15.06.2016, 06:00 Uhr

Kärntner Experten: "Unser Land braucht einen echten Dialog"

Karl Anderwald ist Vorsitzender des Kuratoriums der Fachhochschule Kärnten: "Man darf die Aktionen auch nicht überbewerten – die Faschismus-Keule ist übertrieben." (Foto: KK)

Nach den Vorfällen mit Radikalen in Kärnten sind Experten überzeugt: "Ohne einen Dialog wird es nicht gehen."

KÄRNTEN. Eine Störaktion einer Asyl-Vorlesung durch Identitäre und Hasspostings gegen Wasserretter, weil sie Flüchtlingen das Schwimmen beibringen, sorgten vor wenigen Tagen für Aufsehen. In der WOCHE machen sich zwei Experten Gedanken über die Entwicklung: Caritas-Direktor Josef Marketz und Karl Anderwald, Kuratoriumsvorsitzender der FH Kärnten und Organisator von Integrationslehrgängen.
"An der Uni sprechen Wissenschaftler über die Flüchtlingssituation und wollen im Dialog Lösungen finden", analysiert Marketz. "An der Uni hat es sich gezeigt: Manche verweigern das Gespräch." Das sei das Gegenteil von dem, was Kärnten brauche, ist er überzeugt. "Ich sehe eine Lösung nur im Dialog." Der Grund ist klar: "Extreme wollen mit Gewalt etwas verteidigen, was in Umwandlung ist – man kann es aber nicht rückwandeln." Das sei in einer globalisierten Welt nicht möglich.

Alle Kärntner mit im Boot

Ähnlich beurteilt Anderwald die Situation. "Wir müssen alle mit ins Boot holen", appelliert er. Denn: "Die einen sind auf dem linken Auge blind, andere auf dem rechten." Er appelliert dafür, dass man in öffentlichen Diskussionen positive Beispiele in den Vordergrund rückt – "mit Menschen, die bereits integriert sind." Man müsse, so die Experten, auch jene erreichen, die keine Berührungspunkte mit Flüchtlingen haben. Denn er kennt das Phänomen: "Ausländerfeindlichkeit ist dort am größten, wo es keine Ausländer gibt."
Überbewerten will Anderwald die Vorkommnisse allerdings nicht. "Die Faschismus-Keule zu schwingen ist übertrieben", meint er. Nachsatz: "Es wird immer einen Bodensatz an rechten und linken Extremen geben." Insgesamt seien die Kärntner – so der Politologe – aber nicht "anfällig für Extreme".
"Sorge" nennt Marketz sein Gefühl, "weil sich Menschen Sorgen machen". Viele würden offen sein wollen, aber: "Dann kommt wieder die Angst und auch Negativ-Beispiele."

Aufgabe der Kärntner Institutionen

Für Marketz kommt den Helfer-Institutionen in dieser Situation eine wichtige Rolle zu. "Wir müssen noch stärker zeigen, was wir tun, und positive Beispiele zeigen." Darüber, ob Aktionen der Caritas auch Zielscheibe werden könnten, macht er sich ebenfalls Gedanken. "Wir werden aber konsequent auf unserer Linie bleiben", so Marketz. "Unsere Aktionen sind nicht gegen jemanden gerichtet – schon gar nicht gegen die Kärntner."
Das Gespräch und der Austausch aller Gruppen als Lösung. "Ja, aber zuerst braucht es ein Konzept zur Bewältigung", mahnt Anderwald ein. "Die Bevölkerung muss wissen, wie man mit den Menschen umgehen will, die bereits bei uns sind."
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.