17.06.2016, 15:05 Uhr

Asylstudie: Massenquartiere stoßen auf Ablehnung

Christian Konrad, Rudolf Bretschneider, Helmut Mödlhammer und Isabella Blaha (v.r.n.l.) während der Präsentation der Asylstudie in Wien.

Flüchtlingskoordinator Christian Konrad und Gemeindebundpräsident Helmut Mödlhammer wollten ihre Eindrücke von der Flüchtlingsthematik mit Fakten unterlegen und gaben eine Umfrage unter den Bürgermeistern in Auftrag. Die Ergebnisse bestätigen, was Konrad und Mödlhammer vermuteten.

ÖSTERREICH. Eine Umfrage unter 900 Bürgermeistern der 2.100 österreichischen Gemeinden bringt erstmals mehr Klarheit über die Probleme und Herausforderungen im Zusammenhang mit der Flüchtlingsthematik sowie auch darüber, wo es gut läuft. „Wer Flüchtlinge in der Gemeinde aufgenommen hat, ist gelassener, pragmatischer und lösungsorientierter“, so Flüchtlingskoordinator Christian Konrad über die Umfrageergebnisse.

Papierkrieg bremst Integration

Es gibt aber auch Forderungen an die Bundespolitik, um etwa das Engagement der Freiwilligen zu erhalten und die Integration von Flüchtlingen zu erleichtern. Konrad und Mödlhammer fordern insbesondere einen Abbau der Bürokratie, die bei der Unterbringung sowie auch bei Beschäftigung der Flüchtlinge für gemeinnützige Tätigkeiten ein großes Hindernis darstelle. Isabella Blaha, Bürgermeisterin von Scharnitz in Tirol, wünscht sich in dem Zusammenhang auch eine Auflockerung beim Pflichtschulalter, damit auch Jugendliche, die über dem Pflichtschulalter liegen, eine Schule besuchen können.

Gemeinden hoffen, dass Flüchtlinge bleiben

Überraschend für Marktforscher Rudolf Bretschneider sei, dass 34 Prozent der Gemeinden – vor allem die kleineren – darauf hoffen, dass die Flüchtlinge nach positivem Asylbescheid bleiben. Interessant sei auch, dass sich die Haltung gegenüber Flüchtlingen nach deren Ankunft deutlich verbessert habe. Dies sei vor allem in kleineren Gemeinden, die vor 2015 noch keine Erfahrung mit Flüchtlingen hatten, zu beobachten, so Bretschneider.

"170.000 Flüchtlinge verkraftbar"

Das Verhalten der Bürgermeister spiele hier eine entscheidende Rolle: „Begegnung nimmt Angst. Wenn ein Bürgermeister voran geht, folgt ihm auch die Gemeinde“, so Konrad. Er ist überzeugt, dass ein Flüchtlingsanteil von ein bis zwei Prozent der Gesamtbevölkerung verkraftbar ist. Das entspräche etwa 170.000 Menschen.

"Hysterische Berichterstattung"

Mödlhammer hob hervor, dass die Umfrageergebnisse nicht die mediale Berichterstattung wieder spiegelten, die von Dieter Posch, Bürgermeister des burgenländischen Neudörfl, als hysterisch bezeichnet wurde. „Man könnte annehmen, dass es neben dem Flüchtlingsthema kaum noch andere politische Herausforderungen gäbe“, sagte Mödlhammer.

Sozialkosten größtes Problem

Herausforderung Nummer eins der Gemeinden sind laut der Umfrage die Sozialkosten, gefolgt von Kinder- und Altenbetreuung. Die Integration von Flüchtlingen in den Gemeinden liegt auf Platz sieben und sei somit „ein Problem mittleren Ranges“, so Bretschneider.

Ablehnung von Massenquartieren

Was die Flüchtlinge betreffe, sei die Unterbringung laut Mödlhammer das kleinere Problem. Die große Herausforderung für die Gemeinden stelle die Integration dar. Insgesamt haben die Gemeinden 86.000 Quartiere geschaffen, von denen 8.000 frei stehen. Entscheidend für die Akzeptanz der Flüchtlinge in der Bevölkerung sei die Größe der Quartiere. „In der Regel gibt es nur bei Großquartieren Ablehnung“, so Mödlhammer. Massenquartiere befinden sich meist in größeren Gemeinden, wo laut Umfrage die Vorbehalte gegen Flüchtlinge gewachsen sind.
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