25.05.2016, 06:00 Uhr

Kommentar: Die Mär von der Wahlfreiheit

Wahlfreiheit! Das schreibt sich die Politik groß auf die Fahnen. Wahlfreiheit für die Gemeinden, was das Betreuungsangebot betrifft. Wahlfreiheit für die Eltern, wie viele Stunden sie pro Woche arbeiten gehen wollen. Aber beim Geld hört sich die Wahlfreiheit auf. Denn auch wenn es in Oberösterreich auf dem Papier mehr als eine Möglichkeit zur nachmittäglichen Kinderbetreuung gibt: Die Mehrheit der Gemeinden wird gezwungen sein, jenes Modell zu wählen, das sie sich leisten kann. So geht es bei den Eltern weiter. Ihre Wahlfreiheit endet dort, wo die Gemeinden kein vielfältiges Betreuungsangebot anbieten können. Im konkreten Fall bedeutet dies: Wer eine Nachmittagsbetreuung für seine Kinder möchte, muss die Ganztagsschule wählen. Dort ist Anwesenheitspflicht bis 16 Uhr, egal, wie lange der Arbeitstag der Eltern dauert – viele Elternteile arbeiten halbtags und würden gerne ihre Kinder früher abholen. Die Gemeinden Engerwitzdorf und Enns haben bereits beim Land Oberösterreich interveniert, man möge sich zumindest für mehrere geblockte Abholzeiten in der schulischen Nachmittagsbetreuung starkmachen. Dem kann man sich nur anschließen – und vielleicht macht ja die neue Bildungsministerin die Wahlfreiheit endlich von der platten Ansage zur gelebten Realität.

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