23.06.2016, 12:22 Uhr

Tiroler Neos wollen Fokus auf Tourismus und weniger Bürokratie

Seit 4. Juni ist der Stubaitaler Hotelier Dominik Oberhofer Landesvorsitzender der Tiroler Neos.

Seit dem 4. Juni ist der Stubaitaler Hotelier Dominik Oberhofer Landesvorsitzender der Tiroler Neos. Nun ist er auf Tour durch die Bezirke im Land, um die Positionen und Pläne der Gruppe zu präsentieren.

BEZIRK (nos). Als Hotelier sei er "vorbelastet, weil es ein großer Punkt" seiner Motivation sei "mehr Aufmerksamkeit für den Tourismus in Tirol" zu bekommen, meint Oberhofer im Gespräch mit den BEZIRKSBLÄTTERN.
"Wir sind der Meinung, dass es Tirol nicht so gut geht."

Es brauche einen Aufschwung im Land, Tirol sei österreichweit "Schlusslicht bei den Löhnen aber Leuchtturm bei Mietkosten". Die aktuellen Arbeiten am Parteiprogramm der Neos seien beim Thema Wohnen "schon relativ weit", so Oberhofer. Die Anfang Juni aufgetauchten Aussagen von Neos-Sozialsprecher Gerald Loacker betreffend Lockerung des Mieterschutzes seien "eine Einzelmeinung, das muss breit diskutiert werden".
Geschlossener zeigen sich die Neos beim Thema Bürokratieabbau: "Bei der Bürokratie juckt es uns alle", stellt Oberhofer fest. Die Verwaltung sei seiner Ansicht nach durch Vorschriften und Regelungen ein wahrer "Preistreiber". "Wir haben in den vergangenen 20 Jahren einen enormen Beamtenkörper in Tirol aufgebaut", so der Hotelier, "von den Regierenden wird als Grund immer die EU ins Spiel gebracht, aber das ist nicht wahr". Tirol und Österreich seien unnötigerweise "absolute Weltmeister in der Umsetzung von EU-Richtlinien".

"2017 wird schwieriges Jahr"

Der Neos-Landesvorsitzende prognostiziert für das kommende Jahr Schwierigkeiten für das Land Tirol. Sinkende Strompreise würden der TIWAG zu schaffen machen, zudem laufen die Haftungen des Landes für die Hypo Tirol Bank aus. "Man kann schon hergehen und den Namen ändern, aber das System bleibt das selbe wie in der Hypo Alpe Adria", konstatiert Oberhofer und fragt: "Welchen Preis müssen die Tiroler dafür bezahlen?"
Einen "Aufschwung für die breite Masse" wollen die Neos anregen, denn "das bedeutende an der Tiroler Wirtschaft ist die breite Mittelschicht", während aktuell große Strukturen systemisch bevorzugt würden. Das notwendige Maßnahmenpaket umfasse nach Ansicht der Partei die Senkung der Lohnnebenkosten, eine "Entrümpelung der Gewerbeordnung" sowie eine Vereinfachung und Anpassung der "vermurksten Steuerreform".
Besonders im Tourismus gäbe es Handlungsbedarf, etwa bei der Tourismusabgabe: "Völliger Blödsinn", nennt sie Oberhofer. "Das Tiroler Tourismusgesetz muss man angehen", findet der Tiroler Neos-Chef und verweist mit Alt-LH Herwig van Staas TVB-Zusammenlegungen auf einen "wichtigen Schritt von einem ganz mutigen Mann". Oberhofer glaubt: "Wir müssen verstärkt Destinationsmanagement betreiben, da gehört vor Allem auch die Landwirtschaft dazu, da ist viel notwendig."
Auch gehörten Ressourcen gebündelt und die "südlastige" Euregio Tirol-Südtirol-Trentino nach Norden gebracht: "Wir sollten den Mut haben und Bayern mitbewerben".

Bildungspolitik

"Das ist der grund, warum es die Neos im Nationalrat gibt", meint Oberhofer zur Bildungspolitik seiner Gruppe. "Die Menschen wünschen sich eine großangelegte Bildungsreform", ist er sich sicher. Das sei ein "Prozess, den wir über 30, 40 Jahre begleiten müssen". Bislang habe sich Österreich hier "überhaupt nicht bewegt".
Versäumnisse sehe er etwa im Bereich der Elementarpädagogik, hier brauche es "konkrete Investitionen für die Zukunft", denn "es ist viel sinnvoller, wir investieren in Bildung und Chancen, als dass wir mit einer Generation AMS konfontiert werden".
Damit könnten neue Strukturen geschaffen werden, die "innerhalb von kurzer Zeit eine Region nach vorne bringen. Kufstein macht da eine bella figura in Tirol". Besonders lobt Oberhofer die Lage in der Bezirkshauptstadt: "Ich habe das Gefühl, dass diese Parteifreiheit der Stadt gut tut." Auch, dass die fraktionslose Abgeordnete Andrea Krumschnabel Elementarpädagogik im Landtag thematisiert, findet großen Anklang bei den Neos: "Sie hat eine Vision und das sieht man".

Eine strukturelle Änderung wäre das "Aufbrechen des Campus Innsbruck", also eine weitere Verlagerung akademischer Ausbildungsmöglichkeiten in die Bezirke. "Es muss nicht alles überall geben", meint Oberhofer mit Blick auf das Studienangebot der Österreichischen Universitäten. Er bevorzuge ein "möglichst buntes, flächendeckendes Bildungsangebot".
Als Hotelier kennt er das Fachkräfteproblem aus dem eigenen Betrieb. "Das Problem ist, dass das Niveau der Lehrlinge schwer steuerbar ist", befindet der Stubaier, "die Berufsschulen bräuchten andere Voraussetzungen, man müsste andere Möglichkeiten schaffen".
Oberhofer wünscht sich "eine Politik, die auf die heimischen Unternehmer und die Gesellschaft zugeht und fragt: 'Wie können wir euch helfen?'".

Zukunft der Neos in Tirol

"Wir kandidieren 100-prozentig fix!", erklärt Oberhofer mit Blick auf die nächsten Landtagswahlen. Auf sein Lob für Martin Krumschnabels Parteifreie und Andrea Krumschnabels Landtagsarbeit angesprochen, gab's von Oberhofer allerdings eine Absage:
"Ich kann versprechen: 'Neos' bedeutet etwas Neues, wir sind nicht dafür da, alte Politikerpersönlichkeiten zu recyclen!"

Das nächste Neos-Team und sein Spitzenkandidat "wird eine Ansage in Tirol", prophezeit Oberhofer und gibt die Marschrichtung vor: "Wir wollen mitgestalten!"
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