10.03.2016, 00:00 Uhr

Wolfgangsee: Aus für die Air Challenge, Gerüchte um scalaria und eine "erfundene" Adresse

Keine Rettung für die Air Challenge: Sie fand 2015 zum letzten Mal statt. Das Ende der Flugshow habe aber keine wirtschaftlichen Gründe, betont Veranstalter und scalaria-Eigentümer Peter Gastberger. (Foto: K. Fellner)

Wolfgangsee verliert größtes Event des Jahres. scalaria-Eigentümer und Veranstalter Peter Gastberger: "Keine wirtschaftlichen Probleme dafür verantwortlich". Dafür wirbt das scalaria seit Jahren mit "erfundener" Adresse.

ST. WOLFGANG. "scalaria ist ein Ort, wo Visionen Wirklichkeit werden, wo Emotionen Platz haben und wo das große Staunen zu Hause ist": So die unbescheidene Selbstbeschreibung des bekannten 4-Sterne-Hotels am Wolfgangsee.

Doch die Gerüchteküche in der Gemeinde brodelt. So soll das Hotel seit vergangener Woche auf der abzuarbeitenden Liste der Gemeinde – Stichwort Bau-Skandal – zu finden sein. Das bestätigten gut informierte Gemeinderatsmitglieder. Dem widerspricht allerdings Hotelier und scalaria-Eigentümer Peter Gastberger: "Da bei uns die meisten Bauverhandlungen über die Bezirkshauptmannschaft erledigt werden, sind wird davon nicht betroffen", so Gastberger.

Aber der Bau-Skandal ist derzeit ohnehin nicht der einzige wunde Punkt am Wolfgangsee. Wie der BezirksRundschau bestätigt wurde, findet die Air-Challenge nicht mehr statt. Das Flug-Event am Wolfgangsee, das von Gastbergers scalaria veranstaltet wurde, lockte seit 2005 jeden Sommer tausende Besucher an. Nun wird es die Flugshow nicht mehr geben. "Wir haben das jetzt zehn Jahre lang gemacht und wollen nun etwas Neues machen. Es wird in eine künstlerische Richtung gehen", sagt Gastberger.
Für den Tourismus am See ist die Absage natürlich ein herber Schlag. 2012 bezifferte eine Studie der Johannes Kepler-Uni die Wertschöpfung des Events mit 2,3 Millionen Euro. Alleine der Werbewert der Veranstaltung liege bei 500.000 Euro. "Es war sicher die größe Veranstaltung im Sommer. Natürlich ist das aus touristischer Sicht sehr schade, wenn die Air Challenge nicht mehr stattfindet", sagt der St. Wolfganger Tourismusdirektor Hans Wieser.


Wirtschaftliche Probleme?

Seit in den letzten Wochen und Monaten ruchbar wurde, dass das Großevent nicht mehr stattfinden könnte, tauchten in der Gemeinde Gerüchte über die wirtschaftlichen Zustand des Eventhotels auf. Und das nicht zum ersten Mal. Schon Jahre zuvor wurde kolportiert, dass das Scalaria mit Auslastungsproblemen kämpfe. Deshalb sei das Hotel 2013 für "normale" Gäste geöffnet worden, hieß es. Zuvor war die exquisite Location nur Kongress- und Eventteilnehmer vorbehalten. Auf Anfrage widerspricht der Hotelier den Gerüchten. "Es geht uns wirtschaftlich sehr gut", so Gastberger.

Kein "Schuldenschnitt"

Besonders scharf widerspricht er dem in der Bevölkerung kursierenden Gerücht, dass es einen Schuldenschnitt in mehrstelliger Millionenhöhe gegeben habe: "Uns schenkt niemand mehrere Millionen Euro", so Gastberger. Allerdings bestätigt er einen Bankwechsel und mehrere millionenschwere Pfandrechte, die die Bank Austria sowie die Hotel- und Tourismusbank auf das Eventhotel im Grundbuch eingetragen haben. Laut Gastberger betragen die Außenstände des scalaria knapp sieben Millionen Euro, allerdings zahle man pro Jahr eine Million zurück. Für ein Hotel dieser Größe mit 200 Zimmern und 400 Betten sei dies normal. "Es läuft manchmal besser und manchmal schlechter, aber derzeit geht es uns sehr gut", so Gastberger.

Auch das Ende der Air Challenge habe nichts mit etwaigen wirtschaftlichen Problemen des 4-Stern-Hauses am Wolfgangsee zu tun: "Da gibt es keinen Zusammenhang." Vielmehr schmiedet er schon neue Ausbaupläne: "Neue Zimmer sind der nächste Schritt", so Gastberger.

Hotel mit "erfundener" Adresse – "See 1" statt "Markt 107"

Neben den wirtschaftlichen und touristischen Fragen, die das Ende der Air Challenge mit sich bringt, sorgt am Wolfgangsee eine weitere Merkwürdigkeit für Heiterkeit und Kopfschütteln. So beantragte scalaria-Eigentümer Hotelier Peter Gastberger im Jahr 2006 zwei Mal eine Umbenennung der scalaria-Adresse von „Markt 107“ in „See 1“. Wie der BezirksRundschau von der Gemeinde St. Wolfgang bestätigt wurde, scheiterte der Antrag aber beide Male im Gemeinderat. Man wolle keinen Präzedenzfall für andere Hoteliers mit Umbenennungswünschen schaffen, begründete man damals die verweigerte Umbenennung.

Doch damit war keineswegs das Ende von See 1 besiegelt. Vielmehr taucht die Adresse See 1 seither auf der scalaria-Homepage sowie auf allen großen Buchungsplattformen wie „booking.com“, „holidaycheck“ und „tripadvisor“ auf. Nachdem Gastberger am Gemeinderat scheiterte, benannte er die Hoteladresse somit kurzerhand selbst um. Auf Anfrage erklärt der Hotelier sein Vorgehen so: „Wir haben uns die Marke 'scalaria See 1', im Markenregister eintragen lassen. Das ist unsere Firmenbezeichnung“. Schließlich sei das scalaria ein Hotel, das internationale Gäste anziehe, deshalb brauche man im Außenauftritt eine Adresse, die international vermittelbar sei. Also: See 1. „Wir müssen uns ja schließlich verkaufen“, so Gastberger.

Post hat keine Freude

Von Gemeindeseite habe man wenig Handhabe gegen eine eigenmächtige Adressänderung, meint Bürgermeister Franz Eisl. Im Gemeindeamt sei das scalaria jedenfalls mit der richtigen Adresse, Markt 107, gemeldet. Bei der Post sieht man die eigenhändige Adressänderung etwas kritischer: „Unsere Zusteller sind im Falle von solchen erfundenen Adressen dazu angehalten, Sendungen zu retournieren“, so die Post-Pressestelle. Warum das im gegenständlichen Fall nicht passierte, könne man kurzfristig nicht nachvollziehen.
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