30.05.2016, 16:57 Uhr

Egon Schieles Blick auf Rattenberg

Rattenberg: Schlossberg |

Wie wenig sich in 100 Jahren verändern kann, zeigt eine Zeichnung Rattenbergs von Egon Schiele. Am neu errichteten Aussichtspunkt am Schlossberg kann man nun das Werk sehen und die Perspektive des Malers einnehmen.


Egon Schiele, einer der bedeutendsten österreichischen Expressionisten, hat Rattenbergs Dachlandschaft ein Denkmal gesetzt. 1917 zeichnete er die Stadt aus einer Perspektive, die man nur von einem bestimmten Punkt am Schlossberg aus erhält. Das brachte die Touristiker der Region Alpbachtal Seenland auf die Idee, die Zeichnung samt der Aussicht auf die Stadt öffentlich zugänglich zu machen. In Abstimmung mit dem Denkmalamt und der Stadtgemeinde wurde das Projekt ein Jahr lang vorangetrieben. Jetzt können Besucher an der neu errichteten Stehle den Standpunkt des Malers einnehmen.


Fenster durch die Zeit

„Der Aussichtspunkt wirkt wie ein Fenster durch die Zeit“, sagt TVB-Chef Markus Kofler. Der 2,30 Meter hohe Eisenturm zeigt den Kunstdruck Schieles auf Glas gepresst. Die Geschichte dazu ist in vier sprachen nachzulesen. Durch die ausgeklügelte Konstruktion kann man die Zeichnung direkt mit dem Original – den Dächern Rattenbergs - vergleichen. Erstaunlich ist die detailgetreue Ansicht Schieles, denn die hat sich auch 100 Jahre später kaum verändert. Nahezu jeder Giebel, Kamin und auch die Fassaden stimmen mit der Zeichnung perspektivisch überein. „Ich bin fasziniert davon, wie haargenau die Proportionen der Zeichnung stimmen, aber man hat es ja auch mit einem Meister seines Faches zu tun“, zeigt sich der Architekt der Stehle Josef Wurzer fasziniert. Seine Konstruktion aus Stahl funktioniert wie ein Trichter. Die Besonderheit besteht darin, dass der Blick auf jenen Ausschnitt der Stadt gelenkt wird. Man kann das Original mit der Zeichnung vergleichen. Damit auch kleine Besucher die besondere Blick einnehmen können, hat sich der Rattenberger Architekt etwas Besonderes einfallen lassen. Durch eine begehbare Leiter können Kinder an der Stahlkonstruktion hoch klettern um durch das Fenster zu sehen. „Es ist eine Konstruktion, die man auch angreifen darf“, so Wurzer.

Lange mit Krumau verwechselt


Initiiert wurde das Projekt von Günther Moschig, dem Kurator der Stadtgalerie Wörgl. Er stieß eher zufällig auf die Zeichnung. „Lange hat man die Darstellung mit der Stadt Krumau verwechselt“, sagt Moschig, „aber es sind eindeutig die Dächer Rattenbergs“. Ein Rattenberger brachte den Kunstkenner auf die Idee, dem Schiele-Werk nachzuforschen. Diesem Zufall zum Dank, können Besucher der Stadt heute den Standpunkt eines der bedeutendsten Expressionisten unserer Zeit einnehmen.

Zeichnung entstand ein Jahr vor Schieles Tod

Egon Schiele (1890 - 1918) gilt neben Gustav Klimt und Oskar Kokoschka zu den wichtigsten bildenden Künstlern der klassischen Moderne. Mit seinem radikalen Stil und den schonungslosen Darstellungen des menschlichen Körpers sorgte er oft für Aufmerksamkeit. Schiele starb im alter von 28 Jahren an der Spanischen Grippe. Heute erzielen seine Werke am internationalen Kunstmarkt Höchstpreise. Weniger radikal, aber nicht minder beeindruckend, sind seine Zeichnungen von Landschaften, zu denen auch die Ansicht Rattenbergs zählt.
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