05.05.2016, 11:53 Uhr

Archäologischer Sensationsfund in Schiltern

Gustav Lehmerhofer und Hans Böhm (rechts) präsentieren die Messaufnahme des Magnetprospektions-Wagens.

LANGENLOIS (mk) In der Langenloiser Katastralgemeinde Schiltern wurden jetzt die Spuren einer fast 7.000 Jahre alten, steinzeitlichen Kreisgraben-Anlage entdeckt. Und darüber hinaus wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit angenommen, dass sich in unmittelbarer Nähe dieser Anlage eine große jungsteinzeitliche Siedlung befunden haben muss.

Versammelten sich in der Jungsteinzeit Menschen in Schiltern inmitten der dreifachen Kreisgraben-Anlage – zu religiösen Zwecken etwa? Oder konnte man sich dort bei Gefahr in Sicherheit bringen? Oder war die Anlage sogar so etwas wie ein ganz frühes Observatorium für die Beobachtung von Sonne, Mond und Sternen, um wichtige jahreszeitliche Termine festlegen zu können? Die Wissenschaft weiß nicht genau, wozu Anlagen dieser Art gedient haben…

Eindeutig aber ist, dass Alois Huber, Hans Böhm und Gustav Lehmerhofer vom Institut für Regionalraumkultur und Geschichte um Schiltern (Rugus) sowie Beirat Universitätsprofessor Gerhard Trnka vom Institut für Urgeschichte und Historische Archäologie auf den Äckern der Langenloiser Katastralgemeinde Schiltern jetzt eine solche Kreisgraben-Anlage mit einem Durchmesser von 107 Metern entdeckt haben. Dass sie damit – etwa dreihundert Meter vom Schloss Schiltern entfernt – auf eine echte archäologische Sensation gestoßen sind, wurde im April von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) und vom Ludwig-Boltzmann-Institute for Archaeological Prospection and Virtual Archaelogy (LBI) bestätigt.

Außergewöhnliche Kreisgraben-Anlage


„Wir haben Ende 2015 beim Durchsehen von alten Luftaufnahmen einen Kreisgraben in Schiltern vermutet“, berichtet Hans Böhm. Daraufhin wurde eine große wissenschaftliche Maschinerie in Gang gesetzt, um der Sache auf den Grund zu gehen – selbstfinanziert, wie Böhm betont. ZAMG und LBI rückten mit einem „Magnetprospektions-Wagen“ an. Am 20. April 2016 gelang es, mit diesem Hightechgerät den Nachweis des dreifachen Kreisgrabens aus dem Neolithikum zu erbringen. Universitätsprofessor Gerhard Trnka unterstreicht, dass sich von den 49 bis jetzt in Österreich gefundenen Kreisgrabenanlagen 46 in Niederösterreich befinden. In der Regel wurden diese Anlagen mit zwei Kreisgräben errichtet. Gustav Lehmerhofer: „Die Anlage in Schiltern mit ihren drei Gräben zählt zu den besonderen Ausnahmen!“ Und – wie gerade erst bekannt wurde – kommt in Schiltern noch eine Besonderheit hinzu: Dort waren im Inneren der Kreisgräben gleich zwei Palisadenreihen errichtet worden – nicht, wie meist üblich, nur eine.

Weitere Entdeckungen sind gut möglich


Doch damit nicht genug: Nahe der Kreisgraben-Anlage hat sich wahrscheinlich eine große neusteinzeitliche Siedlung befunden. Davon gehen die Wissenschaftler fest aus. Alois Huber wundert das nicht besonders – hatte er doch in der Vergangenheit genau dort immer wieder steinzeitliche Artefakte gefunden.

www.rugus.schiltern.at


Nachgegraben


Der archäologische Sensationsfund in der Langenloiser Katastralgemeinde Schiltern könnte langfristig zu einer weiteren Attraktion der Wein- und Gartenstadt werden. Durch die Einrichtung eines „Stein.Zeit.Gartens“ etwa - eines archäologischen Schaugartens mit einer „Kreis.Graben.Expo“, die Rekonstruktionen des Dreifach-Kreisgrabens zeigt; mit einer „Vor.Zeit.Laube“ als Ausstellungs- und Dokumentationsgebäude; mit einer „Zeit.Reise.Station“, die einen Blick auf laufende wissenschaftliche Arbeiten erlaubt; vielleicht mit einer Art „Stein.Zeit.Schule“ für Schülerinnen und Schüler; und natürlich auch Kostproben aus einer „Stein.Zeit.Küche“. Wer traut sich heran an ein solches Projekt?
Manfred Kellner
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