26.04.2016, 08:20 Uhr

Sadako Monma über ihr Leben nach Fukushima

Die Kindergärtnerin Sadako Monma (r.) aus Fukushima schilderte in Wien, wie sie die Atom-Katastrophe erlebt hat.

Bei ihrem Besuch in Wien erzählte die Kindergärtnerin Sadako Monma aus Fukushima von ihrem Alltag mit der radioaktiven Strahlung und dem Kampf dagegen, den sie in ihrer Heimat begonnen und verloren hat.

WIEN, FUKUSHIMA. Einige Exemplare ihres Kinderbuches hat Sadako Monma nach Wien zu ihrem Vortrag in der Langen Nacht der Forschung am 22. April 2016 mitgenommen. Es handelt von Kindern, die wegen der Katastrophe nicht mehr draußen spielen dürfen, und von Erwachsenen, die den Kampf gegen die Radioaktivität aufnehmen und die verstrahle Erde weggraben.

Nur 62 Kilometer von dem Kernkraftwerk entfernt befand sich der Kindergarten, in dem Sadako Monma arbeitete. "Die Regierung und der Kernkraftwerkbetreiber Tepco erklärten uns, dass sich die Wolke wegbewegte. Als wir die Wahrheit erfuhren, waren wir bereits mitten im Staub", erzählt sie.

Ein hoffnungsloser Kampf

Anstatt sich entmutigen zu lassen, nahm Sadako Monma gemeinsam mit anderen Einwohnern von Fukushima den Kampf gegen den radioaktiven Staub auf. Dekontamination nennt sich das Unterfangen: Die Erdschichten wurden abgetragen, bis Messgeräte einen geringen Strahlenwert anzeigten. Die verstrahlte Erde schlossen die Bewohner in riesigen Containern weg.

das Buch namens Licht der Hoffnung
Sadako Monmas Kinderbuch trägt den Titel "Licht der Hoffnung".

"Entsorgen kann man die Erde nicht, es gibt kein Endlager", erzählt Monma. Unmengen dieser Behälter stehen in Fukushima herum. Lehrer, Eltern, Gemeindeleiter und viele andere Freiwillige begannen damit, den Spielplatz des Kindergartens zu dekontaminieren. Es folgte das Gebiet um das Schulgebäude. Doch jeder Regen brachte neuen verstrahlten Schmutz.

Nach und nach zogen die Menschen weg: Waren anfangs noch 23 Kinder im Kindergarten, kamen ein halbes Jahr nach der Kernschmelze nur noch neun, zwei Jahre später nur mehr drei. Mittlerweile lebt auch Monma nicht mehr in Fukushima.

Bauern setzen auf Solarenergie

In Fukushima habe sich laut Monma ein Bewusstsein für erneuerbare Energie durchgesetzt. "Früher dachten wir, Atomkraft sei sauber und sicher. Heute können die Bauern den Boden nicht mehr nutzen", sagt Monma. Viele Bauern haben Solar-Panele aufgestellt und verdienen nun ihr Geld mit Sonnenenergie.

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