06.05.2016, 14:58 Uhr

Hannes Androsch: "Österreich muss von der Kriechspur wieder auf die Überholspur kommen

Hannes Androsch: "Die Unis brauchen mehr Geld aber auch mehr Exzellenz-Ausrichtung." (Foto: Arnold Burghardt)

Um Österreich stand es schon einmal besser. Der Industrielle Hannes Androsch und ÖBB-Chef Christian Kern sagen, wie es wieder aufwärts gehen könnte.

ÖSTERREICH. Hannes Androsch redet nie lange um den heißen Brei herum. So auch, wenn es wie neulich bei einer Diskussionsrunde um den Wirtschaftsstandort Österreich geht. "Vor elf Jahren hieß es noch, wir sind die besseren Deutschen. Und jetzt fahren wir auf der Kriechspur, mit der Aussicht, am Pannenstreifen zu landen", so der ehemalige Finanzminister und jetzige Industrielle.

"Es herrscht eine ausgeprägte Regulierungswut"

Was Androsch besonders ärgert: die konstant hohe Rekordarbeitslosigkeit bei gleichzeitigem Facharbeitermangel, die Rekordschulden des Staates sowie die, wie er sagt, "ausgeprägte Regulierungswut".

"Zudem", so Androsch, "sind die sozialen Leistungen oft so konfiguriert, dass es sich manchmal schon auszahlt, eine Zeit lang besser arbeitslos zu sein als arbeiten zu gehen." Verantwortlich für die Lage sei laut Androsch die Bundespolitik aber auch die Landespolitik. "Es fehlt an der Einsicht für die Voraussicht."

"Wir haben noch immer eine Industrie von internationalem Format."

Freilich, so Androsch wolle er nicht alles schlecht reden. "Wir haben noch immer einen funktionierenden Wohlfahrtsstaat und eine Industrie, die im internationalen Wettbewerb mithält."

Und wie kommen wir von der Kriechspur wieder auf die Überholspur? ÖBB-Chef Christian Kern hat dazu ein paar Eindrücke bei seiner vergangenen USA-Reise gesammelt. "Das Bildungssystem gerade in Hot-Spots wie Silicon Valley ist stark mit der Wirtschaft vernetzt." Sprich: Die Wirtschaft sagt zum Beispiel, welche Leute sie braucht, und die Unis bilden dann entsprechend aus.

ÖBB-Chef Christian Kern
Christian Kern: "In den USA ist der Zukunftsoptimismus einfach gewaltig.", Foto: Arnold Burghardt

Außerdem, so Kern, müsse man sich der Tatsache stellen, dass die Globalisierung und die Digitalisierung eine riesige Herausforderung für die Wirtschaft und auch für jeden Einzelnen bedeuten werden.

"Es gibt die sogenannten Spiralen des Erfolgs."

Zudem müsse Österreich wieder stärker an die "Spiralen des Erfolgs" anschließen. "Spiralen des Erfolgs" sind für Kern Regionen, die Unternehmergeist und damit in Folge auch Wissen und Kapital und vor allem gute Leute anlocken.

In Europa wären das etwa die Schweiz mit ihrer Pharmabranche oder Deutschland mit seiner Autoindustrie. Und Österreich? Bezogen auf Wien brauche es zwar noch eine klare Zukunftsstrategie, doch sei man auf dem richtigen Weg, so Peter Hanke, Chef der rund 75 Betriebe umfassenden Wien Holding.

Peter Hanke von der Wien Holding
Peter Hanke: "Wir stehen gut da. Wir müssen aber auch strategisch neu denken.", Foto: Arnold Burghardt

Die größte Herausforderung für Wien sei wegen der Bevölkerungszunahme der Wohnbau, sagt Hanke. "Pro Jahr errichten wir 10.000 neue Wohnungen." Und was braucht Österreich ganz dringend? Androsch, Kern und Hanke sind sich da einig: Ein moderneres Bildungssystem, von der Ganztagsschule bis hin zur fortlaufenden Erwachsenenbildung, und eine Technologieoffensive.

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Josef Lankmayer aus Lungau | 07.05.2016 | 10:27   Melden
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