05.07.2016, 15:30 Uhr

Pfeifer Group GF Michael Pfeifer: "Es ist eine Herausforderung"

GF Michael Pfeifer von der Pfeifer Group eröffnet die Interviewserie Tiroler Unternehmer am Wort

Die Pfeifer Group, ein erfolgreiches Unternehmen in der Holzindustrie, hat ihre Zentrale in Imst. Wir sprachen mit GF Michael Pfeifer.

Seit über 60 Jahren ist die Firma Pfeifer in Imst ansässig und erfolgreich. Was hält Sie am Standort Tirol?
MICHAEL PFEIFER: „Wir haben uns sehr früh entschieden, Schnittholz in Tirol weiterzuverarbeiten. Mittlerweile verarbeiten wir den kompletten Rohstoff Holz zu Schalungs- und Holzbauprodukten, Pellets, Briketts und Biostrom. Wir beziehen das Rundholz für unsere Sägewerke aus einem Umkreis von 200 Kilometern und liegen sehr zentral zu unseren Hauptmärkten Österreich, Deutschland, Italien und Schweiz. Das Wichtigste in unserem Unternehmen sind unsere motivierten Mitarbeiter.

Es hat sich einiges getan in der Tiroler Politik durch Schwarz-Grün. Wie sehen Sie die politische Entwicklung im Sinne Ihres Unternehmens in Tirol?
„Es gibt nach wie vor bürokratische Belastungen und wir haben zu viele Verbotsstrukturen. Es wird zu oft gesagt, warum etwas nicht geht als dass es geht. Dazu kommt die Belastung der Maut auf den Autobahnen (Road-Pricing). Auch das sektorale Fahrverbot sehe ich kritisch - aber nicht nur ich: im Jahr 2000 gab es in Tirol noch 603 Industriebetriebe, 2014 nur mehr 456. In Österreich ist der Verwaltungsaufwand zu groß und die Lohnnebenkosten zu hoch.“

Welche Reformschritte erhoffen/erwarten Sie sich von der Politik in Tirol, Österreich, der EU?
„Zuerst einmal eine Verwaltungsreform und die Senkung der Lohnnebenkosten, auch die Verringerung der massiven Bürokratie ist wünschenswert.“

Gibt es für Sie als Unternehmer, auch nach dem „Brexit“ in Großbritannien eine Alternative zur EU?
„Für uns Unternehmer ist die EU durch den freien Warenverkehr ein Vorteil. Eine Alternative zur EU gibt es für mich nicht. Nach dem EU-Beitritt hat die Wirtschaft in einigen Ländern einen Aufschwung erhalten. Einzig die Frage, ob die EU zu weit für manche Mitgliedsländer geöffnet wurde, stellt sich mir schon. Der geplante Austritt aus der EU von Großbritannien hat mich auch sehr überrascht. Ich sehe diesen Schritt sehr kritisch für die Wirtschaft und bin gespannt, ob nicht weitere EU-Länder folgen.“

Pfeifer wird sich auch der Industrie 4.0-Entwicklung nicht entziehen können. Ist Ihr Unternehmen darauf vorbereitet?
„Natürlich sind wir vorbereitet. Eine Herausforderung ist es, genügend qualifizierte Facharbeiter zu finden, die bestens ausgebildet sein müssen. Aber auch die rückläufigen Lehrlingszahlen sind für die Unternehmen in Österreich ein Problem. Das wird auch durch die Zuwanderung nicht wirklich zu lösen sein. Durch gezielte Aktivitäten ist es uns gelungen, in den letzten Jahren vermehrt Lehrlinge in unseren Betrieben auszubilden. Ansonsten sind wir für das neue Industriezeitalter sehr gut vorbereitet. Wir veranstalten interne Workshops, um unser Unternehmen gemeinsam mit unseren Mitarbeitern auf 4.0 vorzubereiten.“

Welche Maßnahmen sind geplant, welche Investitionen? Auswirkungen auf den Mitarbeiterstand?
In unserem Unternehmen werden die Produktionsabläufe laufend verbessert. Das ist ein ständiger Prozess. In Imst und Kundl werden heuer in die Optimierung der Produktionsabläufe bzw. Infrastrukturmaßnahmen in Höhe von ca. EUR 15 Mio. zur Absicherung beider Standorte investiert.

Wie sehen Sie die mittelfristige Entwicklung des Holzpreises, speziell auch den der Holzpellets?
Der Rundholzpreis ist in den letzten Jahren gestiegen. Wir liefern mittlerweile unsere Produkte in 90 Länder. Pellets sind nach wie vor günstiger als andere Brennstoffe. Wir produzieren Pellets seit 1998 und liefern diese hauptsächlich nach Österreich, Süddeutschland, Südtirol und in die Schweiz. Die Energiesparte mit Pellets, Holzbriketts und Biostrom ist ein wichtiges Standbein in unserem Unternehmen.

Die Pfeifer Group verarbeitet pro Jahr knapp 3 Mio. Festmeter Holz. Wird der Druck der internationalen Konkurrenz für die heimische Holzindustrie größer?
Der Druck ist in den letzten Jahren größer geworden. Wir haben nicht nur in Österreich und Deutschland Mitbewerber, sondern auch in Skandinavien, Rumänien bis hin nach Russland. Auch die Konkurrenz aus Osteuropa ist massiv. Dort sind die Lohnkosten sehr niedrig. Aber durch die sehr hohe Verarbeitungskompetenz und unseren motivierten Mitarbeitern unseres Unternehmens sind wir dem Druck auch in Zukunft gewachsen.“

Pfeifer Group:

Die Pfeifer Group produziert an acht Standorten, verarbeitet 3 Mio. Festmeter Rundholz, beschäftigt 1.800 Mitarbeiter und erzielte 2015 560 Mio. Euro Umsatz.
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