrringe, Tätowier- und Piercingstudios zählen als Risikofaktoren. Zu vermeiden sind jene Kontakte, die mit Speichel- oder Blutübertragung zusammenhängen - getrennte Verwendung von Hygieneartikeln inklusive.
Fortschritte verzeichnet man indessen bei den therapeutischen Möglichkeiten: durch den gezielten Einsatz immer wirksamerer und vor allem nebenwirkungsreduzierter Medikamente aus kombinierten Substanzen werden Therapien kürzer, Heilungserfolge häufiger.

Bleiben Sie wachsam, horchen Sie auf ihren Körper, speziell dann, wenn sich Müdigkeit, Leistungsabfall, Übelkeit und Oberbaucheschmerz einstellen. Und: nützen Sie vor allem jene Möglichkeiten, die uns im Bereich der Selbstdisziplin hilft, eine Erkrankung unserer Leber zu vermeiden.

Infos

OÄ Dr. Mathilde Kutilek ist Leiterin der Abteilung für Innere Medizin 2 am Universitätsklinikum St. Pölten, Karl Landsteiner Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften.
Mini Med Krems
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