20.09.2016, 12:32 Uhr

Vision und Mission: "Ich bin und bleibe Arzt!"

Will Bewusstsein für Krebsvorsorge schaffen: Herbert Stöger, neuer Abteilungsleiter der Onkologie an der Uniklinik Graz. (Foto: Höflehner)

Herbert Stöger, neuer Leiter der Onkologie an der Uniklinik Graz, erzählt, was ihn bewegt und was er bewegen will.

Aus den auf Initiative seines Vorgängers Hellmut Samonigg liebevoll gestalteten Gängen der Abteilung für Onkologie am Grazer Uniklinikum ist Herbert Stöger ohnehin schon seit Jahrzehnten nicht wegzudenken. Bisher war der 60-jährige Facharzt für Innere Medizin und Hämato-Onkologie stellvertretender Leiter und hat maßgeblichen Anteil an der heutigen Stellung der Abteilung. Seit Februar dieses Jahres hat Stöger offiziell die interimistische Leitung der Onkologie übernommen. Im WOCHE-Interview schildert der Mediziner seine Vorhaben und erzählt vom täglichen Wettlauf gegen und mit der Volkskrankheit Krebs.

Die Anreise zum neuen MED Campus macht Eindruck. Wie arbeitet es sich inmitten dieser Forschungslandschaft?

Herbert Stöger: "Großartig! Nicht nur in der Symbolik, sondern auch in der Praxis. Ich bin seit 30 Jahren hier tätig, damals hat es Forschung de facto nicht gegeben. Jetzt haben wir das hier und es ist ein großer Unterschied, ob der Experte 300 Meter entfernt sitzt, drei Kilometer oder noch weiter."

Wie stehen Sie zur Gesundheitsreform?
"Dass, was passieren muss, ist klar. Natürlich tue ich mir leicht, das zu sagen. Ich sitze ja in einem Zentrum. Aber nehmen wir die Onkologie her: Vor 30 Jahren war man einfach Onkologe, ein Arzt für alle Krebsarten. Heute braucht man für jede Tumorart einen eigenen Spezialisten. Es gibt so viele bekannte Untergruppen von Krebs, die völlig anders zu behandeln sind. Diese Behandlung gibt’s nur in einem Zentrum."

Was bedeutet Krebs heute?
"Fest steht, Krebs tritt nicht häufiger auf als früher, aber es gibt trotzdem mehr Menschen, die Krebs haben, weil sie dank verbesserter Therapiemöglichkeiten länger leben. Dennoch ist es die zweithäufigste Todesursache, die man selbst beeinflussen kann. Mir als Onkologe läuft es kalt den Rücken runter, wenn ich junge Frauen sehe, die rauchen. Ja, sicher, es ist ein Genussmittel, aber was dieser Genuss anrichten kann, sehe ich täglich auf meiner Station. Ein zweiter Faktor ist das Übergewicht. Wir wissen heute, dass Brustkrebs eindeutig mit Übergewicht in Zusammenhang steht. Natürlich gibt es auch Faktoren, die man schwer beeinflussen kann, wie die ganzen Umweltgifte, denen wir täglich ausgesetzt sind."

Bereits zum sechsten Mal findet heuer der Steirische Krebstag statt. Was steckt dahinter?
"Heute kann man sich sehr viel Wissen aus dem Internet holen – das können aber viele Menschen nicht richtig einordnen oder es ist schlichtweg falsch. Wir wollen kompetente Aufklärungsarbeit betreiben, für Betroffene und Interessierte. Und man muss nicht Krebs haben, um zum Krebstag zu gehen. Auch Übergewichtige, die abnehmen wollen, oder Raucher, die aufhören wollen, finden dort Rat bei Experten. Und was vielleicht am wichtigsten ist: Die Menschen sehen, ich bin nicht allein mit Krebs."

Was sind Ihre Vorhaben und Visionen für die neue Position?
"Ich habe das Glück, einen ausgesprochen gut laufenden Betrieb übernommen zu haben. Was mir am Herzen liegt, ist, dass sich meine Mitarbeiter alle dorthin entwickeln können, wohin sie wollen. Und im Grunde meines Herzens will ich natürlich möglichst vielen Menschen helfen – ich bin und bleibe Arzt."

Informationen zum 6. Steirischen Krebstag:

Am 24. September 2016 findet in der Messe Graz – Eingang 4-Nord – der 6. Steirische Krebstag statt. Der Eintritt ist frei.
Den ganzen Tag über stehen Vorträge und Treffs mit Experten zu Themen wie "Vererbung Krebs", "Was kann die Immuntherapie?" oder "Psychologische Betreuung bei Krebs" am Programm.
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