22.05.2016, 10:05 Uhr

"Tourbushoagascht" mit Sólstafir

"Musik ist pure Emotion, dafür braucht es keine Texte." Sólstafir-Frontmann Aðalbjörn Tryggvason im Interview.

Frontmann Addi über die aktuelle Ótta-Tour, die isländische Musiklandschaft und was er als erstes tun wird, wenn er wieder nach Hause kommt.

WÖRGL (mel). Freitagabend statteten die legendären isländischen Post Rocker Sólstafir dem Komma Wörgl einen Besuch ab (hier geht's zum Konzertbericht). Bei dieser Gelegenheit schnappte ich mir gleich Sänger Addi zum Interview im Tourbus.

Mel: Seruvs Addi, das ist also euer Zuhause für gut zwei Wochen. Wie lebt es sich so und was darf hier auf keinen Fall fehlen?
Addi: Mit diesem Bus waren wir schon öfter unterwegs, jeder hat seinen Platz und es ist eigentlich ganz komfortabel. Für die Fahrt haben wir Unmengen an Serien und Filmen dabei.

Im Rahmen eurer Spezialtour spielt ihr erstmals euer aktuelles Album Ótta - begleitet von Streichern und Klavier - in voller Länge. Heute ist der siebte von neun Tourstopps – wie lautet deine persönliche Zwischenbilanz?
Es läuft wirklich gut. Wir haben dieses Konzert ein Mal probeweise zuhause in Island gespielt, als Test, ob das Ganze wirklich so funktioniert wie wir es uns vorgestellt haben. Ich war bei diesem Konzert nervöser, als jetzt auf Tour. (lacht)

Wie seid ihr zu den Streichern und dem Pianisten gekommen und wie sind die gemeinsamen Tourvorbereitungen verlaufen?
Wir haben bei unseren befreundeten Musikern ein bisschen durchtelefoniert wer Lust hat, mit uns auf Tour zu gehen. Violinist Kimmo zum Beispiel spielt bei Hexvessel und Pianist Martin hat unter anderem schon bei My Dying Bride oder Cradle Of Filth mitgewirkt. Wir sind sehr glücklich mit unserer Tour-Besetzung. Sich vorab zu treffen war aber ziemlich umständlich, die Streicher kommen aus Finnland und Deutschland, Martin lebt in England. Für unsere erste Probe haben wir uns in London getroffen.

Das klingt nach ziemlich viel Arbeit. Kannst du dir trotzdem vorstellen, in Zukunft erneut so ein Projekt auf die Beine zu stellen?
Sicher. Wenn die Zeit und die Umstände passen, dann auf jeden Fall. Es steckt aber wahnsinnig viel Vorbereitung dahinter, und es kostet viel Geld, mit neun Leuten in einem großen Bus herumzureisen. Das ist mehr als nur ein Anruf "Hey, willst du auf meine Geburtstagsparty kommen?"

Auf eurem Album Ótta geht es um die traditionelle isländische Zeiteinteilung. Wie seid ihr auf das Thema gekommen und welchen Einfluss hat dieser Brauch in der heutigen Zeit?
Früher musste man sich an Sonne und Mond orientieren, heute trägt jeder eine Uhr am Handgelenk. Diese alte Form der Zeiteinteilung ist also ziemlich in Vergessenheit geraten. Auf Ótta ist jeder dieser acht Tageszeiten ein Song gewidmet. Ursprünglich haben wir dieses Thema garnicht geplant, das hat sich einfach entwickelt. Aber jetzt fühlt es sich an, als wäre es für uns gemacht.

In der letzten Zeit hört man immer wieder etwas von den erstklassigen Rock- und Metalbands aus Island, wie etwa The Vintage Caravan, Svartidaudi oder Zhrine. Wie war die isländische Musikszene zu euren Anfangstagen in den 1990ern aufgestellt?
Nichts. Es gab absolut nichts. Ende der 90er starteten einige Bands im Zuge der neuen Hardcore-Bewegung. Jetzt, ein paar Jahre später, haben wir all diese hervorragenden Bands in Island, das ist verrückt. Wir fühlen uns wie Opas weil es uns schon so lange gibt. Ich wünschte, es hätte so eine Szene bereits vor 20 Jahren gegeben.

Neben englischen Songtexten singst du auch einige Songs auf Isländisch. Kann man die Botschaft eure Musik verstehen wenn man den Text nicht versteht?
Definitiv. Manche Leute bekommen Gänsehaut, andere weinen oder bleiben mit offenem Mund stehen. Das ist pure Emotion, dafür braucht es keine Texte. Die Stimme wirkt wie ein Instrument und geht eine spirituelle Verbindung mit der Musik ein. Von daher ist es völlig egal, auf welcher Sprache die Texte verfasst sind. Bei cleanem Gesang fühlt es sich aber natürlicher an, auf Isländisch zu singen.

Hat sich eigentlich der Streit mit eurem ehemaligen Schlagzeuer Gummi schon gelegt?
Wenn Erwachsene streiten und nicht miteinander kommunizieren können, und es noch dazu um Geld geht, musst du Anwälte herbeiziehen. Und das ist teuer und langweilig. Aber es muss geschehen.

Gibt es etwas, das dir nur Musik geben kann?
Gänsehaut. Ich kann mir ein Bild oder eine Skulptur anschauen und es schön finden, aber davon bekomme ich keine Gänsehaut. Ich wüsste nicht, wie ich ohne Musik leben könnte. Jeder hat seine eigene Verbindung mit Musik. Es ist wie eine Art Liebesbeziehung.

Was siehst du, wenn du zuhause aus dem Fenster schaust?
(Addi zückt sein Handy und zeigt mir ein Bild seiner Aussicht): Meine Katze Lucifer, die am Fenster kratzt, meine Veranda, ein paar Bäume und Häuser im Altbaustil.

Kannst du mir drei positive Eigenschaften an deinen Bandkollegen nennen?
Ich kann ihnen vertrauen, wir können ohne Worte kommunizieren und sie geben mir Liebe.

Addi, mal mir doch bitte mal ein Bild von deiner Band:
Hahaha, waaas? Ok, ich probiers:







Was ist das erste, das du machen wirst, wenn du wieder zuhause bist?
Meine Katzen Lucifer und Django füttern, mit meiner Mama einen Kaffee trinken und einen Job für den Sommer finden. Und natürlich am neuen Album weiterarbeiten.

Was kannst du schon über das neue Album verraten?
Wir haben schon 4 oder 5 Songs, also das Skelett steht, und wir müssen noch Fleisch draufpacken. Wir probieren viel rum und haben einige verrückte Dinge im Gepäck. Mal schauen, was rauskommt, wir planen das nie so genau.

Vielen Dank für das Interview!
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