13.06.2016, 00:25 Uhr

Feierliche Premiere der Thierseer Passion

Eine Besonderheit der diesjährigen Passionsspiele ist die Besetzung der Rolle des Heilands. Die beiden Cousins Michael und Christian Juffinger stellen abwechselnd das Leben und Leiden Jesu Christi dar. Die Premiere bestritt Christian Juffinger und überzeugte das Publikum. Eine weitere Besonderheit der Thierseer Passion ist zudem die Rolle des Satans (Josef Fuchs), die in dieser Form nur in Thiersee so zu finden ist. Foto: Gmedia/Abdruck honorarfrei.
Thiersee: Thierseetal | Am Sonntag, den 12. Juni 2016, war die kleine Tiroler Gemeinde Thiersee im Ausnahmezustand, wurden doch die traditionellen Passionsspiele feierlich eröffnet. Seit über 200 Jahre ist es hier Brauch, das Leben, Leiden und die Auferstehung Jesu Christi in Form eines Mysterienspiels darzustellen.



Bereits am Vormittag startete man mit einem großen Festumzug in den Tag. Unter Mitwirkung der Thierseer Ortsvereine sowie der über 250 Passionsspielteilnehmer zog man feierlich in das 1926 errichtete historische Passionsspielhaus ein. Ehrengeleit gaben dabei Vertreter aus Politik und Kirche, wie beispielsweise Bezirkshauptmann Christoph Platzgummer, Nationalratsabgeordnete Carmen Schimanek und die Thierseer Kulturreferentin und Vizebürgermeisterin Silvia Schellhorn. Den Landesüblichen Empfang übernahm Erzbischof Franz Lackner.

Gelebter Glaube

Dieser feierte zudem gemeinsam mit dem Thierseer Pfarrer Franz Wenninger die Heilige Messe. Im bis auf den letzten Platz besetzen Passionsspielhaus zeigte sich dabei, mit welcher Innigkeit und Begeisterung die Mitwirkenden und Besucher die Passionsspiele erleben. Voller Inbrunst wurde so gemeinsam gesungen und gebetet und für einen Moment innegehalten, um sich auf das Spieljahr 2016 einzustimmen.

Passion mit aktuellem Bezug
Darum geht es bei den Thierseer Passionsspielen nämlich auch - sich Zeit zu nehmen, um sich mit Glaubens- und Lebensfragen auseinanderzusetzen. Dies drückt auch das diesjährige Motto "Unter Beobachtung" aus. Die Besucherinnen und Besucher sind dazu angehalten, mit kritischen Augen und wachen Ohren die Geschichte Jesu zu beobachten. Das steht auch für Regisseur Diethmar Straßer, der heuer bereits zum dritten Mal in Thiersee Regie führt, im Vordergrund: "Ich sehe unser Passionsspiel nicht als Jesusspektakel, sondern als Gedankenveranstaltung. Natürlich wollen wir ein überzeugendes Spiel bieten. Aber letztlich geht es darum, was Jesus gesagt hat." Mit seiner Interpretation will er zeigen, dass Würde der Maßstab eines gleichberechtigten Zusammenlebens ist, Nächstenliebe und Hilfsbereitschaft Pflicht und Fremdenfeindlichkeit mit den Worten Jesu nicht vereinbar sind.

Offen & reflektiert

Dass man sich in Thiersee intensiv mit der Lebens-, Leidens- und Auferstehungsgeschichte Jesu auseinandersetzt, zeigt zudem die neu gestaltete Einleitung. Darin werden Gedanken zu Glaubens- und Lebensfragen, die Menschen über alle Alters- und Religionsgrenzen hinweg beschäftigen, angesprochen und aufgeworfen. Aber auch neu eingeführte Handlungsebenen, die den sozialen Kontext zur Zeit der Passionsgeschichte beleuchten, laden zum Nachdenken ein. So schaffen es die Thierseer, auch nach über 200 Jahren Besucher aus dem gesamten deutschsprachigen Raum anzulocken und mit ihrem Spiel zu faszinieren. Zu sehen ist die Thierseer Passion noch bis 2. Oktober an nun noch 24 Spielterminen.
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