16.10.2016, 14:59 Uhr

Lania in der Arche Noe: Kristallklar wie ein Tiroler Gebirgsbach!

Lania, Jazz aus Tirol, zum Runterkommen und Davonschweben (v.l.n.r.): Bernd Haas (Gitarre), Florian Baumgartner (Schlagzeug), Walter Singer (Kontrabass), Stefanie Fettner (Gesang) und Alexander Goidinger.
Kufstein: Arche Noe | Etwas mit dem ultimativen Attribut „Offenbarung“ zu belegen, damit tat und tut sich der Schreiber dieser Zeilen schwer; vielleicht auch deshalb, um nicht in den Ruch unhaltbarer Versprechungen und dem Festhalten an zutiefst subjektiven Wahrnehmungen zu gelangen. Dann muss manches Mal (leider selten genug!) einfach der Begriff „Entdeckung“ oder „begeisternder musikalischer Fund“ herhalten. So geschehen am vergangenen Freitag, als das Tiroler Quintett Lania in der Kufsteiner „Arche Noe“ gastierte. Zunächst hieß es für die Zuschauer, Glück gehabt, denn die fünf Musiker machten in der Festungstadt eigentlich nur Zwischenstation von einem Gig in Wien kommend und zum nächsten Konzerttermin reisend.

Das Konzept von Lania wird dem Zuhörer nach spätestens zwei Nummern (übrigens: das Ensemble präsentiert ausschließlich eigene Werke) klar: Musik zum Runterkommen, zum Entschleunigen, zum Eintauchen in die Welt des transparenten weil phasenweise extrem sparsam eingesetzten Klanges. Oder wie es Sängerin Stefanie Fettner mit sonorer Stimme und hoher Überzeugungskraft ankündigte: „Unsere Songs laden zum Schweben ein!“

Ganz schön mutig von den fünf heimischen Musikanten, in einer hoch-beschleunigten Ära von schrillen Kompositionen – prall gefüllt mit hypernervösen Gitarren-Riffs, ewig stampfenden Drum-Beats (bei denen man zwischen Basstrommel und Snare kaum mehr unterscheiden kann…), klirrenden Keyboards, wummernden Bassläufen und darübergelegten kreischenden Möchte-Gern-Koloraturen – dem Plan des Langsamen und eher Bedächtigen zu folgen. Weit entfernt allerdings von fader Berieselung, Lania eben, angenehm anders!

Freilich, jetzt spätestens müsste ein Vergleich her, damit der geneigte Leser erkennt, was ihn an einem Jazz-Abend mit dem erwähnten Fünfgestirn erwartet. Wer skandinavische Sängerinnen wie Silje Nergaard, Rebekka Bakken oder Maria Mena zu schätzen weiß, bemerkt unverzüglich, wovon hier die Rede ist: Bei Lania trifft „Nordic Coolness“ (was Besseres fällt mir hier nicht ein) die Klarheit und Bedächtigkeit eines Tiroler Gebirgsbaches. Verantwortlich dafür zeichnen nicht nur die durchsetzungsstarke, in allen Lautstärke- und Geschwindigkeits-Modi selbstbewusst intonierende Stimme von Stefanie Fettner, sondern zu gleichen Teilen auch die Ton- und Rhythmuskünstler im Hintergrund. Gitarrist Bernd Haas brilliert zum einen als harmonisches Grundgerüst im Off, zum anderen als extrovertierter Solist und kreativer Klangartist. Das Rhythmus-Duo um Schlagzeuger Florian Baumgartner und Kontra-Bassist Walter Singer dokumentiert handwerklich eindrucksvoll, wie man sich im bisweilen fragilen, seltener brachialen Lania-Kosmos vollendet in Szene setzt, ohne dabei im Stillen zu vereinsamen oder den Klangteppich unnötig zu übertönen. Großartig auch Alexander Goidinger am Flügel, der sein virtuoses Spiel geschmackvoll an die Gesangsparts anpasste. Alles in allem sei den Jazz-Liebhabern gesagt, Lania steht für Gänsehaut-Feeling pur!

Am 8.11. übrigens bietet sich im Rahmen eines Auftrittes von Lania im Innsbrucker Treibhaus die Möglichkeit, selbst zu entscheiden, ob die Bandbreite zwischen musikalischer „Offenbarung“ und „Entdeckung“ richtig gewählt war. Eines der Enden wird’s, garantiert!
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