02.08.2016, 15:00 Uhr

Hella in Osttirol: Sonne über Abfaltersbach

Martin Troyer: "Wenn wir gut arbeiten, haben wir überall Wachstumspotential bei Hella." (Foto: Foto: Kirchheim)

Martin Troyer ist gesamtverantwortlicher Geschäftsführer der Firma Hella in Abfaltersbach.

Welche Verbindung zur Heimat muss man haben, um in Abfaltersbach einen Firmenstandort aufrechtzuerhalten und noch auszubauen?
Martin Troyer: „Das ist in der Geschichte des Unternehmens und auch in der Unternehmerfamilie Kraler zu begründen. Firmengründer Alois Kraler – er war auch Bürgermeister in Abfaltersbach – wollte durch sein Unternehmen die Region und die Menschen nachhaltig stärken. Natürlich entwickelt sich das Unternehmen stetig weiter, aber die regionale Verantwortung steht in der Firmenphilosophie nach wie vor ganz oben.“

Aber ihre Produktpalette wie Sonnenschutz, Insektenschutz oder Jalousien könnten Sie billiger in China produzieren. Gab es schon Überlegungen, abzuwandern?
„Nein. Natürlich gibt es billige Produkte in der Branche, wie das Baumarktangebot, das ein anderes Marktsegment darstellt. Hella macht Produkte nach Maß, wir haben das Design und die Niederlassungen in Österreich und in Europa. Aber der Markt ist preissensibel und es gibt nur den Weg der erfolgreichen Marke und dem dazugehörigen Image, dann stimmt auch der Preis. Wenn es nur um den Preis geht, so muss sich jedes Unternehmen Produktionswege überlegen, um hier mithalten zu können. Auch die Nähe zum Kunden durch unser Filialnetz ist ein Marktvorteil.“

Und wie sieht es mit den Innovationen der Fa. Hella aus? Werden die nicht gnadenlos raubkopiert?
„Ja, das ist ein Problem. Viele Produkte, die wir entwickelt haben, werden weltweit kopiert, man kann sich hier sehr schlecht schützen.“ Aber in unserer Zentrale in Abfaltersbach arbeiten wir ständig an neuen Produkten und an der Verbesserung unserer Systeme.“

Ein produzierender Betrieb braucht gute Mitarbeiter, sind die in Osttirol überhaupt am Markt vorhanden?
„Wir bieten in großem Maße Lebensarbeitsplätze, Generationen haben bei uns einen Arbeitsplatz gefunden. Natürlich stehen wir im Wettbewerb mit den großen Betrieben im Pustertal, und ein Betrieb mit 650 Mitarbeitern hat eine andere Personalstruktur als ein kleines Unternehmen. Daher kommen unsere Mitarbeiter aus einem größeren geografischen Einzugsgebiet und auch teilweise aus dem Ausland. Aber um gute Leute muss man sich bemühen. Auch unter dem Aspekt, dass es in Osttirol etwa 10 Prozent Arbeitslose gibt sollte es leicht möglich sein, offene Stellen zu besetzen. Aus den gemeldeten Arbeitslosen ist es leider schwer, geeignete Mitarbeiter zu finden. Für mich recht unverständlich, aber es ist leider so.“

Die Industrie spricht derzeit von der Digitalisierung, Schlagwort 4.0. Wie weit greift das in Ihrem Unternehmen?
„Ist ein Riesenthema! Wir produzieren all unsere Produkte auf Maß und jedes Produkt ist eine Einzelanfertigung. Daher waren wir schon immer sehr stark an intelligenten EDV-Systemen und an der Vernetzung unserer Daten angewiesen. Die digitale Vernetzung unserer Mitarbeiter und unserer Geschäftspartner wird auch in der Zukunft ein wesentliches Erfolgskriterium sein. Die Kunst wird sein, das Geschäftsmodell so weiterzuentwickeln, dass wir für unsere Kunden und Mitarbeiter nachhaltige attraktiv bleiben. Die manchmal angesprochene Arbeitszeitverkürzung ist aus meiner Sicht aber kein Garant für mehr Jobs.“

Wo sehen Sie in Zukunft die Wachstumsmöglichkeit für Hella?
„Wenn wir gut arbeiten, überall. Wir arbeiten in einem Verdrängungsmarkt, die Produkte müssen einfach besser sein. Sonnenschutz hat Zukunft und wird noch mehr zur Selbstverständlichkeit bei Neubauten und bei Fassadensanierungen werden. Heute ist der Markt für unsere Produkte viel besser aufbereitet als in Vergangenheit. Unsere Produkte stiften großen Nutzen: Energiesparen, Behaglichkeit und Sicherheit.

Sehen Sie durch den Brexit Auswirkungen auf Ihr Unternehmen? Wie sehen Sie grundsätzlich die EU?
„Der Austritt von Großbritannien aus der EU ist schade, wird unser Unternehmen aber nicht unmittelbar betreffen. Natürlich bringen solche Themen Unsicherheiten in den Markt, die Leute denken länger nach und entscheiden oft zögerlich. Für die Wirtschaft selber glaube ich, dass die Unternehmen sachlicher sind als die Politik. Wenn wir in England mit einem Partner Geschäfte machen, so wird das auch nach dem Brexit gehen.“

Hella

Die Firma Hella mit Sitz in Abfaltersbach beschäftigt in der Gruppe ca. 1.300 Mitarbeiter und erwirtschaftete im Jahr 2015 175 Mio. Euro Umsatz.
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