28.04.2016, 15:49 Uhr

Entwicklungshilfe: Geld anlegen statt spenden

Frau Nlewen in Nigeria erhielt einen Mikrokredit und verkauft nun Taschen. (Foto: Opmeer Reports)

Eine kleine Bäckerei, eine Geflügelzucht oder eine kleine Blumenplantage. Das sind nur drei Beispiele für Mikrokredite in Entwicklungsländern, die durch die Entwicklungsgenossenschaft Oikocredit ermöglicht wurden.

ÖSTERREICH. Geld ethisch anzulegen ist noch eine Nischensparte, die sich jedoch seit dem Finanzcrash 2008 wachsender Nachfrage erfreut. Die Entwicklungsgenossenschaft Oikocredit Austria verzeichnet in Österreich mittlerweile 5.000 Mitglieder, die ein Anlagekapital von 88 Millionen Euro stellen. Das Geld der Anleger fließt zu 80 Prozent an Mikrofinanzinstitute in 69 Länder weltweit.

Kredite an Frauen

Empfänger der Mikrokredite, die je nach Region zwischen 50 und 500 Euro betragen, sind zu 86 Prozent Frauen. Grund: "In den meisten Fällen sind Frauen für die Finanzen im Haushalt zuständig", sagte Friedhelm Borschert, Vorstandsvorsitzender von Oikocredit Austria, bei einer Pressekonferenz in Wien. Doch Geld allein zählt nicht. "Begleitung, Bildung und Betreuung der Menschen sind für uns ein zentrales Anliegen", so Günter Lenhart, stellvertretender Vorsitzender. 170 Mitarbeiter von Oikocredit seien demnach vor Ort für Beratung und Coaching unterwegs.

Geringes Risiko

Neben einer Dividendenausschüttung, die laut Borschert stets bei zwei Prozent liegt, profitierten Anleger von einem geringerem Risiko. "Unsere Ausfallquote liegt bei einem Prozent", so Borschert. Auch gebe es so gut wie keine Kursschwankungen. Neben Mikrokrediten werden Genossenschaften, sozial geführte Klein- und Mittelbetriebe und Projekte im Bereich erneuerbarer Energie finanziert. Dabei sei wichtig, nicht nur Rohstoffe abzubauen, sondern auch weiterzuverarbeiten, damit die Wertschöpfung im Land bleibe, so Borschert weiter.

Migration verhindern

Borschert ist überzeugt, dass Migration dann verhindert werde, wenn Menschen vor Ort Hilfe zur Selbsthilfe geboten werde. "Oikocredit ermöglicht Menschen in ihrer Heimat eine Existenz zu gründen und schafft damit Arbeitsplätze und Lebensperspektiven", sagte Borschert.

Oikocredit wurde 1975 auf Initiative des Ökumenischen Rates der Kirche in den Niederlanden gegründet. Weltweit gibt es 51.000 Mitglieder, die insgesamt eine Milliarde Euro angelegt haben.
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Wolfgang Waas aus Westliches Mittelgebirge | 07.05.2016 | 07:55   Melden
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Linda Osusky aus Land Österreich | 09.05.2016 | 11:31   Melden
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Wolfgang Waas aus Westliches Mittelgebirge | 09.05.2016 | 20:33   Melden
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Linda Osusky aus Land Österreich | 09.05.2016 | 22:58   Melden
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