01.06.2016, 14:59 Uhr

Nothilfe für Kärntner Milchbauern

Agrarlandesrat Christian Benger und Landwirtschaftskammer- Präsident Mößler legen Nothilfeplan auf den Tisch (Foto: LPD Büro Benger)

Nothilfe für Kärntner Milchbauern auf den Tisch gelegt - 500.000 Euro vom Land als Transportkostenzuschuss und Ankaufsförderung für Zuchtvieh von der Kammer

Massiv unter Druck durch den akuten Milch-Preisverfall ist die kleinstrukturierte Milchwirtschaft in Kärnten. Rund 2.100 Milchbetriebe in Kärnten ringen um ihre Existenz. In Berggebieten, wo sich 80% der heimischen Milch-Betriebe befinden, wird der Preisverfall zur Überlebensfrage für Familienbetriebe. „Diese Familienbetriebe haben jedoch zum Preisverfall nicht beigetragen, weil eine Überproduktion auf Grund der Betriebsgrößen gar nicht möglich ist. Daher sind finanzielle Soforthilfen ebenso wichtig wie mittel- und langfristige Maßnahmen, wie eine nachhaltige Mengenreduktion oder das Erschließen neuer Märkte“, so Agrarlandesrat Christian Benger.

Nothilfe von Landwirtschaftskammer und Agrarreferat

500.000 Euro für diese Nothilfe werden vom Agrarreferat in der Form eines Transportkostenzuschusses für jene Milchbauern bereitgestellt, welche ihre Milch selber zur Milchsammelstelle bringen müssen. Laut Landwirtschaftskammer Präsident Johann Mößler aktiviert Landwirtschaftskammer ihre Zuchtvieh-Ankaufsförderung von rund 200 Euro pro angekauftem Rind.

Hilfs-Maßnahmen von Bundesseite gefordert

Mößler fordert im vorfeld des im Juni stattfindenden Milchgipfels weitere Hilfs-Maßnahmen von der Bundesseite. „Die Sozialversicherungsbeiträge sind in der derzeitigen Situation eine hohe Kostenbelastung für die Betriebe. Ich fordere einen signifikanten Rabatt der Sozialversicherungs-Zahlungen im zweiten Halbjahr dieses Jahres!“

Gegen die Streichung der Milch-Quote

„Der Wegfall der Milch-Quote hat zu einer Überproduktion in Europa geführt. Zuvor wurde Überproduktion bestraft. Verschärft wird die Situation durch das Russland-Embargo und den verringerten Milch-Bedarf in China“, so Mößler zu den Gründen des Preisverfalls. Bis zuletzt hat Österreich gegen die Aufhebung der Milch-Quote auf EU-Ebene gestimmt, wurde aber von anderen EU-Staaten überstimmt.

Milch-Mädchen-Rechnung

Laut Benger sei es eine Milch-Mädchen-Rechnung der industriellen Produktionsstätten in Europa - mehr Kühe, mehr Milch, mehr Umsatz - welche die heimische Milchwirtschaft in den Abgrund reiße. „Unsere kleinstrukturierten Betriebe sind nicht die Melkkühe der europäischen Agrarindustrie!“, betont Benger. Ein durchschnittliches Minus pro Betrieb von 8.600 Euro verkraften die bäuerlichen Familien großteils nicht.

Heimische Produkte für öffentliche Einrichtungen

Öffentliche Einrichtungen können sofort agieren. „Wer Steuergeld bekommt, muss heimische Lebensmittel kaufen. Es kann nicht sein, dass unser Steuergeld auch noch ins Ausland abfließt, damit Billigmilch aus Massenproduktionen importiert wird“, so Benger.
„Niemand versteht, dass in einem Kärntner Krankenhaus deutsche Butter serviert wird. Das ist aktive Arbeit gegen regionale Wirtschaftskreisläufe!“, so Mößler.

Daten und Fakten:

Preis pro Kilo Milch derzeit: 30 Cent Brutto
Preis vor einem Jahr: 40 Cent Brutto
è Verlust von 25 % pro Kilo Milch
86 Tonnen Milch im Jahr x 0,4 Euro – 34.400 Euro
86 Tonnen Milch im Jahr x 0,3 Euro – 25.800 Euro
minus 8.600 Euro pro Jahr pro Betrieb im Schnitt

Massnahmen:

1. Sofortmaßnahmen, finanzielle Nothilfe
>> 500.000 Euro Transportkostenzuschuss mit RS-Beschluss 14. oder 27. Juni
>> Zuchtvieh-Ankaufsförderung mit bis zu 200 Euro pro RInd
>>EU: Rund 400.000 Euro ab Ende Juni
>>Bund: am 14. Juni Milchgipfel

2. Mittelfristige nachhaltige Lösungsansätze
>> Mengen-Reduktion
>> Russland-Embargo aufheben!
>> Neue Märkte erschließen
>> Nachlass der Sozialversicherungs-Beiträge
>> Agrardiesel Preisreduktion (Österreich hat die höchsten Preise in der EU)
>> Monitoring gegenüber dem Handel

Fakten zur Milchwirtschaft in Kärnten:

>> 192.000 Tonnen Milch pro Jahr
>> 2.100 milchhaltende Betriebe
>> 33.400 Milchkühe
>> Im Schnitt pro Betrieb 86 Tonnen Milch
>> 80 % der 2.100 Betriebe haben weniger als 20 Kühe
>> 80 % befinden sich im Berggebiet
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