12.03.2016, 10:00 Uhr

Aus starkem Holz gebaut - das Passionsspielhaus Thiersee

Historisches Foto aus dem Archiv des Passionsspielvereins Thiersee. (Foto: Passionsspielverein)
THIERSEE. Alle sechs Jahre wird in Thiersee die alte Tradition des Passionsspiels wiederbelebt. Seit nunmehr über 200 Jahren stellt die Thierseer Bevölkerung voller Begeisterung das Leben und Leiden Jesu Christi szenisch dar. Dass sich bei einem Besuch der Passionsspiele aber nicht nur der Blick auf die Bühne, sondern auch ein Blick nach oben, über die Köpfe der Zuschauer und Zuschauerinnen, lohnt, wissen dabei jedoch die wenigsten. In dem 1926 erbauten Festspielhaus findet sich nämlich eine ganz besondere architektonische Meisterleistung - eine kunstvolle, hölzerne Dachkonstruktion.

Bei dem Deckengewölbe handelt es sich um eine aufwändige Spitzbogenkonstruktion bestehend aus vier kunstvollen Bögen, den sogenannten „Stefansbögen“. Dank dieser gelang es den damaligen Architekten eine Brücke zwischen statischen Notwendigkeiten und ansprechender Optik zu schlagen. Das durch die Bögen entstandene gotisch anmutende Aussehen erinnert so an prunkvolle Dombauten - ein weiterer, wenn auch gedanklicher Brückenschlag zu den Ursprüngen der Passionsspiele im Generellen.

Spannende Geschichte

Unklar ist jedoch, wem man diese Konstruktion zu verdanken hat. Denn in den Wirren des zweiten Weltkrieges und der damaligen Zweckentfremdung des Passionsspielhauses, das zwischenzeitlich als Lager genutzt wurde, sind viele historische Belege und Dokumente für immer verloren gegangen. So auch die genauen Unterlagen zu den verantwortlichen Architekten. Alles was in Erinnerung blieb, war der bezeichnende Name „Stefansbögen“. Als man sich 1961 im Zuge von Instandhaltungsarbeiten auf die Suche nach den Architekten begab, konnte man nur notdürftig Licht ins Dunkel bringen. So wurde die Deckenkonstruktion höchstwahrscheinlich von einer Wiener Firma namens „Österreichische Stefansdach Ges.m.b.H“ geplant, diese wurde jedoch 1938 liquidiert, sodass auch auf diesem Wege keine Unterlagen zur Verfügung standen.

Zimmermannskunst

Was man jedoch weiß ist, wer die Arbeiten für den Dachstuhl vor Ort vornahm. Dabei handelte es sich nämlich um den Thierseer und Christus-Darsteller Alois Kaindl. Kaindl, der sich als leidenschaftlicher Passionsspieler gemeinsam mit seinem Bruder vehement für den Neubau des Passionsspielhauses eingesetzt hatte, war Zimmerer und übernahm mit viel handwerklichem Geschick und Kunstfertigkeit die Arbeiten am Dachstuhl.

Voller Einsatz - damals…

Generell war der Bau des Passionsspielhauses und der Nebengebäude damals nur möglich, indem alle zusammen halfen und mit anpackten. Dies begann schon bei der Aufnahme des Kredites für den Bau, für den die damaligen Mitglieder des Passionsspielvereins gemeinsam hafteten, und setzte sich auch bei der Errichtung des Gebäudes selbst fort. Denn hierbei half man zusammen und ein Großteil der Arbeiten wurde in Eigenleistung in unzähligen Arbeitsstunden erbracht.

… wie heute

An dieser Arbeitseinstellung hat sich bis heute nichts geändert und so packen die Thierseer auch jetzt im Vorfeld der Passionsspiele 2016, die von Juni bis Oktober jedes Wochenende aufgeführt werden, tatkräftig mit an. So konnten heuer einige Bauprojekte, wie die Neugestaltung des Orchestergrabens und die Modernisierung des Zuschauerraums, in Angriff genommen werden. Im Zuge dieser Umbauarbeiten wurden beispielsweise auch Heizungs- und Lüftungsanlagen im Zuschauerraum und im Orchestergraben installiert. Dank dieser kann nun die Temperatur im Festspielhaus angepasst werden, sodass man sich unabhängig von der Witterung ganz auf die Darbietung konzentrieren kann.
Umfassend waren vor allem die Arbeiten im Orchestergraben, wo bis vor wenigen Tagen noch eine Großbaustelle herrschte. Dieser wurde nämlich komplett neu gestaltet und modernisiert. Eines hat sich dabei jedoch auch nach 90 Jahren seit der Errichtung des Passionsspielhauses nicht geändert, wie einer der beiden Spielleiter, Konrad Sieberer, betont: „Wir haben auch diesmal wieder ganz auf Holz gesetzt - das ist akustisch einfach das Beste!“
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