06.09.2016, 11:00 Uhr

Das Alte Rathaus: Ein unterschätztes Wahrzeichen Wiens

Das Gebäude gehört seit 1316 der Gemeinde Wien. (Foto: Waltharis)

Historisch wichtig, aber von der Öffentlichkeit fast vergessen: Das Alte Rathaus feiert seinen 700. Geburtstag. Die Bezirksvorstehung Innere Stadt und die bz laden 30 bz-Leser zu einer Spezialführung ein.

WIEN. Es ist das Jahr 1850. Eine Kommission berät über verschiedene Varianten der Donauregulierung. Die meisten Mitglieder sprechen sich für eine stadtferne Variante aus – so wie sie später auch realisiert wird. Später bedeutet in diesem Fall stolze 20 Jahre später. Eine Auseinandersetzung unter den Mitgliedern hatte die Kommission nämlich jahrelang gelähmt.

Eine Anekdote, wie sie wienerischer nicht sein könnte. Ebenso wienerisch wie der Schauplatz, an dem die Donauregulierung diskutiert und schließlich auch beschlossen wurde: das Alte Rathaus. Das Prädikat "geschichtsträchtiges Haus", mit dem in Wien fast jedes Haus betitelt wird, trifft fast nirgends so sehr zu wie auf dieses Gebäude. Immerhin feiert es heuer seinen 700. Geburtstag. Und dennoch steht es – zu Unrecht – im Schatten von Stephansdom, Karlskirche oder sogar dem aktuellen Rathaus.

Allein die Anfänge des Hauses beginnen turbulent. Ursprünglich war das Alte Rathaus das Wohnhaus der Bürgerfamilie Haymo. Nachdem Otto Haymo an einem erfolglosen Aufstand gegen die Habsburger teilgenommen hatte, wurde er verbannt und sein Besitz konfisziert. Herzog Friedrich der Schöne schenkte danach das Gebäude im Jahr 1316 der Gemeinde Wien.

Im Wandel der Zeit

Über die Jahrhunderte hinweg hat das Gebäude historische Ereignisse sprichwörtlich am eigenen Leib miterlebt. Nach dem Judenpogrom 1421 wurde das Haus vergrößert, weil drei angrenzende jüdische Häuser in den Bau einbezogen wurden. Auch während des Baubooms nach der Zweiten Türkenbelagerung 1683 wurde das Alte Rathaus vergrößert.

Ein architektonisches Highlight befindet sich im Innenhof. Der Andromedabrunnen wurde von Bildhauer und Maler Georg Raphael Donner gestaltet, von dem auch der Donnerbrunnen am Neuen Markt stammt.

Bis 1885 wurden im Alten Rathaus die Geschicke der Stadt gelenkt. Die Gestaltung der Ringstraßenzone wurde hier ebenso abgesegnet wie der Bau der ersten Hochquellwasserleitung. Heute ist die Bezirksvorstehung der Inneren Stadt in dem Gebäude untergebracht.

Und auch das Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes. Noch ein Grund, warum man dem Alten Rathaus mal wieder einen Besuch abstatten sollte.

Spezialführung für Regionauten

Eine Spezialführung für 30 bz-Leser findet am 14. September um 18 Uhr mit Historiker Christian Mertens und Markus Figl, dem Bezirksvorsteher der Inneren Stadt, statt. Anmelden kann man sich unter innere-stadt.red@bezirkszeitung.at Die ersten 30 bekommen eine Bestätigung.
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