06.10.2016, 00:00 Uhr

Ernst Mayr: "Beste Ausbildung ist die duale Ausbildung"

Das Interview mit Ernst Mayer führten Fussl-Lehrling Hanna Meier und Thomas Kramesberger (BezirksRundschau).

Fussl-Chef Ernst Mayr spricht BezirksRundschau-Interview über Expansionspläne, Lehrlinge und die Online-Konkurrenz.

BezirksRundschau: Wie läuft das Geschäft 2016 bei Fussl und welche weiteren Expansionen stehen an?

Mayr: 2016 läuft unverändert positiv. Von der großen Euphorie der Steuerreform haben wir aber nichts gespürt. Die erste Filiale in Deutschland, die wir am 1. September eröffnet haben, läuft über Plan.

Kommen weitere Filialen in Deutschland dazu?
Nächstes Jahr wahrscheinlich zwei Filialen, übernächstes Jahr dann noch eine weitere, aber es könnten mehr werden. Es ist jetzt wichtig, dass das „Gebäude Deutschland“ steht – Buchhaltung, Organisation und vieles mehr. Wenn das steht, kann man richtig Gas geben.

Wie weit nach Norden ist die Expansion geplant in Deutschland?
Der erste Schritt ist Bayern, und da in Südbayern, südlich der Achse Passau-München-Lindau und wir gehen nächstes Jahr in Richtung Regensburg. Dann schauen wir, wie es uns geht. Aber wir waren bei Fussl nie Getriebene. Der Fehler von vielen Firmen ist, dass sie sagen: ich mache fünf Länder oder 20 Filialen. Dann kommt man zur Jahresmitte drauf man hat erst fünf Filialen und man muss noch 15 weitere machen.
Dann machen sie 15 Filialen, nur um die Ankündigungspolitik erfüllt zu haben. Und von den 15 sind dann 10 schlechte dabei. Wenn man das über Jahre macht, hat man viele schlechte Filialen.
Wir machen hingegen einfach das was „zuwakumt“. Nächstes Jahr sind zwei neue Filialen in Deutschland sehr wahrscheinlich, aber es können auch fünf werden. Oder, wenn wir Pech haben, machen wir gar nichts. Einfach zwanglos.

Wie geht’s in Österreich weiter mit den Filialen?
Beim Filialnetz optimieren wir nur noch. Wir sind in den Bezirksstädten flächendeckend vertreten, außer in Tulln und Hallein. Die gehören noch besetzt, wenn der geeignete Standort kommt. Wenn der nicht kommt, lassen wir es sein (lacht).

Der Konkurrenzkampf in der Modebranche ist hart – was ist Fussls Erfolgsrezept?
Der Konkurrenzkampf ist in verschiedenen Bereichen sehr hart. Die Discount-Branche ist sehr hart, aber das kann man auch ganz einfach machen: In den billigsten Fabriken produzieren lassen und in Österreich verkaufen. Das machen viele Anbieter. Wir unterscheiden uns: wir machen eine bessere Ware zu einem Preis über dem von Discountern und bieten eine bessere Beratung.
Wir bieten etwas mehr als die anderen in der Qualität, in der Beratung – und sind trotzdem noch leistbar. Das ist der Erfolgsweg. Man braucht dazu einfach ein anderes Qualitätsbewusstsein. Und das zieht sich durch die ganze Firma. Das ist der Erfolgsweg und den kann man nicht kopieren.

Wie wichtig sind Lehrlinge für Fussl?
Man braucht die Lehrlingsausbildung als Grundlage. Viele im System Fussl, ob Verkäufer, Filialleiter oder Gebietsleiter, sind ehemalige Lehrlinge von uns. Wir haben fast keine Quereinsteiger. Sehr viele erfolgreiche Führungskräfte – nicht nur bei Fussl, sondern in auch in vielen anderen Unternehmen – waren früher Lehrlinge. Oft sind es nicht die Akademiker, sondern die Leute aus der Basis, die erfolgreich sind. Die beste Ausbildung ist noch immer die duale Ausbildung. Unsere Mitarbeiter kennen den Betrieb und die Praxis und wenn sie sich weiterbilden, ist alles möglich.

