28.04.2016, 13:22 Uhr

Kärntner Landwirtschaft durch Frost und Schneedruck stark betroffen

Dach Schneechaos hat nicht nur eine Spur der Verwüstung hinterlassen, sondern auch viele Bauern zum Verzweifeln gebracht. In manchen Regionen ist mit massiven Ertragseinbüßen zu rechnen (Foto: Chris / pixelio.de)

Hohe Schäden haben die tiefen Temperaturen und der Neuschnee in der Land- und Forstwirtschaft verursacht.

KLAGENFURT. Landwirtschaftskammerpräsident Johann Mößler zeigt sich besorgt über die vom Frost und Schneedruck verursachten Schäden an den landwirtschaftlichen Kulturen und im Wald. „Das Jahr 2016 hat von der Witterung her gut begonnen. Viele Kulturen wurden aufgrund des zeitigen Frühjahrs etwas früher angebaut als sonst. Das jetzige Extremereignis trifft die Bäuerinnen und Bauern umso härter, weil viele Kulturen schon aufgelaufen sind bzw. weiter entwickelt sind als sonst", so Mößler.

Schäden auf den Äckern

In den Bezirken Wolfsberg, Klagenfurt-Land und Völkermarkt dürften insbesondere beim Mais erhebliche Ertragseinbußen zu befürchten sein. Da der Schnee die Kulturen noch bedeckt, kann der Schaden derzeit noch nicht seriös abgeschätzt werden. Wenn der Vegetationskegel intakt ist, ist jedoch die Regenerationskraft der Pflanzen gegeben und von einem voreiligen Wiederanbau ist vorerst abzuraten. Das Wintergetreide wurde nach den tiefen Temperaturen vor allem durch den Schneedruck geschädigt, der die Halme abgeknickt hat. Ertragseinbußen wird es aller Voraussicht nach bei Wintergerste geben, während der Winterweizen nicht allzu stark betroffen sein dürfte.
Den Raps in den Ackerbaubezirken Kärnten, der gerade in der Blüte gestanden ist, hat es besonders schlimm erwischt. Hier kann man von einem Totalschaden ausgehen. Eine genaue Abschätzung ist aber erst möglich, wenn die Pflanzen nicht mehr unter dem Schnee begraben sind. Bei Soja und Kürbis dürfte es laut LK-Experten relativ geringe Ertragseinbußen geben.

Obst- und Gemüsebau

Im Obstbau hat der Frost im Vorfeld des Schneedrucks massive Schäden in den Intensivobstanlagen und auf den Streuobstwiesen angerichtet. Im Gemüseanbau sind vor allem jene Kulturen, die bereits am Feld aufgelaufen sind und nicht abgedeckt wurden. Gemüse wie Zucchini und Radieschen sind massiv geschädigt. Aber auch hier müssen die nächsten Tage für eine seriöse Schadenseinschätzung abgewartet werden.

Bruchschäden im Forst durch Nassschnee

Die Karawanken und Karnischen Alpen bis Hermagor und die Zentralräume Klagenfurt und Villach sind schwerpunktmäßig vom Nassschnee betroffen. Die stärksten Niederschläge mit über 60 bis 80 mm betreffen den Raum Zell Pfarre, Loibl und Rosenbach. In den oben genannten Gebieten sind entsprechend auch die stärksten Bruchschäden in den Wäldern zu erwarten, wobei vor allem Laubhölzer am stärksten betroffen sein werden. Die Nassschneegrenze liegt bei ca. 800 bis 850 m Seehöhe, sodass ab dieser Seehöhe kaum noch mit Schäden zu rechnen sein dürfte.

Unmittelbar vom Klimawandel betroffen

„Einmal mehr wird uns deutlich vor Augen geführt, dass die Land- und Forstwirtschaft unmittelbar vom Klimawandel betroffen ist, der solche Wetterphänomene mit sich bringt. Jetzt wird die Witterung der nächsten Tage entscheidend sein, ob sich die Kulturen wieder erholen können. Teilweise sind aber jetzt schon massive Verluste gegeben und hohe Ertragsausfülle zu befürchten. Eine Schadensabschätzung wird aber noch dauern. Die Experten der Landwirtschaftskammer stehen jedenfalls für Anfragen der betroffenen Bäuerinnen und Bauern zur Verfügung“, so der Landwirtschaftskammerpräsident.

Landesrat setzt sich für Schadensabgeltung ein

Laut Agrarlandesrat Christian Benger werden die Experten der Agrarabteilung des Landes sowie der Landwirtschaftskammer individuelle Hilfestellungen leisten. Als Agrarlandesrat werde sich Benger für eine rasche Schadensabgeltung einsetzen. „Landwirte leben von dem, was sie sähen und setzen und haben Aufwände, um sähen und setzen zu können“, betont Benger. Daher müsse in diesem Bereich von Seiten der Versicherung schnell gearbeitet werden. Von Seiten des Landes und des Bundes werde die Prämie für die Hagelversicherung, also gegen Frost, Hagel und jüngst neu gegen Dürre, Hochwasser, mit 50 % unterstützt.
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