13.04.2016, 12:22 Uhr

Jergitsch: "Je härter der Politiker, desto härter darf Satire sein"

Der Tagespresse-Beitrag zur Erdoğan-Böhmermann-Debatte. (Foto: Screenshot: dietagespresse.com)

Die erregt geführte Debatte rund um Jan Böhmermanns Schmähkritik des türkischen Premiers Recep Tayyip Erdoğan ist nun auch bei uns aufgeschlagen.

WIEN. In einem aktuellen Beitrag der Tagespresse nimmt Satirist Fritz Jergitsch die Affäre aufs Korn und behauptet, ein Sextape zugespielt bekommen zu haben, dass das türkische Staatsoberhaupt mit Ziegen zeigt.

Jergitsch verteidigt Jan Böhmermanns Zugang in diesem Fall vehement: "Er hat sein Schmähgedicht ja eingeleitet mit der Ankündigung, er werde gleich die Grenze der Satire überschreiten. Er hat nicht kommentarlos Beleidigungen vorgelesen." Das Gedicht ohne diesen Kommentar hätte keine satirische Substanz, meint Jergitsch. "Ich hätte aber trotzdem gesagt die Freiheit der Kunst ist unantastbar." Böhmermann habe das Gedicht aber auf einer Meta-Ebene vorgelesen und einen sehr intelligenten Zugang gewählt. Deswegen bedauert Jergitsch auch, dass der ZDF das Video gleich vom Netz genommen hat: "Damit wurde vielen Menschen die Möglichkeit genommen, den ganzen Clip zu sehen und sich selbst ein Bild zu machen." Online ist das Video noch auf der Plattform Vimeo.

"Satire soll sich mit Politik beschäftigen, nicht umgekehrt"

Dass gegen den deutschen Satiriker ermittelt wird, hält Jergitsch für einen Skandal: "Das ist mit dem Rechtsstaat meiner Meinung nach nicht vereinbar." Dass Satire immer wieder für politische Verwerfungen sorgt, sieht er kritisch: "Im Idealfall beschäftigt sich Politik nicht mit Satire, sondern umgekehrt." Jan Böhmermann hat schon vor einem Jahr mit dem "Varoufakis-Finger" in einer politischen Debatte umgerührt.

Den aktuellen Beitrag der Tagespresse sieht er als keinesfalls mit dem Gesetz in Konflikt. "Es handelt sich dann um Satire, wenn es einen Bezug zur Realität gibt, und der ist hier vorhanden. Hätten wir allerdings ohne jeden Zusammenhang geschrieben 'Erdoğan hat Sex mit Ziegen', wäre das Rufschädigung." Jergitsch ist der Meinung, Erdoğan sei ein besonders dankbarer Kandidat für Satire: "Je härter das Objekt der Satire vorgeht, desto härter darf die Satire sein. Und Erdoğan bringt Menschen um und ist auf der anderen Seite so empfindlich."
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