21.06.2016, 18:00 Uhr

Christian Ragger: "Rückkehr, wenn ich wieder gestalten kann"

Der scheidende FPÖ-Landesrat Christian Ragger liebäugelt bei einer Rückkehr in die Politik mit Wien (Foto: Büro Ragger)

Am Donnerstag scheidet Christian Ragger aus der Kärntner Landesregierung aus: das Interview zu seinem Abschied als Landesrat.

KÄRNTEN. Am Donnerstag folgt Gernot Darmann Christian Ragger als freiheitlicher Landesrat am Arnulfplatz nach. Ragger verabschiedet sich von der politischen Bühne. Vorerst.

WOCHE: Mit welchen Gefühlen verabschieden Sie sich aus der Landesregierung?
CHRISTIAN RAGGER: Ich gehe stolz in meinen zivilen Beruf zurück. Ich habe in den acht Jahren bewiesen, was wir schaffen können. Zum Beispiel den massiven Ausbau der Pflegeheime. Er zeigt, das man auch unter einer Kostenprämisse sozialverantwortlich handeln kann. Die Bevölkerung dankt es mir noch heute, und die Partei hat den Effekt mitgenommen.

Seit März 2013 sind Sie nicht mehr Sozialreferent. Macht das den Rückzug leichter?
Ich habe mich nach der Wahlniederlage nicht wie die Dirn vom Tanzboden jagen lassen, sondern habe Verantwortung für die Partei übernommen. Wenn man aber das Gestalten aus der Privatwirtschaft gewohnt ist, ist es schwer, wenn man auf Zaunwipfel und Seilbahnen beschränkt ist. Der Druck aus der Kanzlei ist auch immer größer geworden. Es war der richtige Zeitpunkt.

Was werden Sie vermissen?
Den täglichen Austausch mit den Medien – das sind ja kommunizierende Gefäße. Und auch die Hektik der Terminfolgen. Ich habe ganz Kärnten bereist, kürzlich erst mein siebentes Auto erhalten, das mein Nachfolger bekommt. Ich bin 360.000 Kilometer gefahren und kenne ganz Kärnten. Nur ins Lesachtal habe ich es nicht geschafft; das hole ich privat nach.

Ihr Leben wird "ruhiger"?
Vom zeitlichen Engagement her bleibt es gleich intensiv. Ich bin international unterwegs. In den nächsten zwei Monaten bin ich in Spanien, Italien, England und New York.

Einige bescheinigen Ihnen gerade in letzter Zeit konstruktive Arbeit trotz Oppositionsrolle ...
Geht man in klassische Frontalopposition, würde man verhungern. Man muss auch Lösungen anbieten; die Kärntner FPÖ ist immer für Konstruktivität gestanden. Wir waren nie Rabauken, sondern immer in der Mitverantwortung. Sonst hätten wir vieles nicht erreicht.

Was geben Sie Gernot Darmann mit?
Ich will meinem Nachfolger keine Ratschläge erteilen. Das gebührt sich nicht. Er wird sich gegen die blutleere Koalition abgrenzen, die Versprechen nicht auf den Boden bringt.

Was wäre ein Anlass, wieder in die Politik zurückzukehren?
Wenn es die Möglichkeit gibt, wieder zu gestalten. Das war meine Prämisse: Ich wollte Leuten helfen und nicht Politik um der Politik Willen machen.

Wien ist dann eine Option?
Ohne übertreiben zu wollen. So viele Persönlichkeiten wird es nicht geben, die so viel Erfahrung haben. Die Frage lautet: Wie gibt uns die Bevölkerung das Vertrauen. Wir brauchen als Partei aber zuerst Inhalte, um Österreich auf den Kopf zu stellen.
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