04.05.2016, 06:00 Uhr

Kärntner WK-Präsident: "Sehen das große Ganze nicht"

Kärntner WK-Präsident Jürgen Mandl goutiert das Bemühen der Landesregierung, aber: "Es ist noch zu wenig."

Jürgen Mandl, Präsident der Wirtschaftskammer Kärnten, übt Kritik an Grabenkämpfen der Politik und mahnt: "Kompromiss ist oft ein Murks."

KÄRNTEN. "Wenn dieser Warnschuss nicht verstanden wurde, weiß ich auch nicht, was noch nötig ist", kommentiert Jürgen Mandl, Präsident der Kärntner Wirtschaftskammer, das Abschneiden der Kandidaten von ÖVP und SPÖ bei der Bundespräsidenten-Wahl. "Jetzt geht es um Probleme, die unangenehm sind, nicht um die Verteilung von Pfründen."
Konkret kritisiert Mandl das "Nicht-Entscheiden" von Politikern auf allen Ebenen. Die Politik gehe in Grabenkämpfen unter und im "Klein-klein". "Der kleinste gemeinsame Kompromiss ist oft ein Murks", so Mandl. "Wir verlieren den Blick fürs Ganze." Das funktioniere in Hochkonjunktur oder Vollbeschäftigung, nicht aber in schwierigen Zeiten. Deshalb fordert er einmal mehr auf: "Wir müssen in der Politik den Reset-Knopf drücken und uns etwas trauen." Die wichtigen Themen seien bekannt: Bürokratie, Überregulierung, Steuern, Bildung und Soziales.

"Brauchen Zieldebatte"

Die Marschrichtung ist für ihn klar: "Wir brauchen keine Umverteilungsdebatte, sondern eine Leistungs- und Zieldebatte", so Mandl. "Damit geht für mich auch die Motivation einher." Damit meint er jene der Unternehmer: "Im Wissen, wo Beschäftigung und Einnahmen für den Staat herkommen: Unternehmertum muss wieder Freude machen."
Mit der Stimmung in Land und Wirtschaft zeigt sich Mandl ebenfalls unzufrieden. "Wir müssen aus dem Stimmungstief heraus", appelliert er. "Es zeigt sich immer wieder, wie leistungsfähig unsere Wirtschaft ist." Deshalb gehe es darum, was zu tun sei, damit sie noch erfolgreicher wird.
"Das ist eine Frage der Vernunft", gibt Mandl zu bedenken. Denn: "Vieles ist gar nicht so schlecht", befindet Mandl. "Wir müssen nicht alles kurz und klein schlagen – sondern einiges lediglich sanieren."

Kirche im Dorf lassen"

Ein vergleichsweise gutes Zeugnis stellt Mandl der Kärntner Landesregierung aus. "Da müssen wir die Kirche im Dorf lassen", so Mandl. "So eine Situation hatten wir in der zweiten Republik noch nicht. Angesichts der Situation um die Heta "goutieren wir das Bemühen" der Verantwortlichen, aber: Es ist noch zu wenig", fordert auch er raschere Reformen und Veränderungen im Land ein. Das Problem: "Wir diskutieren immer aus der Emotion, nicht auf der Sachebene."
Für die Wirtschaft sieht er einige Herausforderungen. "Die Digitalisierung wird kommen, ob es uns gefällt oder nicht", sagt Mandl klar. Gerade darin bestehen aber auch Chancen. "Wir müssen uns vor der Zukunft nicht in die Hose machen, sondern ein Umfeld für Unternehmer zimmern."
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