12.06.2016, 06:00 Uhr

Allergie-Impfung gegen Insektengift kann Leben retten

Für Allergiker ist oft schon ein Wespenstich ausschlaggebend, um einen Schock auszulösen. (Foto: Initiative Insektengift/Shutterstock)
Rund 300.000 Österreicher schweben in Gefahr, durch einen Insektenstich einen sogenannten anaphylaktischen Schock zu erleiden – sie sind schwer allergisch gegen das Gift einer Biene oder Wespe. Jedes Jahr sterben in Österreich sogar mehrere Menschen an einem allergischen Schock, durch Insektenstiche. „Wer im vergangenen Sommer von einer Wespe oder Biene gestochen wurde und allergische Reaktionen zeigte, die über eine Hautreaktion an der Einstichstelle hinausgeht, sollte über den Beginn einer Allergie-Impfung nachdenken. Denn jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um bereits einen Schutz für den Sommer aufzubauen,“ rät Assoz.Prof. Dr. Gunter Sturm, stv. Leiter des Allergieambulatoriums am Reumannplatz und Leiter der Forschungsgruppe Klinische Allergologie an der Univ.-Hautklinik Graz.

Anzeichen erkennen

Das wichtigste ist, die ersten Anzeichen eines anaphylaktischen Schocks ernst zu nehmen und schnell zu handeln. „Sobald die Symptome über eine örtliche Hautreaktion an der Einstichstelle hinausgehen, sollte der Notarzt gerufen werden,“ so Sturm. Die Symptome für einen allergischen Schock werden in vier Schweregrade unterteilt. Sie müssen jedoch nicht zwingend in der beschriebenen Reihenfolge auftreten. Einige Allergiker entwickeln außerdem nur einen Teil der genannten Symptome.
– Grad 1: Hautausschlag an verschiedenen Körperstellen, Juckreiz, Schwellung der Unterhaut, Angst
– Grad 2: Symptome wie Grad 1 und zusätzlich Schwellungen nicht nur an der Stichstelle, Übelkeit, Erbrechen, Bauchkrämpfe, Durchfall, Fließschnupfen, Heiserkeit, Atemnot, Schneller Herzschlag, Blutdruckabfall, Schwindel
– Grad 3: Symptome wie Grad 1 und Grad 2 und zusätzlich pfeifende Atmung, Atemnot, Kehlkopfschwellung, Schluck- und Sprechbeschwerden, Blässe, kalter Schweiß, bläuliche Verfärbung von Haut, Lippen, Schleimhäuten, Fingernägeln, Benommenheit, Schwäche, Todesangst
– Grad 4: Symptome wie 1 bis 3 und Inkontinenz, Kollaps, Bewusstlosigkeit, Atem- und Kreislaufstillstand


Verdacht auf Allergie

Im Zweifelsfall klärt ein Besuch beim Facharzt, ob eine Allergie gegen Insektengift vorliegt. Ein speziell dafür ausgebildeter Haut-, HNO-, Lungen- oder Kinderarzt entscheidet nach einem ersten Gespräch, ob ein Allergietest sinnvoll ist. Dieser kann als Haut- oder Bluttest durchgeführt werden. Beim Hauttest, dem sogenannten Pricktest, wird eine geringe Menge an Insektengiftlösung auf die Haut getropft und in die oberste Hautschicht gestochen. Quaddeln und Juckreiz an der Einstichstelle bestätigen die Insektengiftreaktion. Werden beim Bluttest Antikörper auf Bienen- oder Wespengift festgestellt, wird eine Allergie bestätigt.

Die Impfung

Eine Allergie-Impfung, die sogenannte allergen-spezifische Immuntherapie oder Hyposensiblisierung, ist die einzige Therapieform, mit der die Ursache einer Insektengiftallergie erfolgreich behandelt werden kann. Dem Betroffenen wird dabei in regelmäßigen Abständen das allergieauslösende Insektengift injiziert, um den Körper an das Allergen zu gewöhnen. Die Therapie wird in zwei Schritten durchgeführt: in einer Aufdosierungsphase (vier Monate) und in einer Erhaltungsphase (drei bis fünf Jahre).

Die Insektengift-App

„Stichalarm“ ist ein neuer, äußerst wertvoller Service für Insektengift-Allergiker. Die multifunktionale Anwendung ist zum einen ein umfassendes Nachschlagewerk, das allgemeine Informationen zu den wichtigsten Allergie-auslösenden Insekten sowie zur Diagnose und Therapie einer Allergie bietet. Darüber hinaus findet man konkrete Tipps zur Vermeidung von Stichen sowie eine Anleitung für Erste-Hilfe-Maßnahmen. Zum anderen haben die App-Nutzer nun immer für sie wichtige Services wie z. B. eine Notfall-Taste oder eine Facharztsuche auf ihrem Handy mit dabei. Die App wurde gemeinsam mit Allergologen entwickelt und steht für Android und iOS unter www.stichalarm.at zum kostenlosen Download zur Verfügung.
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