13.09.2016, 00:00 Uhr

Linie 8: Die Rückkehr der Gürtel-Bim?

Sparkassaplatz in Rudolfsheim-Fünfhaus mit einem Waggon der Linie 8, Mitte der 1960er-Jahre. (Foto: Privatsammlung Werner Neuwirth)

Ausgehend von Rudolfsheim wird die Wiedereinführung der Gürtel-Bim gefordert.

WIEN. In 40 Minuten von Meidling nach Döbling: 82 Jahre lang gehörte der 8er in den West-Bezirken zum Stadtbild. Nun soll die 1989 eingestellte Linie entlang des Gürtels ein Revival erleben. Gefordert wird dies von den Bezirkschefs.

Zum ersten Mal aufgekommen ist das Thema bereits im Sommer, ausgehend von Rudolfsheim-Fünfhaus. Von den Wiener Linien gab es für den Vorstoß damals jedoch ein "Nein". Man sei nicht mehr in den 1980er-Jahren, die Forderung sei ein Griff in die Nostalgie-Lade, hieß es von dort.

Aufgeben? Das kommt für den Rudolfsheimer ANDAS-Mandatar Didi Zach, der die Idee ursprünglich aufgebracht hat, nicht infrage. In der jüngsten Bezirksvertretungssitzung gab es zwar keine Stimmenmehrheit für den Antrag, die nächste Sitzung am 15. September will Zach aber für einen zweiten Anlauf nutzen. Unterstützung dafür bekommt Zach von SPÖ-Bezirkschef Gerhard Zatlokal: "Die U6 ist am Ende ihrer Kapazität."

Interessant: Bei der Sitzung votierten 19 SPÖ-Mitglieder gegen die Linie 8. Nur ein SPÖ-Mandatar gab seine Zustimmung – allerdings nicht Zatlokal, der war wegen Krankheit verhindert. "Es gibt jedoch Signale von der SPÖ, dass jetzt anders abgestimmt werden könnte", so Zach. Unterstützung für die Idee kommt auch von dem Verkehrswissenschafter Harald Frey von der Technischen Universität: "Eine U-Bahn kann nie eine Straßenbahn ersetzen. Und die U6 ist erst recht kein Ersatz für den 8er." Vorteile der Linie 8 laut Frey: ein barrierefreier und einfacherer Zugang und kürzere Haltestellen-Abstände als bei der U6. Ottakrings SPÖ-Bezirksvorsteher Franz Prokop sieht die Sache etwas differenzierter: "Bei der U6 wurde in den vergangenen Jahren viel gemacht. Durch die Wiedereinführung des 8ers würde man diese Bemühungen infrage stellen." Derzeit beschäftigt sich die Verkehrskommission mit der Thematik. Eine Entscheidung soll in den nächsten Wochen fallen.

Auch Währing-Chefin Silvia Nossek (Grüne) hält die Idee für gut - der Radweg entlang des Gürtels, wo früher die Gleise des 8ers verlaufen sind, dürfe dafür allerdings nicht geopfert werden. Döblings ÖVP-Bezirksvorsteher Adi Tiller gibt ebenfalls grünes Licht: "Im Bezirk gibt es ja auch noch alle Gleise." In Hernals könnte ebendies aber zum Problem werden: Auf der ehemaligen Trasse befindet sich jetzt entlang des Gürtels ein Fußgänger- und Radweg. Und SPÖ-Bezirkschefin Ilse Pfeffer setzt wohl ohnehin eher auf die neue U5, um die Öffi-Situa-tion zu entschärfen.

Gleise als Knackpunkt

Ähnlich in Meidling: Über die Meidlinger Hauptstraße kann man aktuell nicht mehr fahren. Diese ist nämlich mittlerweile eine Fußgängerzone. "Eine Linie 8 wie damals würde keinen Sinn machen", sagt SPÖ-Bezirksvorsteherin Gabriele Votava.

In Rudolfsheim will man sich dennoch nicht entmutigen lassen: "Der 8er muss ja nicht eins zu eins eingeführt werden. Das könnte man ja offener halten. Und so wird das auch in meinem Antrag stehen", so Didi Zach. Ob sein Kampfgeist ausreicht, wird sich bei der Sitzung am 15. September zeigen.
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Stephan Weinberger aus Rudolfsheim-Fünfhaus | 15.09.2016 | 20:00   Melden
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