Was erwarten Sie von einem guten Mitarbeiter?
Ich erwarte mir das Gleiche, das ein Kunde von einem Mitarbeiter erwartet. Der Mitarbeiter muss perfekte Beratung bieten. Verlässlichkeit, Ehrlichkeit, Pünktlichkeit, Zusammenarbeit in der Mannschaft sind ganz wichtig. Oder, so wie es in der Bibel steht: Behandle jeden Menschen so, wie du selbst behandelt werden willst. Wenn das alle machen, haben wir kein Problem in der Firma – und generell kein Problem im gesellschaftlichen Zusammenleben.

Ist es in letzter Zeit schwieriger geworden, Lehrlinge zu finden?
Es wird von Jahr zu Jahr schwieriger – es wird generell am Mitarbeitermarkt schwieriger. Ich bemühe mich seit Monaten dieses Dilemma zu ergründen, auch in Verbindung mit dem AMS. Warum ist es eigentlich so ist, dass die Firmen die benötigten Mitarbeiter nicht bekommen, obwohl es so viele Arbeitslose gibt? Das ist ein Widerspruch, den ich bis heute nicht erklären kann.
Wenn es da keine Lösung gibt, kann man nur aus dem Ausland Arbeitskräfte importieren, obwohl es in Österreich so viele Arbeitslose gibt.

Wieviele Lehrlinge bildet Fussl derzeit aus?
Derzeit sind es knapp 60 – unser Ziel wäre, dass wir 50 Lehrlinge pro Jahr aufnehmen. Aber, auch hier gilt: nicht mit Gewalt! Wir nehmen die, die zu uns passen. Unter 20 Lehrlinge möchte ich aber nicht kommen, das wäre die Untergrenze. Bis zu 50 Lehrlinge pro Jahr wären möglich, aber die kriegen wir von der Qualität nicht. Es ist natürlich von Gebiet zu Gebiet unterschiedlich. Im Innviertel ist es leichter, aber in Großstädten ist es fast unmöglich. Das hängt auch mit der größeren Konkurrenz durch Schulen zusammen. Wenn ich in einer Stadt 15 Schulen und alle Möglichkeiten habe, dann überlege ich es mir, eine Lehre anzufangen.

Ist der Fachkräftemangel das bestimmende Thema?
Das ist ein Riesenthema und es wird sich noch verstärken. Wir haben da aber weit weniger Probleme, da wir eine bekannte Marke sind. Ganz extrem auswirken wird sich das Thema bei kleineren Betrieben, die sich kein Personalmarketing leisten können. Die werden es ganz schwer haben.

Wie sucht Fussl die Mode für die nächste Saison aus?
Prinzipiell gibt es immer gewisse Trends und die bricht man dann runter auf Österreich. Das machen wir in Zusammenarbeit mit unseren Lieferanten.
Und das meiste ist Gefühlssache. Das muss man sich vorstellen, wie wenn man selbst einkauft – nur etwas größer (lacht).

Wie wirkt sich die Online-Dominanz von Zalando auf den Modehandel aus?
Jetzt buchen die Kunden online, früher haben sie es über Versandhandelskataloge gemacht. Unterm Strich ist die Steigerung nicht riesig. Wenn, dann wollen wir die Beratung wie im Geschäft online anbieten und werden das vielleicht in zwei, drei, fünf Jahren mal starten. Wobei: Die große Euphorie ist noch nicht da.

Das heißt es wird ein Online-Angebot von Fussl geben?
Wenn es nötig ist und der Online-Anteil steigt, werden wir etwas anbieten, das anders ist als die anderen – und doch ein bisschen ähnlich (lacht).
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