18.05.2016, 07:30 Uhr

Zwazl: Unternehmen sind keine 'Wellness-Oasen' – Wertschätzung für Arbeiter ist der Schlüssel zum Erfolg

Sonja Zwazl bei einem Besuch in Purgstall (Foto: WKNÖ)

Wirtschaftskammer Niederösterreich Präsidentin Sonja Zwazl im Interview über Eigenschaften, die ein guter Arbeitgeber braucht

Arbeiten soll ja in gewissem Maße auch Spaß machen. Wie sorgen NÖs Betriebe dafür, dass sich die Arbeitnehmer wohlfühlen?
SONJA ZWAZL: Die Zufriedenheit der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Niederösterreichs Unternehmen liegt deutlich über dem Österreich-Schnitt. Noch besser im Österreich-Vergleich schneiden unsere Betriebe bei der Beurteilung des Führungsverhaltens der Vorgesetzten ab. Das ist für mich auch der zentrale Schlüssel: Wo man sich auf Augenhöhe begegnet, wo man weiß, dass man in Unternehmen immer nur gemeinsam erfolgreich sein kann, dort fühlt man sich wohl. Der respektvolle Umgang miteinander ist ein Muss - zwischen Wirtschaftstreibenden und Beschäftigten, aber natürlich auch bei den Beschäftigten untereinander. Ein gutes Arbeitsklima ist nicht eine Frage der Unternehmerinnen und Unternehmer allein.


Vor allem die Familienfreundlichkeit des Arbeitsplatzes ist für viele Berufstätige ein Entscheidungskriterium bei einem Arbeitsplatzwechsel. Was haben NÖs Unternehmen hier zu bieten – und auch in den vergangenen Jahren dazugelernt?
Die Zahl der Unternehmen, die gezielt auf familienfreundliche Maßnahmen setzen, steigt ständig – wobei es hier keine allgemeingültigen Patentrezepte gibt. So vielfältig und unterschiedlich die Unternehmen und die Branchen sind, so vielfältig und individuell müssen auch die für die einzelnen Unternehmen passenden Modelle sein. Je maßgeschneiderte das jeweilige betriebliche Angebot ist, umso besser ist es für das Unternehmen und die Belegschaften. Reines Schablonendenken ist zu wenig.


Wie bekommt man als Unternehmen den Spagat zwischen maximalem Output der „Arbeitskraft“ Mitarbeiter und dem Wohlfühl-Bedürfnis des „Menschen“ Mitarbeiter hin? Haben Sie einen Tipp?
Grundsätzlich gilt natürlich, dass Unternehmen per se keine „Wellness-Oasen“ sind, sondern Orte, an denen Menschen gemeinsam Produkte oder Dienstleistungen schaffen und erbringen. Die Schlüsselbegriffe für ein gutes Arbeitsklima heißen Respekt und Wertschätzung. Und Fakt ist auch, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die bei der „Familien-Logistik“ unterstützt werden, einfach zufriedener sind - damit auch besser motiviert und effizienter bei der Arbeit. Die Personalfluktuation ist geringer, die Rückkehrquote nach der Karenz höher. Und die Krankenstandstage sinken.


Nicht jedes Unternehmen kann Google oder Red Bull sein. Welche Erfahrung haben Sie mit jungen Arbeitskräften, was erwarten diese von einem „Top-Arbeitgeber“?

Es soll auch gar nicht jedes Unternehmen Google oder Red Bull sein – gerade in kleinen Unternehmen ist das Arbeitsklima oft ganz besonders gut. Und: Die Zufriedenheit mit der Arbeit fängt nicht erst mit der Wahl des Arbeitgebers an, sondern schon früher – mit der Wahl der Ausbildung. Wer sich für einen Beruf entscheidet, der zu den eigenen Interessen und Talenten passt, der ist bereits auf dem richtigen Weg zu Erfolg und Zufriedenheit. Der NÖ Begabungskompass hilft dabei.


Wann haben Sie persönlich sich in Ihrem Berufsleben am wohlsten gefühlt?
Ich kenne ja beide Seiten: Ich war Arbeitnehmerin und ich bin jetzt Unternehmerin. Und ich habe mich in beiden Aufgaben immer wohl gefühlt, weil ich auf beiden Seiten spannende und interessante Herausforderungen gefunden habe – wobei ich schon zugebe, dass der Reiz des Unternehmertums mit seiner Eigenverantwortung schon etwas ganz besonders Herausforderndes ist.


Das Gespräch führte Christian Trinkl
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