28.07.2016, 00:00 Uhr

"Wollen starke Vertretung der Konsumenten sein"

Ulrike Weiß (44) übernimmt mit 1. September offiziell die Konsumentenschutzabteilung der AK Oberösterreich. (Foto: AK Oberösterreich)

Ulrike Weiß ist seit dem Jahr 2000 in der Konsumentenschutzabteilung der AK Oberösterreich tätig. Mit 1. September wird sie offiziell Nachfolgerin des langjährigen Konsumentenschutz-Chefs Georg Rathwallner, der in Pension geht.

BezirksRundschau: Wie möchten Sie persönlich ihre Funktion als "oberste Konsumentenschützer" in OÖ anlegen?
Ulrike Weiß: Ich möchte mit meinem Team eine starke Vertretung für die oberösterreichischen Konsumenten sein. Mit Hilfe unserer Information und Beratung sollen die oberösterreichischen Konsumenten Ihre Rechte kennen und durchsetzen können. Für die Unternehmen steht der Konsumentenschutz der AKOÖ als verlässlicher Partner für faire außergerichtliche Lösungen zur Verfügung. Wir werden unser Fachwissen und unsere Beratungserfahrung dazu nutzen, wesentliche konsumentenrechtliche Fragen zu klären und praktisch brauchbare Konsumentenschutzbestimmungen durchzusetzen.

Welche Schwerpunkte möchten Sie in ihrer zukünftigen Arbeit setzen?
Schwerpunkt wird weiterhin die Beratung und außergerichtliche Vertretung der Konsumenten sein. Ein besonderes Anliegen ist es mir, durch unser breites Informationsangebot Probleme bereits präventiv zu verhindern, da eine „Reparatur“ nicht in allen Fällen möglich ist. Bei Unklarheiten oder Missständen werden wir in Muster- oder Abmahnverfahren die rechtliche Klärung herbeiführen und dadurch auch die Position für alle Verbraucher kollektiv verbessern.

In welchen Bereichen ist der Konsumentenschutz mit den meisten Anfragen konfrontiert?
Aktuell ist Reisezeit und deshalb gibt es viele Anfragen in diesem Bereich – Flugverspätungen und -stornierungen. Stornomöglichkeiten bei Anschlägen und Unruhen sind ganz aktuell. Die meisten Fragen über das Jahr beziehen sich auf das allgemeine Konsumentenrecht – wie z.B. mangelhafte Ware, Rücktrittsmöglichkeiten, Online-Shopping, Gutscheine, Kostenvoranschläge. Handy und Internet sind Dauerbrenner und Probleme mit Finanzdienstleistungen beschäftigen uns in den letzten Jahren sehr stark. Fragen zu Freizeitdienstleistungen wie Fitnessstudios und Partnervermittlungen nehmen zu.

Sie sind ja auch schon seit 16 Jahren im Konsumentenschutz tätig – was hat sich seit damals am meisten verändert?
Die größten Veränderungen im Konsumentenschutz gab es aus meiner Sicht in der Beschaffung und Bereitstellung von Informationen: Als ich 2000 im Konsumentenschutz begann, beantwortete ich noch viele Anfragen schriftlich, wir schmökerten in Nachschlagewerken und verfassten Konsumentenbroschüren für Veranstaltungen. Wir beziehen unser Wissen online und wir geben es online weiter. Die Konsumenten kontaktieren uns heute noch meist telefonisch, immer häufiger per E-Mail und viele Konsumenten informieren sich über unsere Homepage, auf der wir Vergleichstools, Downloads und Musterbriefe zur Verfügung stellen. Vieles ist einfacher geworden, dadurch auch schneller und breiter.

Und wo sehen sie in Zukunft die größten Herausforderungen?
In diesem zunehmenden Tempo und im grenzenlosen Angebot sehe ich auch die größte Herausforderung für uns Konsumentenschützer. Wir müssen immer am Laufenden sein, mit den technischen Entwicklungen Schritt halten, uns auf neue Themen einstellen, mit Konsumentenschützern und verbündeten Organisationen europaweit kooperieren sowie zeitgemäße und wirkungsvolle Schutzbestimmungen durchsetzen. Gleichzeitig müssen wir alle Informationskanäle nutzen, um dafür zu sorgen, dass wir den Konsumenten die Hilfestellung geben können, die sie brauchen.

Gibt es Bereiche, die besser reguliert werden sollten?
Dort wo der Markt nicht funktioniert, weil Wettbewerb nicht funktionieren kann oder weil das Informationsungleichgewicht zwischen Anbietern und Konsumenten zu groß ist, braucht es Regulierung. Etwa um überhöhte Preise zu verhindern. Und dort wo wir mit zivilrechtlichen Mitteln am Ende sind, braucht es mehr Kompetenzen für die zuständigen Behörden – zum Beispiel um unseriöse Produkte und Firmen einzudämmen. Und es braucht einen besseren Zugang zum Recht für Österreicher, damit viele Kleinschäden gesammelt und gemeinsam vor Gericht entschieden werden können.

Zur Person: Ulrike Weiß

Die Grieskirchnerin hat 1990 am BORG Grieskirchen maturiert und anschließend in Linz Volkswirtschaftslehre studiert. Seit Juni 2000 ist sie in der Konsumentenschutzabteilung der AK OÖ tätig, 2004 wurde sie stellvertretende Abteilungsleiterin. Privat lebt sie mit ihrem Mann in Linz/Urfahr und fährt gerne Ski und Mountainbike. Außerdem reist die neue Konsumentenschutz-Leiterin gerne.
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