06.09.2016, 17:00 Uhr

Erbrecht, ein "heißes Eisen" für die Kärntner Anwälte

Anwälte-Präsident Gernot Murko berät über Erbrecht

Die Kärntner Anwälte orten großen Bedarf an Beratung. Im Land nehmen Streitigkeiten über das Erbe zu.

KÄRNTEN. "Wir leben in einer Generation der Erblasser", erläutert Gernot Murko, Präsident der Rechtsanwaltskammer Kärnten, die Wichtigkeit des Erbrechts. Jene Generation, die nach dem Krieg das Land aufgebaut hat, sei nun in der Situation des Übergebens. Dazu kommen die "Baby-Boomer" der 60er-Jahre mit mehreren Kindern, was die Erbsituationen zum Teil sehr komplex macht. "Das Thema wird die Anwälte bestimmt 20 Jahre beschäftigen", ist Murko überzeugt.
Grund für die Aktualität des Themas sind auch Neuerungen in der Gesetzeslage. "Auch Anwälte müssen das Gesetz nun neu lernen", berichtet Murko. Und: "Der Beratungsbedarf ist groß, da am 1. Jänner das neue Gesetz in Kraft tritt." Deshalb lädt die Rechtsanwaltskammer in allen Kärntner Bezirken zu Infoveranstaltungen (siehe Infobox).

Pflege als Streitpunkt

Pauschale Lösungen für problemlose Erbschaft gibt es freilich nicht. Wo Stolpersteine in der Abwicklung lauern, wissen die Anwälte allerdings. "Die Pflege von Personen wird zu einem heißen Thema", ist Murko überzeugt. Die Fragen: Wer pflegt, und wie wird es abgegolten? Murko: "Regelungen in der Familie sollte man frühzeitig treffen, damit es nicht zu einem Pflegestreit kommt."
Ein heikles Thema sei die 24-Stunden-Pflege. "Der Trend zu Fremdpflege belastet viele Verlassenschaften", weiß Murko, "denn immer häufiger werden auch die Pflegerinnen und Pfleger mit Werten aus dem Erbe bedacht."
Zwar – so Murko – geht die Mehrheit der Erbschaften ohne Streit über die Bühne, Zank innerhalb einer Familie nehme aber deutlich zu. "Die Familienverbände sind nicht mehr so stark ausgeprägt wie in früheren Jahren", kennt der Anwalt die Gründe. Häufig seien Kinder im Ausland, und: "Jene, die hier geblieben sind, fühlen sich häufig benachteiligt."
Immer wieder würden Verletzungen der Kindheit in Verlassenschaftsverfahren neu aufbrechen. Dem gelte es entgegenzuwirken. "Dafür werfen wir unsere Erfahrung in die Waagschale", betont Murko die Streiterfahrung von Anwälten. Das Ziel: "Verträge so aufsetzen, dass sich Streit gar nicht erst auszahlt."

Kinder unterschiedlich behandeln

Eines aber stellt Murko klar: "Es ist das gute Recht des Erblassers, einem Kind weniger und einem anderen Kind mehr zu hinterlassen." Es kann schließlich vorkommen, dass sich ein Kind mehr gekümmert hat oder einfach mehr Zuwendung benötigt.
Insgesamt beteuert Murko: "Vererben ist etwas Dynamisches." In jeder Lebensphase sei es möglich – und manchmal auch ratsam – den letzten Willen neu zu formulieren.

Zur Sache – Neues Erbrecht

Die Kärntner Anwälte geben Tipps zum neuen Erbrecht:

Der letzte Wille sollte in jeder Lebensphase neu geschrieben werden.

Das Testament sollte unbedingt registriert und außerhalb des eigenen Hauses aufbewahrt werden.

Die Kärntner Anwälte informieren bei Veranstaltungen in ganz Kärnten. Die Termine:
Klagenfurt, 14. September, Stiftungssaal der Uni Klagenfurt
Spittal, 21. September, Wifi Spittal
Villach, 28. Sept., Bambergsaal
Hermagor, 5. Oktober, Wirtschaftskammer
Feldkirchen, 11. Oktober, Sparkasse
St. Veit, 12. Oktober, Rathaus
Völkermarkt, 18. Oktober, Neue Burg
Wolfsberg, 20. Oktober, Kärntner Sparkasse
Beginn ist jeweils um 18 Uhr.
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