03.08.2016, 15:17 Uhr

Bezirk Schärding: Woher stammen unsere Gemeindenamen?

ALTSCHWENDT:Im Jahr 1238 scheint zum ersten Mal die Bezeichnung Altswent auf, von der sich der heute gültige Name ableitet. Im Laufe der Jahrhunderte findet man abgewandelte Formen wie zum Beispiel Altswendt, im Jahr 1503 erstmals den aktuellen Namen Altschwendt. Dieser setzt sich zusammen aus dem Wort alt und dem angehängten -schwend(t). Diese Endung bezeichnet einen so genannten Rodungsnamen – schwenden ist eine besondere Form des Rodens.

Die BezirksRundschau begibt sich auf Spurensuche und hat in Zusammenarbeit mit den beiden Forschern Karl Hohensinner und Bertold Wöss ein österreichweit bisher einzigartiges Gemeindenamen-Online-Lexikon für Oberösterreich erstellt.

Man könnte Karl Hohensinner und Bertold Wöss stundenlang zuhören. Wenn sie davon erzählen, wie sich Orts- und Gemeindenamen entwickelt haben, dauert es nicht lange, bis der Funke überspringt. Was steckt hinter Pyret (Schardenberg), Zainze (Hagenberg/Pregarten) oder Muttling (Rosenau am Hengstpaß)? Sie erzählen mit einer derartigen Leidenschaft, dass man unbedingt mehr davon haben möchte. Die Leser der BezirksRundschau werden in den kommenden Wochen im Rahmen einer Serie jede Menge Orts- und Gemeindenamen erklärt bekommen. Online finden Sie bereits jetzt alle Details auf www.meinbezirk.at/gemeindenamen. Das Stück Heimatgeschichte regt auch zum Schmunzeln an, wenn beispielsweise vom „oberösterreichischen Schamdreieck Mösendorf/Fucking/Sexling“ die Rede ist.

Lebendige Heimatgeschichte

Karl Hohensinner aus Grein (Bezirk Perg) und Bertold Wöss aus Esternberg (Bezirk Schärding) sind begeisterte Ortsnamenforscher. „Das ist eine absolute Nische in der Sprachwissenschaft“, sagt Hohensinner. „Und das Erfreuliche: Es ist relativ leicht, Entdeckungen zu machen.“ Natürlich nur, wenn man mit dem richtigen Rüstzeug ausgestattet ist – wie mit dem „Altdeutschen Namenbuch“, das alle Ortsnamen in Österreich und Südtirol von den Anfängen beinhaltet.

Immer wieder sitzen Hobbyforscher falschen Quellen auf. Ein Beispiel ist die Ortschaft Pyret in der Gemeinde Schardenberg. Ein anderes die Ortschaft Zainze, die sich Hagenberg und Pregarten (Bezirk Freistadt) teilen. Viele glauben, dieser Name müsste aus dem Slawischen kommen. „Würde das tatsächlich stimmen, müsste es sich um einen Gewässernamen handeln“, erklärt Hohensinner. Aber durch die Zainze fließt kein Gewässer. „Vielmehr geht der Name auf das Wort ‚einzeln‘ zurück.“ Es heißt also nicht mehr und nicht weniger als einzelne Gehöfte. Es gibt auch den Ausdruck „zainzig“. „Zainzige Öpfi sind einzeln herumliegende Äpfel.“

Die Leute des Herigis

Quer durch das ganze Bundesland Oberösterreich sind Ortsnamen auf die Endungen -dorf, -ing, -heim, -hausen, -hofen, -schlag, -stetten, -schwand, -reit oder -kirchen zu finden. „Sie deuten auf die Art der Besiedelung hin“, sagt Bertold Wöss. „Die Endung -ing ist eine Sippenbezeichnung. Hörsching hieß ursprünglich Herigisingon und bedeutet ‚bei den Leuten des Herigis‘. In den Jahren 650 bis 1050 sind viele dieser Ortsnamen auf -ing zu finden.“
Endungen auf -heim oder -hausen deuten darauf hin, dass sich die Menschen sesshaft gemacht haben. Die Suche nach einer festen Bleibe äußert sich auch in -dorf oder -kirchen. Doch nicht das ganze Land war so leicht zu besiedeln wie etwa das Innviertel. Im eher unzugänglichen Norden des Mühlviertels ist eine Konzentration von Namen auf -schlag festzustellen. „Leopoldschlag weist darauf hin, dass der Wald geschlägert worden ist, um sich ansiedeln zu können“, erklärt Wöss. Etwas wilder ging es in Orten zu, die auf -schwand enden. Dort wurden die Bäume abgeschält und somit ausgetrocknet. Bis sie schließlich verschwanden.

„Geschichte der Heimat“

Zuspruch bekommt die neue BezirksRundschau-Serie zu den Orts- und Gemeindenamen auch vonseiten des Landes OÖ. „Gemeindenamen bilden die geschichtlichen Bedürfnisse ihrer Gründungszeit ab. Sie gehen auf natürliche Gegebenheiten wie Flussmündungen, historische Ereignisse oder markante Gebäude zurück. Sich für die Geschichte seiner Heimat zu interessieren, stärkt die eigene Identität, die Verwurzelung mit der Gemeinde“, sagt Landesrat und Gemeindereferent Max Hiegelsberger.

Alle 442 Gemeinden im Überblick

Begeben Sie sich auf Spurensuche! Auf www.meinbezirk.at/gemeindenamen finden Sie die Bedeutung aller Gemeinden.


Quelle: Peter Wiesinger/Richard Reutner: Ortsnamenbuch des Landes OÖ, Band 3
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