09.09.2016, 13:22 Uhr

Hausbau: Wenn der Boden zur Falle wird

Mit einer Sondierraupe wird eine Messstange mehrere Meter tief in den Boden gerammt. (Foto: IBBG/Zaussinger)

Tief im Boden können für Häuslbauer böse und kostspielige Überraschungen stecken, die vermeidbar sind.

ÖSTERREICH. Endlich Spatenstich. Die Erdbaufirma ist mit dem Bodenaushub fertig. Doch der Baustellenleiter stoppt die Arbeiten. Da der Boden für das Fundament ungeeignet erscheint, verlangt er eine Bodenuntersuchung. Der Geotechniker stellt fest, dass der Boden zu weich ist. Um das Haus gründen zu können, müssen Pfähle etwa 20 Meter in die Tiefe gebohrt werden. Die Kosten schießen unerwartet in die Höhe.

Bruchteil der Kosten

"Dieser fiktive Fall kommt häufiger vor, als gedacht", betont Anton Zaussinger, Geotechniker und Sachverständiger bei Gericht. Doch solche unangenehmen Überraschungen seien vermeidbar. "Eine normgemäße Bodenuntersuchung vor Baubeginn - oder noch besser vor dem Grundstückskauf - stellt nur einen Bruchteil der gesamten Baukosten dar, kann aber sehr viel Ärger ersparen", sagt Zaussinger zu meinbezirk.at. Eine gute Informationsquelle sind auch Nachbarn, Gemeinden und lokale Erdbauunternehmen. Die geologische Bundesanstalt, Landesregierungen und manche Gemeinden verfügen zum Teil über Baugrundkataster, in die Einsicht genommen werden kann. Die Höhe des Grundwasserspiegels, welche stark schwanken kann, entscheidet ebenfalls darüber, ob der Grund zum Hausbau geeignet ist.

Aufschluss über den Boden

Im Rahmen einer Bodenuntersuchung werden in der Regel ein direkter Bodenaufschluss (also dort, wo man den Boden sieht) und ein indirekter Bodenaufschluss durchgeführt. Bei Letzterem handelt es sich um eine Rammsondierung, bei der eine Stange in den Boden gerammt und der Widerstand im Boden gemessen wird. Bodenaufschlüsse müssen bis mindestens fünf Meter unterhalb der Fundamentunterkante reichen.

Torf ist gefährlich

Unproblematische Böden sind laut Zaussinger Schotter- und Kiesböden: "Denn sie haben eine hohe Scherfestigkeit. Das heißt, sie haben einen guten inneren Zusammenhalt", führt der Experte aus. Problematisch seien Böden mit einem hohen Wassergehalt. Als gefährlich gälten organische Böden wie Torfe, da sie sich zersetzten. Ein Haus könne auf so einem Boden mit der Zeit im Dezimeter-Bereich versinken, so der Geotechniker, oder schief stehen.
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