05.08.2016, 10:50 Uhr

Woher kommen unsere Gemeindenamen?

Die BezirksRundschau begibt sich auf Spurensuche und hat in Zusammenarbeit mit den beiden Forschern Karl Hohensinner und Bertold Wöss ein österreichweit bisher einzigartiges Gemeindenamen-Online-Lexikon für Oberösterreich erstellt. Eine ergänze Erklärung zu der Entstehung von Gemeindenamen und Bedeutung der Endungen finden sie hier:

1. Wie entsteht ein Ortsname?

Die meisten unserer österreichischen Ortsnamen entstanden vor mehreren Jahrhunderten. In damals noch sehr wenig bewohnten Gegenden begannen Leute, sich anzusiedeln. Und aus diese Erstbesiedlungen entstanden auch meist die Ortsnamen:

- von den Personen selbst: Oft wurden die Siedlungen nach den Personen benannt, die als erstes dort Häuser/Höfe … bauten. Beispiel: Oftering ist nach einer Person benannt, die Ofteri hieß und an der Stelle der heutigen Gemeinde der Erste war, der sich dort niederließ.

- von der Lage: Orte sind auch oft nach ihrer Lage an einem See, einem Fluss, in einer Au … benannt. Auch Endungen (Erklärungen siehe unten) wie -berg, -bruck, -feld(en) oder -leiten weisen auf die Lage der ersten Besiedlung hin.

- von religiösen Ereignissen: Orte mit Sankt (St.) sind nach einem Heiligen benannt, der der Patron der dort errichteten Kirche war. Um diese Kirche herum siedelten sich Leute an, weshalb der Ort dann so genannt wurde. Aber auch Orte mit der Endung -kirchen oder -zell (Mönchszelle, kleines Kloster) bezeichnen Orte, die sich ausgehend von kirchlichen Niederlassungen entwickelten.

- nach der Besiedlung selbst: Endungen wie -dorf, -heim, -haus, -hofen bezeichnen einfach die Siedlungen selbst bzw. die Tatsache, dass an diesen Stellen gebaut wurde und sich Menschen dort ihr Heim (ihr Haus, ihren Hof, ihr Dorf) errichteten.

- nach einer Rodung: Ein weiterer häufig vorkommender Name für eine Siedlung ist ein so genannter Rodungsname. Er bedeutet, dass Menschen einen Wald, Bäume … rodeten, um dort siedeln zu können. Endungen wie -brand, -schwand, -schlag oder -reit deuten auf so entstandene Orte hin.

Zu den in der Folge behandelten Grundwörtern und Suffixen vgl. insbesondere
Wiesinger 1994, 72ff.

2. Grundwörter

Durch das so genannte Grundwort erhält der Ortsname seine Bedeutung bzw. seine Erklärung. Das Grundwort -kirchen etwa bedeutet, dass der Ort ursprünglich in der Nähe einer Kirche entstand.

-ach: ahd. aha, mhd. ahe 'Ache, Bach, Fluß'; fällt lautlich und orthographisch mit dem Suffix -ach zusammen. Siedlungen übernehmen nicht selten den Namen des Fließgewässers, an dem sie liegen. Quelle: Wiesinger, 1994, 99ff.

-alm: ahd. alba, mhd. albe 'Alm (Alpe), hochgelegener Weideplatz'

-au: ahd. ouwa, mhd. ouwe 'Au, feuchtes Gelände, Insel'

-bach: ahd. bah, mhd. bach 'Bach, kleiner Wasserlauf'

-berg: ahd. mhd. berg 'Berg, (kleine oder große) Erhebung'

-brand: 'Stelle, die durch Brand gerodet wurde' (Grundwort in Rodungsnamen)

-bruck: ahd. brugga, -ck-, mhd. brücke, brugge 'Brücke'

-brunn: ahd. prunno, mhd. brunne 'Quelle, Wasserlauf, Brunnen'

-dorf, ahd. mhd. dorf 'Gehöft, Landgut, ländliche Siedlung, Dorf'. Quelle: Wiesinger
1994, 107ff.

-ed, -edt: -> -öd

-egg, -eck: ahd. egga, mhd. ecke 'Ecke, Kante, Winkel, Berggipfel'. Quelle: Wiesinger 1994, 128

-feld: ahd. feld, mhd. velt, 'ebenes, offenes Land, (bebautes) Feld'

-haus(en): ahd. hûs, mhd. hûs 'Haus, Wohnung, Siedlung' Quelle: Wiesinger 1994, 83ff.

