24.03.2016, 11:46 Uhr

"Die Wachau ist in Gefahr!"

Mitglieder vom Arbeitskreis Welterbe Wachau: J.C. Thiery, Christian Hirtzberger, Alfred Wilhelm, Friedrich Halmer, Wolfgang Habian, Ingo & Ulrike Grünberger, Günter Toifelhart.
Krems an der Donau: Gasthaus Klinglhuber |

Der neu gegründete Arbeitskreis Welterbe Wachau tritt an, um das Bewusstsein für die Einzigartigkeit und Bewahrung des Weltkultur- und Naturerbes auf beiden Seiten der Donau zu schärfen. Dabei geht es vor allem um jene Landschaftsverunstaltung, die aus Sicht des Arbeitskreises vor allem in Form moderner Bauweise das unverwechselbare Gesamtbild der Wachau zerstört.

Rechtsanwalt Dr. Christian Hirtzberger freut zwar der extrem hohe Schutzstandard der Wachau, dennoch meint er: „Es gibt Bauordnungen, Raumordnungs- und Landschaftsschutzgesetzte, Leitziele und -bilder sowie Schutzzonen. Leider greifen diese nicht in der Realität. Fast schon fahrlässig schießen Neubauten, egal, ob Wohnhäuser oder Weingüter, aus dem Boden, die nicht in die Landschaft passen. Mit ihren kubischen Formen und Flachdächern schaffen sie keinerlei Bezug zur Umgebung, wirken wie nur aufgrund der Hausnummer voneinander unterscheidbare Behausungsplantagen. Dies widerspricht dem Charakter der Wachau, da geht es nicht darum, ob man diese Architektonik schön findet oder nicht.“ Tatsächlich wird - nicht einmal unbemerkt - gegen den angeordneten Schutz von freien Wein- und Obstbauflächen verstoßen, vor allem in Spitz, Weißenkirchen oder Emmersdorf.

Bestehender Arbeitskreis als Widerspruch

Besonders kritisch steht man dem arrivierten ‚Arbeitskreis Wachau‘ gegenüber, dessen ursprüngliche Ideologie der Arbeitskreis Welterbe Wachau zeitgemäß fortführen möchte. Hirtzberger: „Leider hat sich der Arbeitskreis Wachau weit von seinem Gründungsgedanken entfernt - deren Mitglieder sitzen teilweise in jenen Gremien, die vom Denkmalamt ausgearbeitete Schutzzonenpläne fahrlässig missachten oder übergehen.“

Inhalte

Die Frage ‚was ist die Wachau‘ wurde zur Orientierungsgröße, um jene fünf Punkte auszuformulieren, für die der Arbeitskreis Welterbe Wachau inhaltlich steht: Die geschlossenen Ortschaften mit ihrer typischen Architektur, die zwischen den Ortschaften liegenden freien Obst- und Weinanbauflächen, das große frei fließende Gewässer der Donau, die Steilhänge mit Felsformationen, Trockenrasen und Wald, die Stifte Melk und Göttweig sowie die Altstadtensembles von Melk und Krems.

Diese Elemente sind weltweit einzigartig und machen das Welterbe aus. Hirtzberger: „Wer diese Elemente nicht versteht, läuft Gefahr, dass er den grundlegenden Charakter dieser Landschaft verändert. Durch Gedankenlosigkeit und fehlendes Bewusstsein dafür, wie man mit den Entwicklungen der Moderne umgeht. Unser Ziel ist es, die Wachau in Bestand und Wertigkeit zu beschützen und zu erhalten um ihre Weitergabe an künftige Generationen sicherzustellen.“

Info

Der Arbeitskreis Welterbe Wachau lädt in der kommenden Woche mittels Postwurfsendungen in der ganzen Wachau zur seiner ersten offenen Generalversammlung am 8.4. in Spitz ein. Willkommen sind alle, denen das Thema ein Anliegen ist. Zurzeit zählt der AWW 40 Mitglieder aus unterschiedlichsten beruflichen und ideologischen Richtungen.

Das Logo des AWW bezieht sich auf den Grundgedanken: Der Kreis mit der Öffnung ist an das UNESCO-Welterbezeichen angelehnt, der Welt und Natur beschreibt und nun auch als Symbol für den Arbeitskreis steht. Das mittig gesetzte W steht für die Wachau.

Auf der - noch in Entstehung befindlichen - Homepage www.arbeitskreiswelterbewachau.at wird Transparenz im Vordergrund stehen und künftig exemplarisch jene Bauten gezeigt, die nach Ansicht des AWW ‚die Schwingungen der Landschaft aufnehmen und in Ressonanz zu ihr stehen‘.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.