15.03.2016, 19:56 Uhr

„Wir gehen aktiv auf die Waldbesitzer zu“

DI Herbert Stummer setzt sich für eine natürliche Waldgesellschaft im Burgenland ein.

Herbert Stummer, GF Waldverband und Obmann von pro holz Burgenland im Bezirksblätter-Interview.

Welcher Wald ist typisch für das Burgenland?
HERBERT STUMMER: Die natürliche Waldgesellschaft, die sich einstellen würde, wenn der menschliche Einfluss wegfällt, ist ein reiner Laub-Mischwald mit ganz wenig Kiefer. Und damit schaut unser Wald auch ganz anders aus als etwa inneralpin, wo der reine Fichtenwald dominiert, der auch dort hingehört.

Warum setzen dann Waldbesitzer auf die Fichte?
Die Fichte hat den höchsten Verwendungszweck, ist am leichtesten zu verarbeiten und ist mit 70 bis 80 Jahren schon erntereif, bei der Eiche hingegen dauert es 120 bis 140 Jahre. Wir wissen aber, dass durch die Klimaänderung die Fichte extrem unter Druck geraten wird. Und jede Waldpflege, jede Begründung des Waldes machen wir für die überübernächste Generation.

Sie sprechen damit die Nachhaltigkeit im Forstbereich an?
Eine Leitspruch von mir lautet: Wir haben den Wald nicht von unseren Vätern geerbt, sondern von unseren Kindern geborgt.

Eine Herausforderung ist die Besitzstruktur im Burgenland?
Mehr als die Hälfte des burgenländischen Waldes ist im Kleinwaldbesitz. Dieser sogenannte Bauernwald wird auch weniger genutzt. Viele haben nicht einmal eine Motorsäge. Deshalb gehen wir vom Waldverband aktiv auf die Waldbesitzer zu und bieten ein Fullservice an, das von der Beratung bis hin zum Verkauf des Holzes reicht.

Wie kann man die Waldbesitzer dazu bringen, nicht nur auf die Fichte zu setzen?
Ein Lenkungsinstrument ist die Förderung. Wenn ich bei der Aufforstung Baumarten verwende, die der natürlichen Waldgesellschaft entsprechen – also etwa vom Fichten- zum Eichenwald wechsle – dann wird das gefördert.

Welche Rolle spielt das Energieholz?
Das Burgenland ist ein Holzheizland. Der Grund dafür liegt am hohen Anteil an Niederwald, der großteils 'nur' als Brennholz Verwendung findet. Davon haben wir über 20 Prozent, österreichweit sind es 2,8 Prozent.

Kommentar von Chefredakteur Christian Uchann

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