-heim, -ham: ahd. heima, mhd. heim 'Wohnsitz, Heimstatt' Quelle: Wiesinger 1994, I 9ff.

-hof(en): ahd. mhd. hof 'Hof, ländliches Anwesen, Wohnsitz' Quelle: Wiesinger 1994,
85ff.

-holz: ahd., mhd. holz 'Gehölz, Wald'

-hub: ahd., mhd. huoba, huobe 'Stück Land, Hube; Siedlung'

-kirch(en): ahd. kirihha, mhd. kirche 'Kirche'. Quelle: Wiesinger 1994, 91ff.

-leite: ahd. lîta, mhd. lîte 'Leite, Abhang'

-markt: ahd markat, mhd. market, markt 'Markt, Marktplatz, Marktort'

-meier: ahd. meior, meier (lat. maior) 'Verwalter, Vorsteher eines Gutes, Eigentümer eines großen Bauernhofes'

-moos: ahd. mhd. mos 'Moor, Sumpf'

-öd, -ed(t): ahd,. ôdi, mhd. oede 'Einöde, alleinstehender Hof, Wohnsitz' Quelle: Wiesinger 1994,128ff.

-peunt, -point: ahd. biunta, mhd. biunte 'Peunt(e); eingefriedetes Stück Land,
Weide' Quelle: EWAhd 2, 135ff.

-reut, -reit, -roid: ahd. riuti/riut,mhd. riute/riut' Rodung, gerodeter Platz' Quelle: Wiesinger 1994, 118ff

-schlag: mhd. slac 'Schlag, durch Schlagen von Bäumen gerodetes Land' Quelle: Wiesinger 1994,122ff.

-schwand: mhd. swant, mhd. swenda, mhd. geswende ,Rodung, Schwendung', Verbalabstrakt zu swenden 'roden, (wörtl.) schwinden machen' Quelle: Wiesinger 1994, 124ff.

see: ahd. mhd. sê 'See'

-sel(de): ahd. seli (Kurzform von ahd. selida, mhd. selde ?) 'Haus, Hof'

-statt, -stätt(en): ahd. mhd. stat, Genetiv und Dativ Einzahl stete 'Platz, Ort, Stelle' Quelle: Wiesinger 1994 ff.

-tal: ahd. mhd. tal 'Tal, Einsenkung'

-wang, -weng: ahd. wang 'Wiesenabhang, Halde'

-weng: -> -wang

-wert: mhd. wert 'Insel, erhöhtes, wasserfreies Land'

-winkel: ahd. winkil, mhd. winkel 'Winkel, abgeschiedener Platz'

3. Suffixe (Endungen)

-ach: ahd. -ahi, Kollektivendung, die eine 'größere Anzahl, einen Bestand' (z.B. einer bestimmten Baum-, Staudenart) anzeigt. Gelegentlich konnte später auslautendes -t angefügt werden, wie z.B. in Eichet, Pramet (vgl. Dickicht, Kehricht u.a.)

-ing: ahd -ing, Dativ Mehrzahl. -ingun. Ein vor allem im frühen Mittelalter sehr verbreitetes Suffix zur Bildung von Ortsnamen, die von Personen abstammen z.B. Antheringun 'bei den Leuten des Antheri'. Die Bildung von Ortsnamen mit Hilfe von -ing blieb aber auch in der Zeit nach ca. 1000 noch gebräuchlich, abgeleitet allerdings nicht mehr von Personennamen, sondern vor allem von Flurnamen, z.B. Pointing, Schlipfing. Da Ortsnamen auf -ing so überaus häufig waren, konnte die Endung sekundär auch an Ortsnamen angefügt werden, die nicht mit -ing gebildet wurden, vor allem anstelle von -en, -ern, z.B. Kemating, Fisching 'bei den
Fischern' (schon 1415 visching); Schaming 'bei den Schaubnern (Schaubenmachern)' (zu mhd. schoup ,Strohbündel')

Dies sind unechte -ing-Ortsnamen, ebenso die Ortsnamen slawischen Ursprungs, deren Endung -ik seit dem 14. Jh. durch -ing ersetzt wurde (2.8. Mandling, Schladming, Fanning u.v.a.). Quellen: Meid 1967, l98ff .; Wiesinger 1994, 74ff.


Alle 442 Gemeinden im Überblick

Begeben Sie sich auf Spurensuche! Auf www.meinbezirk.at/gemeindenamen finden Sie die Bedeutung aller Gemeinden.


Quelle: Thomas Lindner: HELSON (Historisch-Etymologisches Lexikon der Salzburger Ortsnamen)
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