10.08.2016, 12:07 Uhr

Frauen ans Schützengewehr? – "Darauf hat mich noch nie eine angesprochen"

Als Marketenderinnen schon, mit Waffe nicht – Landeskommandant Tiefenthaler weiß, wie er Frauen bei den Tiroler Schützen sehen will.

Kufsteins Bataillonskommandant Hermann Egger und Kommandant Hans Hinterholzer vom Kitzbüheler "Wintersteller-Bataillon" zur aktuellen Diskussion.

BEZIRK (nos/sik/elis). Frauen gibt es in den Reihen der Tiroler Schützen schon seit vielen Jahren – als Marketenderinnen, in Ausschüssen, in der Vereinsarbeit, als Funktionärinnen. Aber mit Lederhose und Gewehr dürfen sie nicht marschieren. Geht es nach Landeskommandant Fritz Tiefenthaler, soll das auch so bleiben. "Es wird keine Frauen mit Gewehren bei den Schützen in der Formation geben", stellte Tiefenthaler gleich klar. Das sei Prinzip. "Solange ich hier als Landeskommandant bin. Und ich glaube später auch noch." Und er sieht gar keinen Anlass für diese Diskussion, sieht darin eher ein politisches Sommertheater. "Es gibt keinen Druck von innen und auch nicht von außen. Es wird nur von politischer Seite immer wieder an uns herangetragen." Würde eine Frau einen Antrag an eine Kompanie stellen, würde man sich damit natürlich befassen. Man würde ihn aber ablehnen. "Wir haben ca. 1.500 Frauen bei den Schützen in verschiedenen Funktionen. Auf Vereinsebene steht den Frauen alles offen bis hin zur Obmannschaft."

Hermann Egger ist seit nunmehr 36 Jahren Bataillonskommandant von Kufstein. "Mit so einer Anfrage bin ich noch nie konfrontiert worden", meint Egger dazu zu den BEZIRKSBLÄTTERN. "Wir sind und waren immer froh, wenn wir motivierte Marketenderinnen gefunden haben", so Egger, "sie sind voll in die Kompanien und das Vereinsleben integriert. Die Marketenderinnen sind unser Stolz und ebenso stolz marschieren sie mit den Hauptmännern vorne an." Dass eine der Schützinnen den Wunsch geäußert hätte, die Waffe zu tragen, sei nie vorgekommen. "In meinen 36 Jahren als Bataillonskommandant hat mich noch nie eine Frau darauf angesprochen", erklärt Egger, "wenn eine Frau käme und das machen will, müssten wir uns das ganz genau anschauen und prüfen. Was dann wäre, kann ich nicht sagen, aber der Landeskommandant hat seine Position dazu ja dargelegt."

Auf militärischer Ebene gäbe es eben Grundwerte und -sätze, die bei den Tiroler Schützen nicht verrückt werden. Diese Grundwerte (keine Frau als Gewehrschützin) stehen, so Kommandant Hans Hinterholzer vom Kitzbüheler "Wintersteller-Bataillon", zu dem auch die Söllandler Schützen gehören, zwar nirgends fest geschrieben, werden aber, zumindest zur Zeit, nicht verändert.
"Ob es irgendwann in der Zukunft weibliche Schützen geben wird, das kann ich nicht sagen. Das ist schon vorstellbar", fügt Hinterholzer hinzu. Es gäbe allerdings auch keine weiblichen Anfragen im Wintersteller-Bataillon, daher habe man sich mit dieser Frage bisher auch nicht auseinandersetzen müssen. Frauen gäbe es genug, nicht als Aufhübschung, sondern in wichtigen Positionen. Etwa bei Festen dürften Frauen mithelfen. Ohne weibliche Hilfe würde man die Organisation dieser Veranstaltungen auch nicht schaffen.
"Ich glaube, diese Diskussion verläuft innerhalb der Schützen im Sand. Es besteht kein Bedarf eine solche Diskussion zu führen - und mit aller Gewalt bricht man nicht mit Grundwerten und Regeln. Trotzdem würde ich nicht einfach sagen, dass das nie in Frage kommt", so der Kommandant.

Ehrungen für Frauen

"Wenn es um das Thema der Verdienstzeichen und -kreuze sowie Ehrungen für Frauen geht, dann sollte man eher in die Parteiorganisationen schauen. In den Bauernbund oder den Seniorenbund, und fragen, wie viele Frauen dort geehrt werden", zeigt sich Hinterholzer verärgert über die aktuelle politische Diskussion und fügt hinzu: "Ich glaube hier liegt das Problem auch darin, dass sich Frauen generell nicht so engagieren wie Männer und nicht bei den Vereinen bleiben. Sie heiraten oder werden schwanger und dann sind sie weg."

Hermann Egger glaubt, dass die Zahl der in den Reihen der Schützen geehrten Frauen steigen werde. Derzeit seien einfach die Voraussetzungen nicht erfüllt, da es Richtlinien für die Vergabe von Ehrungen und Auszeichnungen gibt, die einzuhalten sind. Schützen werden etwa für langjährige, öffentliche Mitarbeit in den Kompanien geehrt "da haben wir einfach weit mehr Männer, die sich hier Jahrzehnte lang engagieren. Ich glaube, mit der Zeit werden hier immer mehr Frauen darunter sein, vor allem, wenn sie Funktionärsaufgaben übernehmen. Das ist in den Kommandantschaften noch nicht so weit herangereift."
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Andrea Planötscher aus Kufstein | 25.08.2016 | 10:54   Melden
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