26.04.2016, 11:31 Uhr

Der Tag, der unser Leben veränderte - Tschernobyl 1986

Die Tschernobyl-Katastrophe ist bis heute noch spürbar und auch sichtbar. (Foto: wikipedia)

Heute vor 30 Jahren geschah die bislang größte atomare Katastrophe der Menschheit. Eine große Expolosion in einem Reaktor des Atomkraftwekrs Tschernobyl erschüttert die Umgebung. Die Folgen sind bis heute noch spür- und sichtbar.

Es ist der 26. April 1986, kurz vor halb 2 Uhr Nachts. Noch kann niemand ahnen, dass sich in wenigen Sekunden die größte nukleare Katastrophe der Welt abspielen wird. Durch ein fatales Experiment wurde eine Kettenreaktion ausgelöst und grelle Flammen sowie eine radioaktive Rauchwolke breiten sich über dem Reaktor aus. Durch die Explosionen wurden große Mengen an radioaktiver Materie freigesetzt, wobei die hohen Temperaturen des Graphitbrandes für eine Freisetzung in große Höhen sorgten. Insbesondere die leicht flüchtigen Isotope 131I und 137Cs bildeten gefährliche Aerosole, die in einer radioaktiven Wolke teilweise hunderte oder sogar tausende Kilometer weit getragen wurden. Bis zum Abend des 26. April beharrten die Operatoren und die Kraftwerksleitung aber darauf, dass der Reaktor intakt sei und nur gekühlt werden müsse, obwohl überall Bruchstücke der Brennstäbe sowie Graphitelemente verstreut lagen. Dieser Umstand ist hauptursächlich für die späte Evakuierung der Stadt Prypjat verantwortlich.

Späte Reaktion

Die Reaktion auf den Unfall in Tschernobyl war zunächst von einer Unterschätzung der Lage und von Desinformation geprägt. Die sowjetische Regierung war noch am Morgen der Explosion nur von einem Feuer im Atomkraftwerk informiert worden und nicht von einer Explosion. Erst als am Tag hohe Strahlenbelastungen vom Zivilschutz im Prypjat gemessen und nach Moskau weitergeleitet wurden, wurde ein Krisenstab einberufen und Experten zum Unglücksort entsandt.

Gegenmaßnahmen und Reaktionen

Am 27. April 1986 wurden sämtliche Einwohner aus einem Umkreis von zehn Kilometern um den Reaktor evakuiert. Ab 4. Mai 1986 wurden weitere 116.000 Menschen aus dem Gebiet 30 Kilometer um den Reaktor evakuiert. Auch in den folgenden Jahren wurden nochmals 210.000 Einwohner umgesiedelt. Die Sperrzone beträgt mittlerweile rund 4.300 km2, was einem Kreis mit dem Radius von 37 Kilometern entspricht.

Alarm in Schweden

Im über 1.200 Kilometer entfernten Kernkraftwerk Forsmark wurde 36 Stunden später, aufgrund von erhöhter Radioaktivität, automatisch Alarm ausgelöst. Auch in Österreich und der Schweiz wird zur selben Zeit erhöhte Radioaktivität gemessen. Doch Moskau leugnet zunächst noch einen Atomunfall.

Der Reaktor brennt noch nach einer Woche

Obwohl Teile des Reaktors selbst nach einer Woche noch immer in Flammen stehen und weiter radioaktive Strahlung austritt, wird der Super-GAU von den zuständigen Behörden geleugnet. Erst am 10. Mai 1986 erklärt der Atomwissenschaftler Jewgeni Welichow, dass die Möglichkeit einer Katastrophe besteht. Erst zwei Wochen nach der Katastrophe nimmt der Generalsekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion das erste Mal Stellung. Die Opfer der Katastrophe wurden jedoch mit keinem Wort erwähnt, die Helfer hingegen werden als Helden gefeiert und die Angehörigen der Werksleitung wurden verhaftet.

Region bis heute unbewohnbar

Schuld an der Katastrophe sei die grobe Fahrlässigkeit des Personals, erklärte die Regierung in Moskau. Schlechte Baumaterialien und Sicherheitsmängel werden nicht erwähnt. Viele Einsatzkräfte die Brände im Kraftwerk löschten und Arbeiter welche den Betonsarkophag um die Reaktorhalle bauten, starben kurze Zeit nach dem Unfall. Viele der rund 600.000 Menschen, welche bei den Aufräumarbeiten beteiligt waren, erkrankten kurze Zeit später an Krebs. Die Stadt Pripjat ist bis heute unbewohnbar. In einem Umkreis von 30 Kilometer um den Reaktor befindet sich bis heute eine streng bewachte Sperrzone.

30 Jahre Tschernobyl: Wir gedenken der Opfer


Credit:TvSalon

Reaktionen aus Kärnten

Da die sowjetische Regierung diese Katastrophe zu Beginn nicht zugeben wollte und auch nachher herunterspielte, fühlte sich auch die Bevölkerung in Kärnten eigentlich sicher. Auch zum Thema Atomkraft gab es zu dieser Zeit kaum Aufklärung und die allgemeine Meinung lautete eher "ist ja weit genug weg". Erst als zum Beispiel in Klagenfurt eine höhere Strahlenbelastung als in Graz gemessen wurde, kam die Verunsicherung. Bis zu dieser Zeit hat man sich kaum oder gar keine Gedanken zu dieser Art der Stromgewinnung gemacht und auch die möglichen Konsequenzen nicht bedacht. Heute bezieht der Großteil der Kärntner Bevölkerung klar Stellung gegen Atomkraft.

Lesen Sie auch:

* Staatenübergreifende Allianz gegen AKW Krško
* 30 Jahre nach Tschernobyl – Atomgefahr bedroht Niederösterreichs Städte
* Buch-Tipp: "Nukleare Katastrophen und ihre Folgen"
* Sadako Monma über ihr Leben nach Fukushima
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.