17.03.2016, 17:08 Uhr

Sinkende Kriminalität in OÖ – "Aber es kommt bei den Menschen nicht an"

"Wir haben die geringste Kriminialitätsbelastung der letzten elf Jahre, aber trotzdem kommt das bei den Menschen draußen nicht an", sagt Landespolizeikommandant Andreas Pilsl. (Foto: LPDOÖ)

Neue Kriminalitätsstatistik für 2015: 62.666 Straftaten wurden in Oberösterreich angezeigt. Das sind 1,8 Prozent weniger als im Jahr davor und ein Elf-Jahres-Tief.

OÖ. Schizophrene Situation: Obwohl in Oberösterreich so wenige Straftaten verübt wurden wie seit elf Jahren nicht, fühlt sich ein Großteil der Bevölkerung nicht sicher. Die Kriminialitätsstatistik weist für 2015 insgesamt 62.666 angezeigte Kriminalfälle aus. Zum Vergleich: Im Jahr 2007 waren es noch 80.182 und 2013 immerhin auch um 2000 Fälle mehr als 2015. Die Aufklärungsquote liegt in OÖ derzeit bei 50 Prozent, also wird Hälfte der Verbrechen in unserem Bundesland aufgeklärt.

"Wir haben insgesamt die geringste Kriminialitätsbelastung der letzten elf Jahre und das unter extrem schwierigen Rahmenbedingungen. Aber trotzdem kommt das bei den Menschen draußen nicht an", sagt Landespolizeikommandant Andreas Pilsl.
Er spricht damit das subjektive Unsicherheitsgefühl an, das sich in der Bevölkerung seit der massiven Flüchtlingsbewegung verstärkte.
Die Polizei will dem mit Veranstaltungen in den Bezirken sowie einem neuen "Lagezentrum für Migration", das am 1. Juni seine Arbeit aufnehmen soll, begegnen. Diese Taskforce wird sich speziell um Problemfelder im Bereich Zuwanderung und Migration kümmern. "Wir wollen nicht, dass Parallelgesellschaften entstehen und dürfen die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen", sagt der OÖ-Polizeichef. Aber Wunder im Bezug auf das subjektive Sicherheitsgefühl dürfe man sich trotzdem nicht erwarten. Dafür sei in erster Linie die Politik verantwortlich, nicht die Polizei, meint Pilsl.

Und das generell beim Thema Kriminalität viel von der Stimmung abhänge, sehe man derzeit an Beispiel der Sexualdelikte: "Seit den Vorkommnissen in Köln gibt es in diesem Bereich eine stärkere Anzeigebereitschaft", so Pilsl.
Die Anzahl oder Schwere der Sexualdelikte insgesamt hätten sich aber – trotz hunderttausender Flüchtlinge, die OÖ 2015 durchquerten – nicht verändert, sagt Brigadier Anton Wachsenegger vom Landespolizeikommando OÖ.

Kriminalität in Oberösterreich – nur Anzahl der Einbrüche gestiegen

Speziell ausgewiesen werden in der Kriminalitätsstatistik der Polizei die "Big 5". Dabei handelt es sich um die jene Kriminalitätsfelder, in denen die meisten Straftaten verübt werden: KfZ-Diebstähle, Einbrüche in Wohnungen und Häuser, Gewaltkriminalität, Wirtschaftskriminalität sowie Internetbetrug/Cybercrime. Allesamt rückläufig bis gleichbleibend, mit einer Ausnahme: Die Anzahl der Einbrüche in Wohnungen und Wohnhäuser ist innerhalb eines Jahres um 25,8 Prozent angestiegen. Brigadier Wachsenegger begründet das mit einem "Verdrängungswettbewerb". So habe Wien die Polizeiarbeit gegen Einbrüche seit 2014 massiv verstärkt, weshalb sich die Täter nun andere Bundesländer suchen, in denen sie zuschlagen. Andererseits würden Ex-Täter, die mittlerweile in OÖ wohnen, ihre noch aktiven Einbrecher-Kollegen unterstützen, vermutet die Polizei.

Rumänen überholen Deutsche als Tatverdächtige

Die Hitparade unter den fremden Tatverdächtigen führt 2015 übrigens erstmals Rumänien an. Dies sei auch dem starken Rumänen-Anteil bei Einbrüchen geschuldet, heißt es von Seiten der Polizei. Bis 2014 stellten stets die Deutschen die größte Gruppe innerhalb der ausländischen Tatverdächtigen. Auch die Anzahl der Asylwerber, die als tatverdächtig gelten, hat sich nur unwesentlich erhöht (von 10 auf 13,8%). In Relation zur Anzahl der Asylwerber in OÖ sei dieser Anstieg nicht signifikant, so Polizeikommandant Pilsl.

Kriminalitätsstatistik der "Big 5" in OÖ:

KfZ-Diebstähle 2015: 265 (minus 10,2 %)
Einbrüche in Wohnungen/Wohnhäuser: 1814 (plus 25,8 %)
Gewaltkriminalität: 4980 (plus 0,1 %)
Wirtschaftskriminalität: 6055 (minus 7,1 %)
Internetbetrug: 1187 (minus 8,9 %)
Cybercrime: 1511 (minus 8,5 %)
(Internetbetrug und Cybercrime wird extra ausgewiesen, aber bei den "Big 5" als ein gemeinsames Kriminalitätsfeld gesehen, Anm.)
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