09.03.2016, 08:40 Uhr

Stichwahl in Rattenberg: Das Duell der Gegensätze

Spannende Bürgermeister-Stichwahl am Sonntag zwischen dem Rattenberger Bürgermeister Martin Götz und Vizebürgermeister Bernhard Freiberger.

Die Glasstadt steht am Sonntag vor dem Stichwahl-Finale. Die Wähler entscheiden über zwei Polit-Philosophien.

RATTENBERG (mel). Die kleinste Stadt Österreichs wird am kommenden Sonntag zum Wahl-Epizentrum, dessen Ausläufer weit über den Bezirk hinausreichen: Gelingt es dem blauen Vizebürgermeister Bernhard Freiberger in der Stichwahl, den amtierenden Martin Götz vom Bürgermeistersessel zu stoßen und damit der Tiroler FPÖ so nebenbei einen weiteren Ortschef zu bescheren? Oder kann der seit dem Jahr 2014 amtierende ÖVP-Bürgermeister sein Amt verteidigen?

Nur 18 Stimmen Unterschied

Das Duell Götz gegen Freiberger wird zum Kopf-an-Kopf-Rennen: Mit 43,55 Prozent bzw. 108 Stimmen hatte der Bürgermeister am 28. Februar knapp die Nase vor seinem Herausforderer, der mit 36,29 Prozent und 90 Stimmen die Zwischen-Ziellinie überschritt. Den bei Bürgermeistern oft als selbstverständlich angenommenen Amtsbonus konnte Götz - wohl aufgrund seiner bisher relativ kurzen Amtszeit - nicht ausreichend in Wählerstimmen ummünzen. Der erstmals als Bürgermeisterkandidat antretende, angriffige Freiberger, stieß offenbar in dieses Vakuum und kam dem Ortschef gefährlich nahe.

Gegensätzliche Auffassungen

Die Stadtentwicklungspläne in der 414 Einwohner zählenden Gemeinde könnten unterschiedlicher nicht sein. Der 54-jährige Götz setzt auf den über die Stadtgrenzen hinaus gerichteten Ausbau der Marke Rattenberg, die verstärkte Umsetzung eines bereits entwickelten Politikentwurfes. Der 40-jährige Freiberger hingegen plant, Bürger und Wirtschaft enger in die Politik miteinzubinden und sieht die Führung der Gemeinde im Sinne eines "großen Vereines".

Maßgebliche Ausrichtung

Seit jeher ist die Glasstadt bekannt für ihre Kunst und Kultur und lockt jährlich zigtausende Besucher an. In diesem Bereich will Götz künftig verstärkt auf hochwertiges Kulturprogramm setzen. Angedacht ist unter anderem eine engere Zusammenarbeit mit dem Augustinermuseum, wie etwa bei den Kreuzgang-Konzerten. "Auch Abende mit Chören oder Organisten", kann sich Götz vorstellen.
Freiberger hingegen will bei den Veranstaltungen lieber ein breites Publikum ansprechen. "Ich möchte wieder mehr Einheimische nach Rattenberg bringen", so der amtierende Vizebürgermeister.

Investieren oder verkaufen

Mit einem Verschuldungsgrad von 86 Prozent (laut Gemeindefinanzbericht 2014) sind der Stadt zurzeit finanziell die Hände gebunden. Es können keine neuen Darlehen aufgenommen werden, Investitionen sind nur mit Hilfe des Landes oder sonstiger Fördergelder möglich. Ein Verkauf der drei stadteigenen Häuser bzw. eine Vergabe auf Baurechtsbasis soll laut Vizebürgermeister wieder Geld in die Kassen spülen und den Handlungsspielraum erweitern. "Es ist nicht die Aufgabe einer Gemeinde, alte Häuser zu verwalten", ist Freiberger überzeugt.
Nicht verkaufen, sondern wieder auf Vordermann bringen will Götz die drei stadteigenen Immobilien. Die Sanierung soll durch neue Finanzierungswege geschehen, konkret im Gespräch ist eine öffentlich private Parterschaft mit einem Mieter. "Bis wir wieder Darlehen aufnehmen können, müssen wir auf Alternativen setzen", so Götz. Eine Fusion mit Radfeld, um wirtschaftlich wieder zu Kräften zu kommen, lehnen jedoch beide vehement ab und wollen dafür die gemeindeübergreifende Zusammenarbeit weiter ausbauen. "Es gibt bereits Ideen für eine gemeinsame Nutzung des Rattenberger Sportplatzes", verrät Götz.

Parkplätze überdenken

In der kommenden Periode wollen beide Kandidaten die seit Jahren diskutierte Parkplatzregelung und die Renovierung der öffentlichen Toilettenangehen. Ein 13 Jahre altes Verkehrskonzept sieht eine Parkplatz-Neugestaltung und neue Toiletten um rund eine Million Euro vor. Zu viel für die finanzschwache Stadt.
Um dies dennoch zu realisieren, könne sich Freiberger vorstellen, Bau und Bewirtschaftung eines Parkplatzschrankens und der WCs an eine Firma zu vergeben. Die Stadt würde sich die Errichtungskosten sparen, dafür würden aber auch die laufenden Einnahmen ausbleiben. "Wenn eine Gemeinde von Toiletteneinnahmen abhängig ist, ist der Zug bereits abgefahren", stellt Freiberger fest. Zudem gäbe es Vandalismusschäden von bis zu 25.000 Euro jährlich.
Götz hingegen will zuerst alle baulichen Details einer Schrankenanlage klären lassen und alternative Möglichkeiten prüfen, um zu entscheiden, welche Lösung zielführend sei. Für ihn ist es wichtig, dass das Projekt "vernünftig und für die Stadt gewinnbringend" sei. "Man muss zuerst Kosten und Einnahmen klären, und darf sich nicht vorschnell zu emotionalen Aussagen hinreißen lassen", sagt Götz.

Kooperation notwendig

Eines steht bereits jetzt schon fest: Ein leichtes Spiel wird der künftige Bürgermeister jedenfalls nicht haben. Bei einer Mandatsverteilung mit drei gleich starken Listen mit je drei Sitzen sowie einer Fraktion mit zwei Mandaten wird die Mehrheitsfindung im Gemeinderat an erster Stelle stehen. Es bleibt also weiterhin spannend in der Glasstadt.
Welcher der beiden Kandidaten die Stichwahl am 13. März für sich entscheiden konnte, lesen Sie HIER
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